Hessenliga: Baunatal siegt

Schmeer und Cakmak stechen: Steinbachs bittere Schlussminuten – Fotos

14. August 2021, 14:50 Uhr

Grenzenloser Jubel: Hüseyin Cakmak hat soeben das 2:0 für den KSV Baunatal erzielt, Trainer Tobias Nebe ist der erste Gratulant. Foto: Kevin Kremer

Alles, wirklich alles deutete auf eine Nullnummer zum Auftakt zwischen dem SV Steinbach und dem KSV Baunatal hin. Doch ein Spiel dauert bekanntlich 90 Minuten. Und das machte sich Baunatal zunutze und fuhr die ersten Hessenliga-Punkte ein.

Schon ein wenig im Mute der Verzweiflung flog in Minute 90 erneut ein langer Ball Richtung Sebastian Schmeer. Zuvor glücklos, hatte der ehemalige Borusse nun den Willen. Zwei Gegenspieler prallten an ihm ab, mit dem schwächeren rechten Fuß schoss er ins lange Eck ein. Der Jubel? Grenzenlos! Die Mannschaft samt Trainer, Betreuer und allen, die ein KSV-Shirt trugen, waren in einer riesigen Traube am Platz versammelt. Auf der Gegenseite stand kaum ein Steinbacher mehr, der Treffer zog förmlich die Kraft aus den zuvor lauffreudigen Beinen der Akteure. Zwei Minuten darauf stellte Hüseyin Cakmak noch auf 2:0 – für den Neuzugang und ehemaligen Barockstädter ein perfekter Einstand bei seinem neuen Verein.

Der Glaube, dass nach äußerst ereignislosen vorigen Minuten überhaupt noch was passiert, war bei Baunatals Coach Tobias Nebe nie abhanden gekommen. "Die Vorbereitung hat gezeigt, dass die Mannschaft eine unglaubliche Mentalität besitzt, was man an den Jubelszenen erkannte. Es glaubt jeder bis zuletzt an den Erfolg. Basti macht natürlich den Unterschied, wie er sich da behauptet", schilderte Nebe. Die Gedanken, die ihm beim Tor durch den Kopf gingen? "Üs", sagt er grinsend. Die Bedeutung dahinter? "Das ist ein Kriegerwort, das uns ein Thai-Box-Weltmeister eingehaucht hat."

Ganz anders war die Gefühlslage bei Petr Paliatka. Steinbachs Coach bemühte das S-Wort, sprach von einer "unglaublich bitteren Niederlage. Aber es war so ein Spiel, was in beide Richtung hätte kippen können. Leider aus unserer Sicht in die falsche." Denn obwohl das Treiben selten Gefühlsausbrüche lieferte, war es doch spannend – vor allem nach der Halbzeit. Der Kampf verhinderte Spielfluss, was mehr dem SVS zugute kam. Beinahe hätte gar Steinbach geführt, Homan Halimi setzte seinen Kopfball jedoch an die Latte (68.). Im Abseits stand er obendrauf. Ansonsten mühte sich der letztjährige DFB-Pokal-Teilnehmer aus Nordhessen, das Spiel zu gestalten, ohne dabei in gefährliche Räume zu kommen. Einzig Cakmak kurz nach seiner Einwechslung hatte das 1:0 am Fuß, scheiterte nach einem schnell ausgeführten Freistoß aber an SVS-Keeper Philipp Bagus' Kopf (66.).

Über die ersten 45 Minuten im Mühlengrund darf man den Mantel des Schweigens legen. War nach Jonas Springers Schüsschen auf der einen und Halimis Abschluss auf der anderen Seite die Hoffnung vorhanden, dass das Treiben Fahrt aufnimmt, mussten die Zuschauer lange auf weitere Szenen warten. Einzig KSV-Neuzugang Schmeer testete Bagus aus der Drehung (45.). Die zurückhaltenden Steinbacher Spielweise – Halimi in vorderster Front lief erst an der Mittellinie an – hatte sicherlich ihren Anteil am Unterhaltungswert der Partie. Bitter auf SVS-Seite: Nikolaj Zvekic und Lukas Hildenbrand musste frühzeitig verletzungsbedingt raus.

Die Statistik:

SV Steinbach: Bagus; Reichmann, Hildenbrand (40. Kvaca), Neacsu, F. Wiegand – Stadler, M. Wiegand, Zvekic (9. Kücükler), Uth, Manß – Halimi (80. Ludwig).
KSV Baunatal: Labonte; Wilhelm, Blahout, Schneider, Durak – Schäfer (79. Berninger), Borgardt – Springer, Boukhoutta (61. Cakmak), Gül (81. Üstün) – Schmeer.
Schiedsrichter: Felix Berger (TSV Herleshausen).
Zuschauer: 250.
Tore: 0:1 Sebastian Schmeer (90.), 0:2 Hüseyin Cakmak (90.+2).