"Bei uns gibt es keine zweite Reihe"
Gruppenliga Frankfurt West: Speuzer-Verteidiger Dursun im Interview
Der FFV Sportfreunde ist in der Gruppenliga angekommen. Obwohl die "Speuzer" nach dem 3:0-Auftaktsieg in Griesheim am zweiten Spieltag unglücklich gegen den FV Stierstadt mit 2:3 verlor, zeigten die Spieler in beiden Partien eine ansprechende Leistung. Auch im Frankfurter Kreispokal spielte die Mannschaft von Trainer Mehmet Somun in Abwesenheit einiger Stammkräfte beim SV Viktoria Preußen einen guten Fußball und gewannen nach 90 Minuten verdient mit 4:1. Mit dabei war auch Enes-Ömer Dursun, der erstmals nach vier Wochen wieder zur Startelf der "Speuzer" gehörte und als Kapitän in der Innenverteidigung stark aufspielte. "Er hat nach der Verletzungspause gezeigt, dass er wieder Wettkampffähig ist. Ich freue mich, dass er zurück ist", bekam Dursun ein Lob von seinem Trainer. Zu Beginn der Vorbereitung verletzte sich der 24-jährige am Innenband und war somit gezwungenermaßen zum Zuschauen verdammt. Nach der Pokalpartie gegen die Preußen verriet der ehemalige Hessenliga Spieler unter anderem, was für positive Rückschlüsse sein Team aus der Niederlage gegen Stierstadt ziehen kann.
Ihr habt einen 4:1-Sieg im Pokal bei Viktoria Preußen geholt. Wie war das Spiel aus deiner Sicht?
Gut, denn es war eines unserer besten Spiele, da wir als Mannschaft aufgetreten sind. Wir haben meiner Meinung nach sehr geilen Fußball gespielt. Es klingt ein bisschen übertrieben, aber wir haben auch mal wie Barca den Ball einfach laufen lassen. Wir haben versucht, nur wenige lange Bälle zu spielen. Nutzen wir unsere Chancen, geht das Spiel 6:1 aus. Aber es hat mir sehr gut gefallen, Chapeau an die Mannschaft.
Du standest zum ersten Mal seit deiner Verletzung aus der Vorbereitung in der Anfangsformation und hast bei geschätzten 75 Ballaktionen nahezu fehlerfrei gespielt. Warst du zufrieden mit deiner Leistung?
Ich war auf jeden Fall zufrieden. Ich glaube, ich habe zwei Fehlpässe gespielt und ansonsten alle Bälle an den Mann gebracht und dabei versucht, immer durch die Schnittstelle zu spielen. Ich glaube, in den letzten Wochen hat uns das auch gefehlt, dass wir von der Innenverteidigung aus die Sechser mal überspielen und direkt unsere Zehner Sasa Matovic oder Emre Kadimli suchen. Wenn die den Ball dann prallen lassen, haben wir das ganze Spiel vor uns, und heute hat man gesehen, wie gut das klappt. Ansonsten habe ich mich super gefühlt, wenn ich einen langen Ball gespielt habe, hatte ich ein bisschen Schmerzen, aber da muss ich jetzt darüberstehen.
Ihr habt am ersten Spieltag im Derby gegen Griesheim gewonnen, eine Woche später trotz einer guten Vorstellung knapp gegen Stierstadt verloren. Seid ihr schon in der Gruppenliga angekommen?
Im ersten Spiel hatten wir am Anfang Glück, dass Griesheim das erste und zweite Tor nicht gemacht hat. Danach waren wir effizient und haben uns den Schneid nicht mehr abkaufen lassen, was mir gut gefallen hat, denn im Derby weiß man nie, was passiert. Wir haben es geschafft, dominant zu bleiben und das zweite und dritte Tor nachzulegen. Es war vom Spielerischen nicht das Gelbe vom Ei aber in einem Derby muss man kämpfen. Zum Spiel gegen Stierstadt fällt mir nur eins ein: Effizienz schlägt Dominanz. In den ersten 20 Minuten habe ich gedacht, dass wir vier oder fünf Tore machen. Stierstadt war bei seinem ersten Tor das erste Mal in unserem Sechzehner, wir hatten gefühlte 90% Ballbesitz. Das zweite und das dritte Tor entstanden dann nach individuellen Fehlern, die wir einfach abstellen müssen. Aber mir ist es lieber, dass solche Fehler jetzt kommen als im Endspurt, wenn es um Meisterschaft oder Klassenerhalt geht. Ich denke, das hat die Mannschaft zusammengeschweißt, weil wir gemerkt haben, dass bei Stierstadt einfach eine Mannschaft auf dem Platz steht. Chapeau an Stierstadt, was die gerissen und wie die gekämpft haben, wie sie bei jedem Tor geschrien haben, das war eine ganz starke Leistung von ihnen. Bei uns hat die Kaltschnäuzigkeit etwas gefehlt, aber im Ansatz war es ein gutes Spiel von uns. Es ist schade, aber aus Fehlern lernt man und das wird uns weiterbringen.
Du sagtest, es sei besser, dass Fehler wie gegen Stierstadt jetzt passieren, als im Endspurt um die Meisterschaft oder den Klassenerhalt. Worum wird es denn für euch am Ende der Saison gehen, wie schätzt du euer Potential ein?
Das Potential ist auf jeden Fall da, aber wir denken von Spiel zu Spiel. Wir wollen realistisch bleiben und wollen nicht übertreiben. Die ersten fünf, sechs Spiele sind richtungsweisend und werden zeigen wo es hingeht. Ob wir im Mittelfeld bleiben, um den Klassenerhalt spielen, oder doch oben mitspielen. Deshalb wollen wir realistisch bleiben und werden sehen, was passiert.
Ihr seid gegen die Preußen unter anderem ohne euren Kapitän Franco Puglisi und euren Torjäger Okan Ilkiz aufgelaufen und habt dennoch das Spiel gemacht. Wie siehst du euch auch in der Breite aufgestellt, was steckt in eurer zweiten Reihe?
Bei uns gibt es keine zweite Reihe, bei uns gibt es eine Reihe und das sind alle 22 Spieler. Wir agieren als Team und haben überall wirklich adäquaten Erstatz, was man heute auch gesehen hat. Egal wer vorne oder hinten spielt, wenn wir als Team spielen, merkt man nicht wenn einer fehlt. Natürlich ist der Okan (Ilkiz, d. Red.) mit 40 Toren nochmal eine andere Persönlichkeit und sehr wichtig für die Mannschaft, aber ansonsten sind wir auch der Breite sehr gut aufgestellt. Da muss ich auch ein großes Lob an unseren Trainer (Mehmet Somun, d. Red.) und an unseren sportlichen Leiter Udo Felder aussprechen. Wir haben eine super Mannschaft, sind alles gute Jungs und kennen uns auch alle persönlich.
Am Sonntag geht es für euch in der Liga beim SC Dortelweil weiter. Worauf wird es da ankommen?
Wir müssen als Team agieren und einfach unseren Fußball spielen. Fußballerisch sind wir glaube ich eine der besten Mannschaften in der Gruppenliga weil wir von den Einzelspielern her überragend besetzt sind. Wir müssen unser Spiel aufziehen und müssen körperlich dagegenhalten.
(sly)

