Was ist eigentlich der "fehlende Unterbau"?
Im Wiederholungsfall drohen sechs Zähler Abzug
Längst zur Gewohnheit sind die Punktabzüge wegen fehlendem Schiedsrichtersoll geworden. Dass nun Vereine mit Punktabzügen bestraft werden, wenn sie nicht genügend Jugendspieler nachweisen können, ist neu. In §27 der Spielordnung ist der "fehlende Unterbau" geregelt. Dort werden zwei Möglichkeiten genannt, um die Vorgaben zu erfüllen.
Einfachster Weg: Zwei eigenständige Jugendmannschaften, die bis zum Stichtag 15. Mai auch noch im Spielbetrieb vertreten sind und mindestens der Altersklasse der E-Junioren oder älter angehören. Findet keine eigene Jugendarbeit statt, sondern wird in einem Jugendförderverein oder einer Jugendspielgemeinschaft mit anderen Vereinen zusammengearbeitet, wird es komplizierter: Mindestens 20 Spieler müssen auf den betreffenden Verein gemeldet sein, jene Spieler müssen bis zum Stichtag 15. Mai insgesamt zehn Pflichtspiele bestritten haben. Auch hier gilt: F- und G-Junioren zählen nicht. Hinzu kommen diverse Sonderregelungen wie Zweitspielrecht.
Da in diesem Jahr erstmals zu den Geldstrafen auch Punktabzüge verhängt werden, gelten Vereine, die bereits vergangene Saison die Anforderungen nicht erfüllt haben, nicht als Wiederholungstäter im Sinne der Punktabzüge. Werden im folgenden Jahr jedoch erneut nicht genügend Jugendspieler nachgewiesen, sind sechs Punkte weg. Gültigkeit besitzt die Reglung allerdings nur in den Verbandsspielklassen, sprich Hessen-, Verbands- und Gruppenligen.
Stederoth findet´s unbefriedigend, Kochanski ein Unding
Für den SV Adler Weidenhausen hat der Punktabzug in dieser Verbandsliga-Saison keine Auswirkung, genauso wenig wie für den TSV Rothwesten. Willingen hätte hingegen bereits die Liga gehalten und müsste nicht bis zum letzten Spieltag zittern, Sand würde mit drei Punkten mehr am letzten Spieltag noch um Platz zwei mitspielen. Für Weidenhausens Funktionär Stefan Stederoth ist dies dennoch eine unbefriedigende Situation: "Weidenhausen hat vielleicht 850 Einwohner, da muss man sehen, wie viele Spieler es überhaupt geben könnte. Ohne Spieler schon im Jugendbereich zu transferieren, wird es dann ganz schwierig, die Bedingungen zu erfüllen." Allerdings könne Stederoth auch den Verband verstehen, eine gewisse Jugendarbeit zu fordern, die auch in Weidenhausen zweifelsohne betrieben werde, allerdings sei es schwierig, den richtigen Maßstab zu finden. Die Adler waren sich schon vor der Saison um die kritische Situation bewusst: "Wir hatten 25 Spieler, von denen zwei, drei gar nicht erst gespielt haben und dazu noch welche aufgehört haben. Am Ende sind wir auf ungefähr 16 Spieler gekommen, deswegen müssen wir die Strafe akzeptieren."
Während in der Fußballregion Kassel Vereine en masse abgestraft wurden, blieb es in Fulda ruhig. "Alle Vereine haben genügend Spieler nachgewiesen", erklärt der Regionalbeauftragte Erhard Zink (Herbstein). Zwar sei es bei manchen Vereinen eng geworden, reichen sollte es am Ende aber immer. Die Vereine sind für den Nachweis beim Hessischen Fußball-Verband selbst verantwortlich. Eine mühsame Arbeit, sofern nicht zwei Teams im Spielbetrieb gemeldet sind. Petersbergs Alexander Vorndran kann ein Lied davon singen und erklärt die besondere Schwierigkeit anhand eines einfachen Beispiels: "Die E-Junioren bestreiten zum Beispiel gar nicht so viele Pflichtspiele. Da wird es bis zum 15. Mai ganz schön eng, dass sie überhaupt auf zehn Spiele kommen." Die Saison bei den Junioren läuft meist bis Mitte Juni, die verbleibenden Spiele werden allerdings nicht gewertet, schließlich müssen die Punktabzüge vor Ende der Saison der Senioren feststehen.
Fehlende Reserveteams werden unabhängig abgestraft
Vorndran hatte jedoch genug Spieler beisammen und musste somit nicht auch noch Hallenspielberichte bei den entsprechenden Klassenleitern anfordern. Denn auch ein Hallenspieltag im Rahmen der Kreismeisterschaften gilt als Pflichtspiel. Grundsätzlich findet "Ede" Vorndran die Reglung allerdings gut: "Das ist ja wie bei den Schiedsrichtern. Hätte da jeder Verein genug, würde es auch keine Bestrafung geben. Und bei den Jugendspielern ist das genauso, die Jugendarbeit wurde bei manchen Vereinen vielleicht ein wenig vernachlässigt."
Gar nicht mit den Bestimmungen kann Steinbachs Funktionär Hugo Kochanski leben, der gerade aufgrund der demographischen Entwicklung - Steinbach habe beispielsweise bei 1470 Einwohnern gerade einmal fünf, sechs Kinder pro Jahrgang - die Idee des Verbands nicht ansatzweise zu Ende gedacht sieht. "Du bestrafst einen Verein, der ein Jahr lang hervorragende Arbeit geleistet hat, weil sich vielleicht ein Jugendspieler verletzt hat, deswegen nicht auf zehn Spiele kommt, dadurch am Ende ein Jugendspieler fehlt und deswegen die Seniorenmannschaft absteigt", spinnt Kochanski die Problematik etwas weiter und sieht gerade den Stichtag 15. Mai als Unding: "Alle Spiele danach fallen runter, das kann nicht sein. Gerade bei den E-Jugend-Spielern hatten auch wir Probleme, die zehn Spiele nachzuweisen. Außerdem kann es nicht sein, dass wir deswegen vielleicht Spieler von anderen Vereinen wegholen müssen." Als Verein habe man während der Saison zudem kaum mehr einen Einfluss, gerade bei äußeren Einflüssen wie Verletzungen oder Wegzug von Spielern. Letztlich hatte der SVS übrigens keine Probleme, die Auflagen zu erfüllen.
In § 27 ist zudem geregelt, dass Hessen-, Verbands- und Gruppenligisten eine Reservemannschaft im Pflichtspielbetrieb zu stellen haben. Hier sind die Bestrafungen deckungsgleich: Drei Punkte Abzug in Jahr eins, sechs Punkte in Wiederholungsfällen. Erfüllt ein Verein beide Anforderungen nicht, werden die Punktabzüge und Geldstrafen unabhängig voneinander verhängt. Bis zu zwölf Punkte Abzug sind somit maximal möglich. Allerdings gilt es als ziemlich sicher, dass beim Verbandsfußballtag im Sommer die Reglung mit den Reserven auf dem Prüfstand stehen und eventuell abgeschafft wird. Stederoth hofft, dass zudem auch das zweite Thema auf den Tisch kommt: "Es gibt wohl Bestrebungen, die Bestimmungen ein wenig aufzulockern. Wenn beispielsweise die F-Jugend auch dazu zählen würde, hätten wir gleich sechs, sieben Spieler mehr." Bleibt alles beim Alten, wird es für die Adler auch in der kommenden Runde wieder eng und dann drohen sechs Punkte Abzug.


Bitte melde Dich an, oder registriere Dich, um Kommentare schreiben zu können