Tordifferenz entscheidet
Bundesliga-Aufstieg geplatzt: MSG prüft juristische Schritte
Das Lächeln fällt Gianni Leonangeli normalerweise nicht schwer - doch der Nichtaufstieg der MSG Gläserzell/Pilgerzell macht den Betreuer der B-Juniorinnen wütend. Foto: hall
Bundesliga-Fußball in der Region Osthessen: Es wäre eine historische Chance gewesen. Die Verantwortlichen der MSG hatten für den Traum zuletzt alles getan und alle nötigen Zulassungen eingereicht. Da eine Mädchenspielgemeinschaft nicht in die Bundesliga aufsteigen darf, wäre der TSV Pilgerzell als eigenständiger Verein an den Start gegangen: "90 Prozent der Mädels kommen ohnehin von uns", berichtet Gianni Leonangeli, Jugendleiter des TSV und Betreuer der B-Juniorinnen. "Wir hatten schon vor der Saison damit gerechnet, ganz oben mitspielen zu können. Und intern war es durchaus das Ziel, um den Aufstieg in die Bundesliga mitzuspielen."
Sportlich lief es bis zum coronabedingten Abbruch einwandfrei. In der viergeteilten Hessenliga belegte Gläserzell/Pilgerzell mit zwei Teams (erste und zweite Mannschaft) in zwei verschiedenen Staffeln (Ost und Nord) Platz eins. Trotzdem schaut die MSG in Sachen Aufstieg in die Röhre. Die Quotientenregel kommt zum Tragen, gleich fünf Mannschaften stehen mit der Höchstpunktzahl von 3,00 perfekt da - allerdings variieren dabei bereits die Anzahl der Spiele von zwei bis sechs. Von den fünf Teams ohne Punktverlust haben zwei die Bundesliga-Zulassung beantragt: Gläserzell/Pilgerzell und Hessen Wetzlar.
Letztgenannter Club bekam nun den Zuschlag, an den Aufstiegsspielen zur Bundesliga teilnehmen zu dürfen. Aufgrund der besseren Tordifferenz. Dass dieses bei 50:3 nach sechs Spielen besser ist als das der MSG (24:2 nach vier Partien), kommt angesichts einiger Wetzlarer Kantersiege (18:0, 10:0, 9:0) wenig überraschend. "Ich finde es allerdings bedenklich, die bessere Tordifferenz zu Rate zu ziehen. Wir werden die Entscheidung deshalb juristisch prüfen lassen", kündigt Leonangeli an, der allerdings keine großen Hoffnungen hat, mit einer Klage Erfolg haben zu können.
Bis zuletzt hatte der Pilgerzeller Jugendleiter auf eine sportliche Entscheidung gehofft, ein angestrebtes Entscheidungsspiel unter ausschließlich negativ getesteten Spielerinnen anvisiert. Dieses gibt es aber nicht. Womöglich wird es je nach Pandemie-Verlauf auch keine sportliche Aufstiegsspiele zur Bundesliga Süd geben können - und Wetzlar könnte trotzdem als Aufsteiger durchgewunken werden. Für Leonangeli und Co. schwer zu akzeptieren: "Die Enttäuschung ist ganz groß, es ist schade für die Mädels. Bundesliga gab es für die ganze Region noch nicht, wir hätten eine gute Truppe ins Rennen schicken können."

