Torschützenkönig Patrick Stumpf: Kicken mit Kumpels statt Karriereende

05. Juli 2023, 07:30 Uhr

Pedro Acebes (links) überreicht Patrick Stumpf die Torjägerkanone vom Bitburger-Hessenpokal. © Pedro Acebes

Im Rahmen des ersten Testspiels von Hessenligist Viktoria Griesheim wurde der zum Kreisoberligisten SV Hahn wechselnde Mittelstürmer Patrick Stumpf als bester Torschütze des Bitburger-Hessenpokals der Saison 2022/23 ausgezeichnet.

Unser freier Mitarbeiter für das Rhein-Main-Gebiet, Pedro Acebes, überreichte dem Mittelstürmer die Torjägerkanone auf der Haupttribüne des altehrwürdigen Stadions am Hegelsberg. Gemeinsam mit der Braugruppe Bitburger kürte torgranate.de in diesem Jahr erstmals den Torschützenkönig des Bitburger-Hessenpokals . Stumpf erhielt neben der Torjägerkanone zusätzlich Freiware von Bitburger. 

Hessenpokal: Patrick Stumpf als Torschützenkönig ausgezeichnet

Kurios: Stumpf reichten seine drei Treffer im Erstrundenspiel beim späteren Verbandsliga Süd-Absteiger SV Münster für die Torjägerkanone. An jenem 31. August 2022 lag Viktoria Griesheim bis eine Viertelstunde vor Spielende noch mit 0:1 zurück. Viktoria-Trainer Richard Hasa wechselte seinen Torjäger erst in der 63. Minute ein, der mit einem lupenreinen Hattrick in elf Minuten (75., 80., 86.) die Partie im Alleingang zum 3:1-Sieg drehte. „Als ich eingewechselt wurde, wusste ich, dass ich das Spiel drehe“, erinnerte sich Stumpf noch genau an den denkwürdigen Abend am „Mäusberg“. Selbiges gelang in der 2. Runde nicht. Bei Dersim Rüsselsheim, am Ende der Saison ebenfalls zu den Absteigern aus der Verbandsliga Süd zählend, ließ Hasa seinen besten Torschützen erneut auf der Ersatzbank. Diesmal in der 71. Minute beim Stande von 1:1 eingewechselt, gelang Stumpf kein Tor. Stattdessen musste er in der Nachspielzeit den Siegtreffer der Gastgeber mit ansehen. Das frühe Aus im Hessenpokal erwies sich letztlich sogar als Segen für Stumpf, denn die gleichauf liegenden Malcolm Phillips (Eintracht Stadtallendorf) und Jan Ullrich (Adler Weidenhausen) kamen mit ihren Teams eine beziehungsweise zwei Runden weiter, trafen aber nicht mehr. Da bei Gleichstand an Toren die Regel griff, wonach der Torschütze mit der geringeren Spielzeit den Zuschlag erhält, lag Stumpf plötzlich bis zum Finale gut im Rennen. Denn auch im Endspiel zwischen den Regionalligisten FSV Frankfurt und dem TSV Steinbach Haiger gelang es dem zwei Tore aufweisenden FSV-Akteur Onur Ünlücifci nicht, Stumpf mit weiteren Toren zu überflügeln.

„Ich hatte den Artikel bei Torgranate gelesen, dass der Torschützenkönig dieses Jahr erstmals prämiert wird. Da habe ich gehofft und mit meinem Vater geredet, dass ich die holen möchte. Gegen Dersim sollte ich wieder geschont werden und bin noch später eingewechselt worden. Nach dem Ausscheiden habe ich nicht mehr damit gerechnet, den Wettbewerb aber weiter verfolgt. Nach dem Finale habe ich in den Anruf von Torgranate-Redakteur Johannes Götze bekommen, dass ich es geworden bin“, rekapituliert Stumpf. Der 35-jährige gebürtige Groß-Gerauer blickt auf einen ungewöhnlichen Karriereverlauf zurück. Der 1,81 Meter große Angreifer wechselte im Alter von 22 Jahren von seinem Jugendverein Viktoria Griesheim auf den Betzenberg zum 1. FC Kaiserslautern, wo er in der Saison 2010/11 nur einen Einsatz in der Regionalliga West verzeichnete. Danach wechselte Stumpf in die Regionalliga Südwest zum SC Idar-Oberstein, wo ihm in zwei Spielzeiten in 63 Partien 17 Tore gelangen. 2013 erfolgte der Wechsel ligaintern zur TuS Koblenz, wo Stumpf fünf Treffer in 28 Partien gelangen. Im Sommer 2014 lag Stumpf ein Angebot aus der 3. Liga vom VfL Osnabrück vor. Doch er erhielt einen Anruf aus Luxemburg von einem gewissen Dino Toppmöller. Der wurde seinerzeit gerade Spielertrainer bei RM Hamm Benfica und war auf Stumpf in der Regionalliga aufmerksam geworden. „Ich hatte ihm erst abgesagt, aber Dino hat trotzdem weiter jeden Tag angerufen und mit der Europa League oder gar der Champions League gelockt.“

