Alter schützt vor Toren nicht
Die jüngeren Leser werden sich fragen, warum der Schmitt auf einmal Tore schießt, der war doch in Steinau immer Libero. Das war in der Vorsaison in der Tat noch, funktionierte sich selbst aber jetzt zum offensiven Mittelfeldspieler um - eine neue Rolle für ihn, war er doch ganz früher ein typischer Mittelstürmer. "In Kirchhasel hat vor der Runde in der Offensive etwas der Schuh gedrückt, während es in der Defensive eigentlich keinen Handlungsbedarf gab. Deswegen stelle ich mich weiter nach vorne", erklärt der 38-Jährige einleuchtend und fügt an: "In Steinau hatte eben hinten der Schuh gedrückt." Was er beim Blick auf die Tabelle der Kreisoberliga Mitte jetzt auch allem Anschein nach wieder macht.
In Kirchhasel ist hingegen die Euphorie neu entfacht, schließlich wird in den Heimspielen Spektakel aller erster Güte geboten: 3:0, 2:0, 8:2, 4:2, 4:5 und 7:0 lauten die bisherigen Ergebnisse vor eigenem Publikum. Die Gründe dafür sind plausibel: "Wir haben eine richtig gute Trainingsbeteiligung, was sich auch auf die zweite Mannschaft auswirkt und dafür sorgt, dass wir fit sind und immer noch mal zulegen können. Dazu kommt eine gute Mischung aus Erfahrenen und jungen Wilden. Außerdem ist die Mannschaft absolut intakt."
Allzu hoch sollen die Ziele aber keineswegs formuliert werden: "Letzte Saison ging es lange gegen den Abstieg und die Mannschaft hat sich eigentlich nicht verändert. Wir haben gesagt, dass ein Platz unter den ersten fünf eine gute Geschichte wäre und daran halten wir fest." Ein Aufstieg in die Kreisoberliga, aus der es 2006 runterging, ist aktuell kein Thema: "Ich habe auch schon in Mackenzell und Steinau dazu gestanden, dass ich mit Einheimischen arbeiten will und die nicht vergraulen möchte, nur um Spieler von außerhalb zu holen", sagt Schmitt, der damit für Kontinuität bei den Vereinen sorgte und selbst lange Dienstzeiten an einem Ort verrichten konnte.
Einer war da jeweils schon nicht mehr dabei: Sein Bruder Oliver, mit dem "Schmadtke" - angelehnt an FC-Geschäftsführer Jörg - Ende der Neunziger das Sturmduo bei Mackenzell bildete. Doch vor zwei Wochen zauberte er ihn aus dem Hut, der auch direkt traf. "Es hat sich bei Oli angeboten, da er den Pass bei Hünfeld liegen hatte und wir mit dem HSV ja ohnehin eine Spielgemeinschaft bei den Alten Herren bilden. Für ihn hat sich nichts geändert und wenn Not am Mann ist, dann kann ich ihn dazu nehmen." 43 Jahre ist der ältere Bruder mittlerweile alt, weiß aber genau wie sein Bruder noch vor der Kasten steht. Alter schützt vor Toren nicht. Glücklicherweise.