Puglisi: "Die Gegner sollen Respekt vor uns haben“
Gruppenliga Frankfurt West: Speuzer-Kapitän zieht Zwischenfazit
Francesco Puglisi ist bei den Speuzern Co-Trainer und Kapitän in Personalunion. Foto: FFV Sportfreunde 04
Im Sommer seid ihr erstmals in die Gruppenliga aufgestiegen. Wie leicht oder schwer ist es euch gefallen, in der neuen Liga anzukommen?
„Gerade am Anfang hatten wir unsere Probleme und haben gegen Bosnien und Stierstadt verloren. Am Anfang hatten wir auch noch sehr viele unnötige Platzverweise. Letztes Jahr hatten wir eine so hohe Qualität, die meisten Gegner hätten wir auch zu zehnt schlagen können, das ist jetzt nicht mehr so. Aber seit dem Spiel gegen Oberrad hatten wir keinen Platzverweis mehr. Dazu hatten wir eine sehr schwere Vorbereitung. Unsere Sportanlage wurde neu gebaut, wir mussten auf verschiedenen Anlagen trainieren und sind praktisch von Spinning-Einheit zu Spinning-Einheit gerannt. Uns hat die Luft gefehlt, denn der Großteil unserer Vorbereitung waren Testspiele. Jetzt ist unsere Anlage fertig und ich hoffe, dass wir eine bessere Wintervorbereitung absolvieren können.“
Durch den Aufstieg konntet ihr auch den einen oder anderen Neuzugang ins Gallusviertel locken. Wie haben sich die neuen Spieler integriert?
„Die neuen Spieler haben sich alle sehr gut eingefunden. Das sind alles gute Jungs und alles Teamplayer. Danyal Tekin ist zum Beispiel aus der Verbandsliga zu uns gekommen, Emre Kadimli hat vor ein paar Jahren unter Alexander Schur bei der Eintracht U23 gespielt. Dennoch sind das Teamplayer, die ins Training kommen und den Kopf auch nicht hängen lassen, wenn sie mal nicht spielen. Sasa Matovic aus Königstein ist ein Riesenfußballer, auch menschlich passt er hier perfekt rein. Und unser neuer Torwart Kofi Deda ist natürlich ein absoluter Clown, mit ihm haben wir unheimlich viel Spaß.“
Nach einem schon ordentlichen Saisonstart lief es für euch zum Ende der Hinrunde sogar noch besser. In den letzten zehn Spielen habt ihr lediglich gegen den FC Kalbach verloren. Habt ihr euch das vor der Saison so erhofft?
„Nein, überhaupt nicht. Insgeheim hofft Niko Kovac auch, dass die Eintracht in die Europa League schafft. Der dritte Platz war aber nicht unser Saisonziel. Mit insgesamt zehn Neuzugängen haben wir auf 40 Punkte gehofft. Jetzt sind wir Dritter und wir werden für die Rückrunde nicht das Ziel ausrufen, den Klassenerhalt zu sichern, dazu ist der Vorsprung zu groß. Wir wollen viel mehr, dass die anderen Mannschaften Respekt vor uns haben und denken, 'gegen die Speuzer müssen wir 120 Prozent geben'. Wenn wir das schaffen, wäre das schon gut genug. Bornheim und Kalbach sind für mich die stärksten Mannschaften der Liga. Gegen Oberrad haben wir zwar verloren, hatten da aber nur neun Mann. Die können sich also schon auf das Rückspiel gefasst machen. Doch auch Oberrad hat eine super Mannschaft und einen super Trainer. Auch Seckbach ist ein guter Gegner gewesen, ich weiß nicht, warum die nicht weiter oben stehen. Und Merzhausen spielt jedes Jahr um den Aufstieg mit. Wir sind überrascht und natürlich glücklich über den dritten Platz.“
Was macht euch so stark?
„Die Breite. Gegen Dortelweil hat sich Emre Kadimli nach einem brutalen Foul schwer verletzt und einige Wochen später auch nur mit Schmerzmitteln gespielt. Doch wir konnten sogar Emre ersetzen. Wir rotieren sehr viel. Ob es mich trifft, Jannis Lerch, Enes Dursun, Zafer Sancak, Danyal Tekin oder sogar Okan Ilkiz, wir alle waren schon auf der Bank. Alle ziehen mit und jeder nimmt sich seiner Rolle an. Zafer Sancak, der letzte Saison mit einer der besten Secher der Kreisoberliga war, musste diese Saison schon den Rechtsverteidiger geben und es läuft, weil jeder mitzieht.“
Wie hat sich die Zielsetzung aus dem Sommer nach der starken Vorrunde für euch geändert?
„Wir hatten erst gestern eine Besprechung zwischen Trainer Mehmet Somun, dem sportlichen Leiter Udo Felder und mir. Die Meisterschaft werden wir nicht schaffen, Kalbach, Oberrad und Bornheim werden den Aufstieg unter sich ausmachen. Wir waren einer Meinung, 'nichts mit dem Abstiegs zu tun haben' zu wollen, wäre lächerlich. Wir wollen uns Respekt verschaffen. Nächstes Jahr sollen die Mannschaften sagen, 'die Speuzer sind ein Top-Team', das ist unser Ziel.“
Du hast mittlerweile die B-Lizenz erlangt. Als Trainer sieht man gewöhnlich immer Verbesserungspotenzial. Woran wollt ihr während der Wintervorbereitung speziell arbeiten?
„Am Taktischen. Wir wollen uns für die Rückrunde ein paar Sachen überlegen – und ich rede nicht von neuen Eckballvarianten. Wir wollen andere Systeme und andere Wege des Spielaufbaus verinnerlichen, wollen auf den Gegener reagieren können und unser System dynamisch umstellen können. Wir haben in der Gruppenliga sehr gute Trainer und jeder hat uns schon mindestens zwei mal gesehen. Ich weiß, dass sie unsere Spielphilosophie schon auseinander gezogen haben und wir werden uns etwas überlegen, damit wir nicht durchschaubar sind.“
Ende Februar beginnt eure Rückserie. Denkt ihr jetzt schon an den Gegner aus Dortelweil oder kommt das erst gegen Ende der Vorbereitung?
„Wir wissen natürlich, dass Dortelweil unser erster Gegner ist. Aber der Körper und Kopf brauchen jetzt erstmal etwas Ruhe. Sobald die Vorbereitung im Januar anfängt, werden wir uns auf sie einstellen. Wir kennen sie noch aus dem Hinspiel und haben noch eine Rechnung offen mit ihnen.“
(sly)

