Es droht Katerstimmung zum Jubiläum
RSV fahndet nach Wegen aus der Krise
Coach Jürgen Krawczyk (von rechts), Torwarttrainer Christian Hehrmann und der Sportliche Leiter Mathias Lissek fahnden derzeit nach Wegen aus der Krise. Foto: Steffen Kollmann
Böse verschnupft ist Reinhard derzeit. Eine dicke Erkältung hat Petersbergs Ersten Vorsitzenden heimgesucht. Das 0:3 in Oberzell bei ungemütlichen Bedingungen dürfte nicht zur Gesundung beigetragen haben, stehen Reinhard doch ohnehin schon Sorgenfalten ins Gesicht geschrieben. „Mit dem 0:2 nach zwölf Minuten war die Messe fast schon gelesen“, hadert er. Die Verunsicherung innerhalb der Mannschaft sei nach nur einem Sieg aus sechs Spielen enorm, angefangen bei Keeper Timo Goldbach, der einen sehr unglücklichen Auftritt lieferte, über die Abwehr, die zu viele Stellungsfehler offenbarte, bis hin zum ohne den verletzten Routinier Boris Aschenbrücker zahnlosen Angriff. So stehen die Zeichen wenige Monate nach dem Abstieg aus der Verbandsliga schon wieder auf Klassenkampf.
Trainer Jürgen Krawczyk ist es fast schon leid, Woche für Woche die gleichen Worte zu bemühen: „Ich bleibe dabei: Wenn die Jungs im Spiel mal das abrufen würden, was sie im Training anbieten, dann hätten wir keine Sorgen. Diese individuellen Fehler tun uns halt richtig weh.“ Krawczyk selbst brennt für die Aufgabe, macht sich fortwährend Gedanken, wie man die Krise bewältigen kann und sucht nach Lösungen. So stellte der Übungsleiter im Sinntal den gelernten Innenverteidiger Marc Aschenbrücker auf die Sechs, „um mehr Aggressivität im Zentrum zu haben.“ Eine Maßnahme, die jedoch nicht fruchtete.
Krawczyk steht "null zur Debatte"
Das Amt abzugeben, kommt für Krawczyk daher nicht in Frage. „Mir liegen die Jungs am Herzen, wir wollen zusammen raus aus dem Tal.“ Auch Vorstand Tom Reinhard stärkt dem früheren Borussen den Rücken: „Der Trainer steht null zur Debatte. Jürgen kann für die vielen Klöpse einzelner nichts.“ Vielmehr müssten die erfahrenen Spieler nun vorangehen. Reinhard dürfte dabei an Akteure wie Kapitän Andreas Brzoza, Kubilay Kücükler oder Adrian von Pazatka denken, die im Moment zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Obwohl in Oberzell sieben Spieler auf dem Feld standen, denen vor knapp eineinhalb Jahren unter Rolf Gollin noch auf wundersame Art und Weise der Ligaerhalt in der Verbandsliga geglückt war, prescht derzeit niemand voran, bisweilen ist überhaupt keine Stimmung auf dem Platz.
So ist auch niemand da, der der jungen Garde um Michel Ickler, Linus Wittke oder Markus Schlotzhauer unter die Arme greifen kann. „Die Jungs sind gut, nächstes Jahr kommen noch mehr verheißungsvolle Kicker aus der Jugend raus. Deshalb müssen wir das Jahr irgendwie heil über die Bühne bekommen“, betont Reinhard im Wissen, dass das Gros der Youngster derzeit auch noch im A-Junioren-Gruppenligateam spielen soll und deshalb auch nicht alle Kohlen aus dem Feuer holen kann.
Der Gruppenliga-14. hat nun zu allem Überfluss noch zwei dicke Brocken vor der Brust: Am Freitag geht es zu Krawczyks Ex-Verein, Primus Bad Soden, ehe Sonntag der FSV Thalau im Waidesgrund gastiert. „Dort rechnet keiner mit uns, der Druck sollte geringer sein. Vielleicht hilft uns das ja, uns auf unsere Stärken zurückbesinnen“, hofft Tom Reinhard, der sicher ist, dass der zuletzt fehlerbehaftete Keeper Timo Goldbach auch dann das Tor hüten wird: „Wir haben uns der Philosophie verschrieben, auf die einheimischen Leute zu setzen. Davon werden wir jetzt nicht abrücken. Wir stehen hinter Timo.“


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