Spieler im Blickpunkt
Der, der Dreck frisst
René Heller (links) ist eine Institution im Trikot der Mackenzeller TSG. Derbys gegen Nüsttal, wie hier in der Saison 16/17, hat er schon zahlreiche gespielt. Foto: Charlie Rolff
„Ich stehe nicht allein, wenn ich sage, dass die Leute, die sich in Vereinen ehrenamtlich engagieren, weniger werden. Vielleicht helfen aber die Pandemie und die Einschränkungen, die sie nach sich ziehen, dass nachher die Menschen mehr zu schätzen wissen, was sie an Vereinen haben und sich entsprechend mehr in ihnen einbringen.“ Ein Statement, das zahllosen Vereinsmeiern aus der Seele sprechen dürfte.
René Heller spricht es aus. Leere Worthülsen sind das nicht. Bei genauerem Hinsehen vielmehr das Gegenteil. Dem Mackenzeller Kirmesverein steht er vor, bei der TSG ist er dritter Vorsitzender und als faschingsbegeistert geht er ebenfalls durch, engagiert sich in den Kampanien. Heller opfert viel Freizeit für das Ehrenamt auf und tut das ab. Als echter Dorftyp sei das normal, ja gar eine Selbstverständlichkeit. Gleichermaßen ist Heller fest davon überzeugt, dass er durch sein Tun profitiert. Im Berufsleben beispielsweise. Verantwortung zu übernehmen lernt er im Verein, an der Arbeit kann er diese Fähigkeiten einbringen. Ein Win-Win-Geschäft, wie er sagt. Vielleicht gar ein Win-Win-Win-Geschäft. Denn Heller knüpft darüber hinaus Kontakte, die ihm in vielfältiger Weise zugute kämen. Kurze Dienstwege für allerlei Dinge im Privatleben sind Usus.
Was er für den Ort und den Verein leistet, kann sein Trainer Steffen König einschätzen: „René ist jemand, den sich jeder Verein wünscht. Er ist super zuverlässig, verpasst höchstens mal aus beruflichen Gründen ein Training. Er geht absolut vorweg, frisst im Spiel und sogar im Training Dreck. Er ist absolut unkompliziert und kann sich sehr gut einschätzen.“ Viel mehr Lobhudelei geht nicht. Es perlt ebenfalls an Heller, den ein jeder nur bei seinem Nachnamen nennt, ab.
Konkurrenz im Sturm zu stark
Bemerkenswert ist seine Wandlung als Spielertyp. Als er Jugendspieler war, stürmte er – und das überaus erfolgreich. Heller war der Spieler mit der eingebauten Torgarantie. Im Seniorenbereich war damit aber Schluss. Zumindest langte es nicht, um sich in der Sturmspitze der ersten Mannschaft zu etablieren. „Die anderen waren besser und sind es noch immer. Die Konkurrenz beispielsweise mit einem Tobias Schön früher oder Maximilian Trapp und Jakob Grosch heute ist zu groß“, sagt er. Er startete stattdessen in der Reserve, gewöhnte sich an den Seniorenfußball und spielte jahrelang da, wo er gebraucht wurde – nur nicht im Sturm. Mal auf der Sechs, mal auf der Zehn, mal als Außenstürmer.
Mittlerweile beackert er zuverlässig die rechte Seite. Oft am Rande der Gelben oder Gelb-Roten Karte. Er polarisiert. Er setzt Zeichen. „Früher war das noch schlimmer“, sagt er zu seinem teils überzogenen, aber für die Mannschaft mitreißendem Ehrgeiz. Er will immer das Maximum, sagt sein Trainer – und schätzt diese Eigenschaft.
Ob das allein dazu reicht, um die Liga zu halten? Wohl nicht, denn die TSG steht in der KOL Mitte mit dem Rücken zur Wand. Nach der für viele Beobachter unverhofften wie überraschenden Corona-Meisterschaft schlagen nur fünf Punkte nach zehn Spielen zu Buche. „Das Zeug haben wir, um mit unserer Truppe die Liga zu halten“, ist Heller überzeugt.
Immerhin seien die Stützpfeiler wie Dennis Theisenroth, Ibrahim Doganer, Christian Vogt oder Spielertrainer König mit höherklassiger Erfahrung ausgestattet. Die Spiele seien oft besser als die Ergebnisse gewesen, erinnert sich Heller zurück. Und selbst wenn nur die Hinrunde zu Ende gespielt würde, sähe Heller noch Licht am Ende des Tunnels.
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