Ungeschlagener Herbstmeister

Kreisoberliga Frankfurt: Sportfreunde dominieren die Liga

22. November 2016, 17:22 Uhr

Speuzer-Kapitän Francesco Puglisi. Foto: Jörg Schulz.

13 Siege und drei Remis in 16 Vorrundenspielen. Mit 42 Punkten führt der FFV Sportfreunde 04 zur Halbzeit die Tabelle der Kreisoberliga Frankfurt mit sechs Zählern Vorsprung vor Concordia Eschersheim an. Der Verein von der Mainzer Landstraße schickt sich an, möglicherweise erstmals den Aufstieg in die Gruppenliga Frankfurt West zu schaffen.

Dass es so gut laufen würde, hätte FFV-Trainer Mehmet Tunay Somun vor Saisonbeginn im Sommer nicht unbedingt erwartet: "Die Zielsetzung lautete unter die ersten sechs kommen. Wir wollten eine gute Rolle spielen, wenn möglich auch oben dabei sein. Aber dass wir die ganze Hinrunde ungeschlagen bleiben würden, das war so nicht abzusehen". In der Rückrunde der letzten Saison hatte die Mannschaft ihr Potenzial schon angedeutet. Mit zehn Siegen in der zweiten Halbserie beendeten die im Volksmund nur als "Speuzer" bekannten Sportfreunde die Saison 2015/16 auf Rang sechs. Gemeinsam mit dem Sportlichen Leiter Udo Felder wurde der Kader in der Sommerpause etwas verändert und einige Akteure wie Alexander Wack und Daniel Tesfaldet verließen den Verein. Die verpflichteten Neuzugänge erhöhten die Qualität im Kader. So kam vom A-Ligisten TSG Niederrad mit Okan Ilkiz ein Spieler mit Hessenliga-Erfahrung (Spvgg. 05 Oberrad). Von Germania Schwanheim stieß mit Zafer Sancak ein Akteur mit Verbandsliga-Erfahrung zu den Speuzern. "Mit diesen beiden Spielern konnten wir die Kreativität im zentralen Mittelfeld erhöhen. Vergessen wir aber nicht Vladimir Blazekovic, der letzte Saison lange verletzt war und auch als Neuzugang zu bewerten ist", schildert der Coach.

Robert Kohns sorgt für gute Stimmung

Eine Überraschung im Kader war Abwehrspieler Halit Kendigül, der den Sprung von der B-Liga-Reserve in die Erste Mannschaft schaffte und eine gute Hinrunde absolvierte. Große Stücke hält Somun auch auf seinen Kapitän Francesco Puglisi. "Er ist ein Speuzer-Urgestein und ein Vorbild für die Jugend. Auch Karim Karouia unterstützt mich mit seiner Erfahrung aus höherklassigen Ligen, genauso wie Ömer Dursun", zählt der Coach auf mehrere Korsettstangen in seinem Kader. Neben Torjäger Ilkiz mit 17 Toren ist in der Offensive auch Robert Kohns ein Leistungsträger, der auch schon zehn Treffer markieren konnte. "Robert ist ein extrovertierter Typ, man muss wissen, wie man mit ihm umgehen kann. Er ist ein enorm wichtiger Spieler, der auch für gute Stimmung sorgt. Er spielt eine gute Runde, glänzt nicht nur als Torschütze, sondern auch als Vorbereiter", findet sein Trainer.

Das besondere am Klub von der Mainzer Landstraße ist seine Internationalität, obwohl es sich um einen traditionell deutschen Verein handelt. Der Standort des alteingesessenen Vereins zwischen Gallusviertel und Griesheim spielt dabei eine wichtige Rolle. Im multikulturellen Ambiente dieser beiden Stadtteile erhält der Verein sowohl im Jugendbereich, als auch im Seniorenbereich eine Menge an Zulauf. "Das ist das schöne am Fußball. Hier treten wir alle gemeinsam für ein Ziel auf und fördern die Integration, leisten damit einen Beitrag für die Gesellschaft", ist Somun begeistert, dessen Team aus zahlreichen Herkunftsländern kommt. Auch aus der eigenen Jugend kommen Talente nach, der junge Tomo Toumpas ist mittlerweile Stammtorhüter bei der Ersten und zeigt gute Reflexe. Eine tolle Entwicklung hat auch Marcel Encomienda genommen, ein weiteres Speuzer-Eigengewächs.

"Enger Kampf um die ersten beiden Plätze"

Auf dem heimischen Kunstrasenplatz gewannen die Speuzer alle Spiele, nur gegen Nachbar und Aufsteiger SG Westend reichte es nur zu einem 1:1. Auswärts mussten sich die 04er beim SV Griesheim Tarik mit einem 3:3 begnügen und überraschenderweise reichte es auch beim abgeschlagenen Tabellenletzten VfR Bockenheim nur zu einem Punkt (2:2). Somun, der erst im zweiten Jahr bei den Speuzern tätig ist und von der SG Oberliederbach II aus dem Main-Taunus-Kreis kam, ist von der Spielstärke der Kreisoberliga Frankfurt angetan: "Die Liga ist sehr stark und es wird ein guter Fußball mit hohem Tempo geboten. Das ganze findet auf einem hohen Level statt mit einer hohen Intensität. Viele Vereine verfügen über sehr gute Einzelspieler". Den Titelkampf sieht der Coach trotz der sechs Punkte Vorsprung weiterhin offen: "Concordia, Hausen, Makkabi, Westend und Tarik können in der Rückrunde eine Serie starten. Es wird bis zum letzten Spieltag ein enger Kampf um die ersten beiden Plätze. Wir wollen bis zum Ende dabei sein". Mit dem Gruppenliga-Aufstieg beschäftige man sich im Verein derzeit noch nicht, sollte man aber Ende März noch an der Tabellenspitze stehen, dann werde man sicherlich die nötigen Vorbereitungen in diese Richtung treffen. "Die Zusammenarbeit zwischen dem Trainerstab und der Sportlichen Leitung läuft gut. Alle Entscheidungen sportlicher Natur werden gemeinsam getroffen", lobt Somun vor allem Udo Felder, den Sportlichen Leiter.

Infrastruktur der Sportanlage verbesserungswürdig

Die altehrwürdige Sportanlage zwischen den Kleingärten und der Autobahnbrücke ist dagegen nicht gruppenliga-würdig. Seit Jahren kämpft der Vorstand um bessere Bedingungen. Der alte Kabinentrakt mit den maroden Duschen ist nicht mehr zeitgemäß. Der Klub befindet sich in Gesprächen mit der Stadt, eine Zusage für ein neues Funktionsgebäude liegt jedoch nach wie vor in weiter Ferne. "Wir wünschen uns mehr Unterstützung für eine bessere Infrastruktur. Die gute Jugendarbeit sollte mit besseren Bedingungen honoriert werden", findet Somun. Der Coach freut sich auch über die Euphorie bei den treuen Anhängern, die sich durch die Erfolgswelle auch in gestiegenen Zuschauerzahlen dokumentiert: "Sie unterstützen uns hervorragend und fahren auch auswärts zahlreich mit. Sie bringen eine positive Grundeinstellung mit, wobei ich immer offen für Kritik bin". Momentan haben die Speuzer-Fans aber im Gegensatz zu den Vorjahren keinen Grund zum Meckern. Das soll auch bis zum Saisonende so bleiben, denn dann könnte die Reise wirklich über Frankfurts Stadtgrenzen hinaus in die Gruppenliga Frankfurt West gehen.

Autor: Pedro Acebes