Hofacker würde die Zeit gerne zurückdrehen

Mitja Hofacker ist Stammkeeper der SG Johannesberg. Foto: Charlie Rolff

Die SG Johannesberg spielt bislang eine überragende Saison und überwintert nicht umsonst auf dem ersten Platz der Gruppenliga. Vielleicht der Hauptgrund für die starke Serie: die deutlich verbesserte Defensive. Verhinderten 46 Gegentore der besten Offensive der Liga im vergangenen Jahr noch eine bessere Platzierung als Rang vier, kassierte die SGJ in dieser Saison die mit Abstand wenigsten Gegentreffer (14). Das freut naturgemäß auch Torhüter Mitja Hofacker.

"Für viele unserer Spieler war es im vergangenen Jahr die erste Gruppenliga-Saison. Dazu haben wir extremes Pressing gespielt, gegen Mannschaften mit offensiver Qualität sind wir deshalb oft ins offene Messer gelaufen", zählt der Keeper die Probleme der Vorsaison auf. "In dieser Saison sind wir geduldiger. Wir stehen relativ stabil, lassen wenig zu und nutzen unsere wenigen Chancen konsequent." Die Folge: Nur vier von 18 Spielen wurden nicht gewonnen, die vergangenen acht Begegnungen wurden mit nur zwei Gegentoren allesamt positiv beendet.

"Das Spiel in Eichenzell war der Knackpunkt. Unsere erste und einzige Niederlage war ärgerlich, hat uns aber auch gezeigt, dass uns so eine Pleite nicht umwirft", betont Hofacker. Von einer möglichen Meisterschaft will der 23-Jährige aber dennoch nichts wissen - zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt: "Es ist noch ein weiter Weg. Wir müssen zunächst schauen, wie wir aus der Winterpause kommen und wie wir Alin Cotans Ausfall (Ellenbogenbruch, mit 15 Treffern bester Torjäger, Anm. d. Red.) verkraften."

In der Verbandsliga würde sich Hofacker derweil schon auskennen. Als einer von wenigen Spielern im SGJ-Kader spielte der Torhüter schon in der sechsthöchsten Spielklasse, damals noch in Diensten der SG Bad Soden. "Uns ist schon bewusst, dass das ein großer Schritt wäre. Aber wir haben eine gestandene Mannschaft, die die Möglichkeit hätte, sich in einer neuen Liga zu beweisen. Und als Fußballer will man natürlich immer so hoch wie möglich spielen."

"Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich den Ball auf den Hartplatz gedroschen"

So auch Hofacker, denn das hat er bereits zu Junioren-Zeiten. Von seinem Heimatverein, der SG Bad Soden, wechselte der Nachwuchskeeper über die Zwischenstation Aschaffenburg zu Kickers Offenbach. Als Stammtorhüter der A-Junioren wurde er mit dem OFC 2011 Hessenliga-Meister und spielte gegen Saarbrücken um den Aufstieg in die Bundesliga. "Es war die mit Abstand spannendste Zeit in meiner fußballerischen Laufbahn. Die Meisterschaft war ein Riesenerlebnis, das ganze Drumherum war überragend", erinnert sich Hofacker.

Nach einem 3:3 im Hinspiel in Saarbrücken war die Ausgangslage für einen Bundesliga-Aufstieg gut, die Enttäuschung nach der 1:2-Niederlage dementsprechend umso größer. Beim Stand von 0:1 wollte Hofacker mit seinem schwachen Fuß einen Rückpass wegschlagen, trat dabei aber in die Erde und Saarbrückens Stürmer nutzte den Patzer gnadenlos aus. "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich den Ball einfach auf den Hartplatz gedroschen."

Denn anstatt mit dem OFC in der A-Junioren-Bundesliga zu spielen, schnürte Hofacker nie wieder in einem Pflichtspiel die Schuhe für Offenbach. Ausgerechnet der jetzige Flieden-Torhüter, Lukas Hohmann, kam aus der U17 heraus und wurde auf Anhieb Stammspieler. Hofacker dagegen ging in den Seniorenbereich, wurde die Nummer zwei beim Frankfurter Gruppenligisten SSV Lindheim. Über Heimatverein Bad Soden und Rothemann folgte der Wechsel zur SG Johannesberg.

Dort fühlt sich der 23-Jährige pudelwohl, seit anderthalb Jahren ist er die unumstrittene Nummer eins. Eine Entscheidung zu seiner Zukunft gibt es derzeit aber noch nicht: "Johannesberg ist mein erster Ansprechpartner. Wir konzentrieren uns jetzt aber erst einmal darauf, gut zu starten und die Form von vor der Winterpause wiederzuerlangen." Und sollte dann am Ende auch noch die Meisterschaft zu Buche stehen, könnte dann - im Gegensatz zur Zeit in Offenbach - auch der Aufstieg bejubelt werden.

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