Patrick Stumpf über Dino Toppmöller: Fachlich Weltklasse

Der Wechsel nach Luxemburg kam zustande und Stumpf blieb sieben Jahre im kleinen Großherzogtum. Nach einem Jahr in der „Ehrenpromotion“, der 2. Liga Luxemburgs, endete die Saison 2014/15 mit RM Hamm Benfica mit dem Aufstieg in die Erste Liga. Vom mittlerweile wegen eines Namensrechtestreits mit dem portugiesischen Spitzenclub Benfica Lissabon als FC Luxembourg City firmierenden Verein ging es 2016 zu Jeunesse Esch und dann zu F91 Düdelingen, wo Stumpf erneut mit Toppmöller zusammen kam und tatsächlich in der Saison 2018/19 die Qualifikation zur Europa League-Gruppenphase schaffte. Stumpf durfte im Heimspiel gegen den AC Mailand spielen , stürmte auswärts mit Düdelingen bei Betis Sevilla und Olympiakos Piräus. „Solche internationalen Spiele als Aktiver zu erleben, da habe ich mir einen Traum erfüllt“, sagt Stumpf. Seinem Ex-Coach Dino Toppmöller traut Stumpf bei Bundesligist Eintracht Frankfurt sehr viel zu: „Er ist einfach menschlich top. Wir hatten in Düdelingen einen Kader von 35 Spielern. Er hat mit allen geredet, nicht nur über Fußball. Fachlich war er im Training Weltklasse. Ich wusste, dass er mal Bundesliga trainieren würde. Für Stumpf wurden es sieben Jahre in Luxemburg, dabei erzielte Stumpf in 114 BGL-League-Spielen 48 Tore. Von Etzella Ettelbrück ging es 2021 nach dem langen Corona-Lockdown zurück in die Hessenliga zu Viktoria Griesheim, wo er in zwei Spielzeiten mit 24 Toren zum Klassenerhalt beitrug.

„Das war mir ganz wichtig, dass ich am Ende der Karriere nach Griesheim zu meinem Jugendverein wechsle. Die letzten zwei Jahre waren sehr schön, ich konnte mit einigen Kumpels spielen und so erfüllte sich ein kleiner Traum zum Abschied.“ Bei Viktoria Griesheim hat in der Sommerpause ein Trainerwechsel stattgefunden. Ermin Melunovic ist Nachfolger des langjährigen Trainers Richard Hasa . Zudem fand eine hohe personelle Fluktuation statt. Die 1:3-Niederlage im Testspiel gegen Mitte-Verbandsligist TuBa Pohlheim offenbarte, dass es auch in der kommenden Runde beim neuen Hessenliga-Dino (seit 2012 in der Klasse) und nach dem Abstieg des SV Rot-Weiß Hadamar der dienstälteste Klub nur um den Klassenerhalt geht. Auch Stumpf ist nicht mehr an Bord, denn er ist mit anderen altgedienten Spielern wie Jean-Marie Starck und Oliver Schumacher in die Kreisoberliga Darmstadt/Groß-Gerau zum SV Hahn gewechselt. „Eigentlich wollte ich ja mit 35 Jahren aufhören. Ich führe einen eigenen Betrieb und fange morgens um 4 Uhr an. Ich kann nicht mehr samstags so weite Auswärtsspiele wie nach Baunatal oder Weidenhausen machen und erst um 23 Uhr bei meiner Freundin sein. Durch den Wechsel meiner beiden Kumpels nach Hahn wurde ich von ihnen überredet. Drei Klassen tiefer trainiere ich nur einmal die Woche und wir haben Spiele in der Darmstädter Umgebung.“ Sein Schlusswort zur Viktoria: „Es wird auf jeden Fall schwer, aber meine Viktoria wird niemals absteigen.“      

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