Über Prag und Melsungen in die Hessenliga

15. Dezember 2022, 08:00 Uhr

Geschafft! Zum zweiten Mal nach 1965/1966 stieg der RSV Petersberg 1994 nach dem Sieg im Entscheidungsspiel gegen Eintracht Baunatal in die Hessenliga auf. Die Stimmung nach dem Triumph auf der Melsunger „Freundschaftsinsel“ war prächtig. © privat

Es war ein Freitagabend am 27. Mai 1994, als der RSV Petersberg einen seiner größten Vereinserfolge feierte. Mit einem 3:1 im Entscheidungsspiel gegen Eintracht Baunatal schafften die Petersberger den Aufstieg in die Hessenliga.

Es war die Krönung auf eine famose Aufholjagd. Zwölf Siege in Serie sorgten dafür, dass der RSV Petersberg mit 27:3-Punkten nicht nur die beste Rückrundenmannschaft der Landesliga Nord wurde, sondern auch noch Eintracht Baunatal einholte. Zwar war Meister KSV Baunatal nicht mehr zu erreichen, doch da es in diesem Jahr zwei Aufsteiger aus der Landesliga Nord in die Hessenliga gab, bedeutete die Punktgleichheit mit Eintracht Baunatal, dass es ein Entscheidungsspiel um Hessens Eliteliga geben würde.

RSV Petersberg: Über Prag und Melsungen in die Hessenliga

Danach sah es lange nicht aus. Die Petersberger hatten sich zwar vor der Runde mit Spielern wie Norbert Urbanek (Hessen Hersfeld), Günther Zinkand (Buchonia Flieden) und Uwe Rumpeltes (VfL Eiterfeld) verstärkt, doch Mitte der Saison rangierte der RSV nur auf Rang sieben und somit im Mittelmaß.

Es spricht bis heute für die Motivationskunst von Trainer Jürgen Krawczyk, dass sich die Mannschaft nie entmutigen ließ, an sich glaubte und in der zweiten Saisonhälfte zur Aufholjagd blies. Als das große Ziel mit dem Entscheidungsspiel erreicht war, gab es intern aber nochmals „Feuer unterm Dach“. Denn Krawczyk war alles andere als erfreut, dass es sich seine Mannschaft nicht nehmen ließ, unmittelbar vor dem Spiel gegen Eintracht Baunatal, die viertägige Mannschaftsfahrt nach Prag durchzuziehen. „Jürgen Krawczyk war darüber derart verärgert, dass er kurzfristig sogar überlegt hatte, nicht mit zum Entscheidungsspiel zu fahren“, schmunzelt sein Spieler Alexander „Ede“ Vorndran noch heute.

Schließlich war der Coach aber dabei, als sich der RSV-Tross an jenem Abend auf den Weg nach Melsungen machte. Die dortige „Freundschaftsinsel“ war als Austragungsort auserkoren worden, nachdem die Petersberger die zunächst angedachte Spielstätte in Asbach ob der dortigen Platzverhältnisse abgelehnt hatten. 1400 Zuschauer waren gekommen, viele hundert davon aus Petersberg – und die mussten bangen. Denn eine knappe Stunde war Eintracht Baunatal die bessere Mannschaft und führte mit 1:0. Dann aber erhöhte Petersberg den Druck und schaffte die Wende. Spätestens der Ausgleich von Norbert Urbanek ließ einen Ruck durch alle Mannschaftsteile gehen.

Hessenliga: RSV Petersberg war 1965 ein Gründungsmitglied

Am Ende stand ein 3:1-Erfolg und die Rückkehr in die Hessenliga nach 28 Jahren. Denn was heute vielleicht nur noch wenige wissen: Der RSV Petersberg war in der Saison 1965/1966, als die Hessenliga in ihrer heutigen Form startete, eines der Gründungsmitglieder. 1965 schaffte die damals von Hans Derbort trainierte Mannschaft durch einen 7:2-Erfolg im entscheidenden Aufstiegsspiel gegen Stadtallendorf nach Toren von Ernst Goldbach (3), Sammy Drexler (2) und Manfred Grauel (2) schon einmal die Qualifikation zur Hessenliga. Nach einer Saison stieg Petersberg wieder ab.

Knapp drei Jahrzehnte später wurde im Mai 1994 gefeiert, was das Zeug hielt. Die Mannschaft fuhr in einem Cabrio-Konvoi durch die Gemeinde, wurde von hunderten Fans und dem damaligen Bürgermeister Karl-Josef Schwidessen am Rathausplatz empfangen. „Das war ein riesen Spiel meiner Mannschaft. Diesen Aufstieg stufe ich höher ein als den mit Borussia Fulda vier Jahre vorher“, lauteten die Worte von Jürgen Krawczyk im Rahmen der Feier.

Und es war ein wunderschöner Abschied für Peter Gehring. Denn das Entscheidungsspiel gegen Baunatal war sein letztes Spiel im RSV-Dress. Danach wechselte er zum SV Hofbieber. Kurios: In seiner allerletzten Spielminute für Petersberg riss sich Gehring die Bänder und fiel viele Monate aus.

RSV Petersberg: Markus Nees; Uwe Rumpeltes (46. Volker Bleuel), Thomas Flügel, Alexander Vorndran, Torsten Czarnecki, Peter Gehring, Mathias Lissek (60. Matko Omazic), Marco Wittke, Norbert Urbanek, Stephan Grösch, Günther Zinkand. Schiedsrichter: Ondraschik (Homberg/Ohm). Zuschauer: 1400. Tore: 1:0 Dennis Wagner (29.), 1:1 Norbert Urbanek (70.), 1:2 Günther Zinkand (74.), 1:3 Peter Gehring (88.).

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