„Selbe Liga, aber eine andere Welt“
An den Spieltagen ist Sebastian Möller in allererster Linie Fan der Offenbacher Kickers. So auch am Samstag, als der OFC 2:1 in Hoffenheim gewann. © Anna Fischer
Die Fahrzeit vom Bieberer Berg in Offenbach bis nach Fulda beträgt rund eine Stunde. Plusminus. Am Freitag waren es 58 Minuten. Möller hielt sich an sein Versprechen, sich auf seiner Heimfahrt Zeit zu nehmen. „Du hast Glück“, sagte er und spielte auf die frühe Uhrzeit des Telefonats um 16 Uhr an: „Normalerweise fahre ich um einiges später los, weil ich aber noch einen Termin in Fulda habe, bin ich früher dran.“
Möllers Arbeitstage in Offenbach sind lang, aber hart reglementiert. Denn um 21 Uhr schließt das Stadion, dann muss er seine Sachen packen und zumindest am Bieberer Berg Feierabend machen. In den vergangenen acht Wochen standen die Chancen gut, ihn auch noch spätabends in Offenbach anzutreffen. Und am Wochenende finden die Spiele statt. Eine Stechuhr würde ihm jede Menge Überstunden garantieren. Aber die sind in seinem Job inklusive.
OFC-Geschäftsführer Sebastian Möller vor Wiedersehen mit Fulda
Und doch wirkt Möller während des knapp einstündigen Telefonats extrem entspannt und aufgeräumt. „Unter uns zwei Gebetsschwestern“, ist sein meist verwendeter Satz. Er hat an seiner hemdsärmligen, direkten und offenen Art keinen Hauch eingebüßt. Wirkt weder gestresst noch angespannt aufgrund des nicht idealen Saisonstarts des OFC . Wobei ihn dieser nur am Rande betrifft. Möller umschreibt sein Aufgabengebiet einfach wie treffend: „Ich bin für alles verantwortlich, was nichts mit dem Fußball zu tun hat.“ Diesen Bereich managt Christian Hock als Geschäftsführer Sport. Allerdings arbeiten beide selbstredend Hand in Hand. Und das ist auch notwendig: Stimmt der sportliche Erfolg, kann Möller bei den potentiellen Geldgebern deutlich besser punkten. Und schafft Möller mehr Geld heran, kann Hock einfacher seinen Kader planen.
Möller, schon seit jungen Jahren glühender OFC-Fan, hatte bislang noch keine Zeit, ein erstes Resümee zu ziehen und versucht es in dem Gespräch doch. Ohne die im Profigeschäft oft typischen Binsen und Phrasen. Er spricht offen davon, dass er in den ersten Wochen extrem gefordert worden ist. Neben ihm und Hock haben auch gerade in dem ihm unterstellten Bereich im Sommer extrem viele Personalwechsel stattgefunden . Einerseits erschwerte ihm dies, sich einen Überblick über Vertragswerke und Abläufe zu verschaffen, andererseits kann er davon auf Sicht profitieren, um seine Vorstellungen von Struktur und Organisation im Verein umzusetzen. „All das ist aber kein Sprint, sondern ein Marathon. Es gibt viele Dinge, die wir erst in Monaten anpacken können, weil uns das Tagesgeschäft derzeit noch überrennt.“
Sebastian Möller pendelt jeden Tag zwischen Offenbach und Großenlüder
Für den 40-Jährigen, der nach wie vor in Großenlüder wohnt und täglich nach Offenbach pendelt, ist eben einiges Neuland – obwohl Barockstadt wie Offenbach in der Regionalliga spielt. Aber unter ganz anderen Vorzeichen. Der OFC mit seiner Fanpower, seinem bundesligatauglichen Stadion, mit seiner Historie: „Es ist zwar dieselbe Liga, aber eine andere Welt und jeder Verein hat seine Eigenheiten und Traditionen, die muss man berücksichtigen und respektieren.“ Ein riesiger Reiz für den ehemaligen Bundeswehrsoldaten, der sich nicht am OFC abarbeiten möchte. Sondern vielmehr dem Traditionsclub mit seinen Ideen zu einer besseren und stabilen Zukunft verhelfen will.
Vergleiche zwischen der SG Barockstadt und Offenbach hinken entsprechend, wobei er schon jetzt feststellt: „In Fulda sind die Voraussetzungen riesig, sich in der Regionalliga zu etablieren. Und das gönne ich dem Verein. Auch den sportlichen Erfolg. Ich drücke der Mannschaft jede Woche die Daumen. Nur nicht gegen den OFC.“ Heute aber freut er sich auch auf viele alte Weggefährten, insbesondere auf Fuldas Teammanager Maximilian Hainer, mit dem er in Fulda am engsten zusammenarbeitete: „Da wird es sicherlich ein paar Hopfenkaltschorlen geben.“
Einiges ist Neuland. Da muss ich auch erst mal platt gesagt Scheiße fressen. Aber, und das ist wichtig, das Präsidium hilft mir, wo es nur kann. Sebastian Möller, OFC-Geschäftsführer.


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