1101 Spiele für den FV Friedlos

Thorsten Harberg steht auch mit 48 Jahren noch im Kasten

03. November 2015, 14:00 Uhr

Hier ist Thorsten Harberg (rechts) mal in einen Feldzweikampf verwickelt, normalerweise steht er aber im Tor. Foto: Friedhelm Eyert

Karl-Heinz Körbel ist mit 602 Einsätzen für Eintracht Frankfurt der Rekordspieler der Bundesliga. Diese Bestmarke hält bereits über 20 Jahre an, gebrochen wird diese wohl auch die nächsten 20 Jahre nicht. Umso bemerkenswerter ist deshalb Thorsten Harberg - dieser streifte sich für den FV Sport Friedlos bereits 1101 Mal das Trikot über.

Auch deshalb, weil der 48-Jährige auch heute noch das Tor des A-Ligisten hütet. "Es hat sich so ergeben", verrät Harberg. "Ich hatte über die Jahre nie wirklich große Verletzungen. Und im Tor kann man wahrscheinlich noch länger spielen als im Feld."

Dass es überhaupt zu dieser Ehrung kommen konnte, liegt an der jährlich herausgegeben Chronik des FV Friedlos. Jedes Jahr werden dort die Einsätze aller Spieler vermerkt, sodass die langgedienten Spieler bei besonderen Partien geehrt werden. Die erste Auszeichnung gibt es nach 250 Einsätzen, dann nach 500 Spielen und anschließend immer weiter in Hunderter-Schritten. Harberg wurde damit bereits achtmal geehrt.

In dieser Zeit erlebte der Schlussmann so einiges - drei Aufstiege konnten bejubelt werden (1993/94, 2002/03, 2012/13), zweimal mussten Abstiege hingenommen werden ("Da erinnere mich nicht so gerne dran"). Dazu kommen unvergessliche Highlights wie das Freundschaftsspiel gegen den ehemaligen Bundesligisten VfL Bochum (1994).

Und das alles bei einem Verein. "Es ist ja ganz schön in Friedlos", schmunzelt der 48-Jährige, der hauptsächlich aber wegen seiner Arbeit nie den Club verließ. Seit 20 Jahren ist Harberg nun schon auf Montage und dadurch unter der Woche unterwegs. "Dadurch konnte ich wenig trainieren. Es hat sich nicht gelohnt, irgendwo anders zu spielen, da dache ich mir: Bleibe ich doch einfach in Friedlos", erklärt er und ergänzt: "Man bleibt ja auch gerne da, wenn man weiß, dass man sicher spielt."

Wenn man Harberg aber Glauben schenkt, war es das letzte Mal, dass der Schlussmann für seine Einsätze geehrt wird. "Um von 1000 auf 1100 Einsätze zu kommen, habe ich fast drei Jahre gebraucht. So lange will ich das dann doch nicht mehr machen", so der Schlussmann, der dann schon über 50 Jahre alt wäre. "Ich hoffe ja jedes Jahr, dass Vorstand und Trainer einen jungen Nachfolger für mich findet und ich dann abtreten kann. Dann würde ich nur noch ab und zu bei der zweiten Mannschaft aushelfen." So aber hält Harberg weiter die Knochen für Friedlos hin.

Autor: Steffen Kollmann