KOL Süd: Oberkalbach gegen Mittelkalbach
Das erste Derby seit 38 Jahren
Gerhard Auth ist ein Kalbacher Original: In Mittelkalbach aufgewachsen, gehörte er bis 1982 dem SVM an. Dann folgte der Wechsel zum Nachbarn SG Oberkalbach. Jetzt freut er sich auf das erste Duell der alten Rivalen. Foto: Ralph Kraus
Die letzte gemeinsame Saison in einer Liga war die Spielzeit 1981/1982. Es war der Tiefpunkt einer bis dahin erfolgreichen Vereinsgeschichte der Mittelkalbacher. 27 Jahre lang, von 1953 bis 1980, war die Gruppenliga, die damals erst II. Amateurliga, dann Bezirksklasse und schließlich Bezirksliga hieß, mit kurzen Unterbrechungen die Heimat des SVM. Zweimal stand der Abstieg, jedoch war es postwendend mit der Meisterschaft in der Kreisoberliga Süd (A-Klasse Süd) wieder nach oben gegangen. Dann aber erwischte es den SVM: 1980 und 1981 stieg der Club erst aus der Gruppenliga und schließlich aus der Kreisoberliga Süd ab. Und weil es damals noch keine A-Liga im heutigen Sinne gab, spielte der Verein plötzlich in der B-Liga Schlüchtern – und somit gegen den kleinen Nachbarn aus Oberkalbach.
Einer, der den Absturz miterlebte, ist Gerhard Auth. Der spielte zu dieser Zeit noch in Mittelkalbach und erinnert sich, dass die beiden Derbys enge Kisten waren. Das Hinspiel in Oberkalbach fand am 15. November 1981 statt. Nach Toren von Karl-Heinz Vogel für die SGO und einem sehr umstrittenen Strafstoßtor von Fey für Mittelkalbach endete die Partie 1:1. Sechs Monate später, am 16. Mai 1982, kam es zum Rückspiel und zum bis heute letzten Kalbachderby. In Mittelkalbach gewann diesmal der Gast durch ein höchst spektakuläres Tor von Karl-Heinz Vogel in der 89. Minute mit 1:0.
„Mittelkalbachs Keeper Martin Kempel hat ein kleines Spielchen gemacht, hatte den Ball fest in der Hand, aber provokativ hoch gehalten. Damals gab es noch die Regel, dass der Ball frei ist, wenn er sich über dem Kopf des Torwarts befindet. Oberkalbachs Torjäger Karl-Heinz Vogel hat ihm den Ball dann aus der Hand ins Tor geköpft und damit den Siegtreffer erzielt. Dieses Tor vergisst keiner mehr“, sagt Auth.
Nach dieser Spielzeit packte der mittlerweile 60-jährige Auth seine Koffer, verließ Mittelkalbach und schloss sich der SG Oberkalbach an. Seitdem ist das Areal rund um die Geisberg-Arena seine Heimat. Heute ist er bei der SGO als Platzsprecher tätig, erledigt die Pressearbeit, pflegt den Social-Media-Bereich, gehört dem Vorstandsgremium der Alten Herren an, ist gewissermaßen „Mädchen für alles“.
Auth ist stolz darauf, wie sich Oberkalbach in den vergangenen Jahren entwickelt hat. „Wir waren immer so ein bisschen Fußball-Entwicklungsland“, erzählt Auth schmunzelnd. „Aber das Besondere am Derby ist jetzt, dass wir nicht gegen Mittelkalbach spielen, weil der Gegner tief gesunken ist, sondern weil wir nach oben gekommen sind. Das macht den Reiz in dieser Saison aus.“
Aufschwung hat zwei Gründe
Den Aufschwung im Verein macht Auth an zwei Dingen fest: „Einerseits sind wir mit gut 800 Einwohnern noch ein überschaubares Dorf, das unheimlich zusammengewachsen ist. Die Jugend baut hier, die jungen Familien bleiben, es zieht sie nicht mehr fort von hier, wie das früher vielleicht mal war. Der Zusammenhalt ist groß und wir haben immer 60, 70 Leute bei den Auswärtsspielen dabei.“ Zweiter Grund sei der sportliche Aufschwung. „Den hat Wolfgang Lambrecht eingeleitet, als er hier vor knapp zehn Jahren angefangen hat. Er hat uns das Fußballspielen wieder beigebracht“, lobt Auth.
2014 holte die SGO dann Mirko Kress als neuen Spielertrainer von der TSG Lütter an den Geisberg. Ein absoluter Glücksgriff, wie auch Auth weiß: „Mirko ist eine kompetente Persönlichkeit. Er hat es geschafft, aus der Mannschaft einen verschworenen Haufen zu machen. Wir haben immer eine tolle Trainingsbeteiligung. Er schafft es, die richtige Mischung zwischen Kumpeltyp und Autorität zu vermitteln.“
Mit dem Aufstieg in die Kreisoberliga Süd schaffte Oberkalbach nun den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Schade nur, dass man diesen wegen Corona nicht so feiern konnte, wie man sich das gewünscht hätte. Vergangenen Freitag wurde der älteste der acht Oberkalbacher Vereine vom Kalbacher Bürgermeister Florian Hölzer, Ortsvorsteher Torsten Ickler und Klassenleiter Harald Maienschein offiziell geehrt. „Jetzt hoffen wir alle, dass wir die Liga halten können. Wenn uns das gelingt, feiern wir kommenden Sommer den Aufstieg und den Klassenerhalt auf einmal. Dann geht es richtig ab“, verspricht Auth.
Der erste Schritt soll am Freitag im Derby gemacht werden. Auths Tipp: „Ein 2:1 für uns. Aber wenn wir gegen Mittelkalbach und am Sonntag gegen Rothemann zwei Punkte holen, wäre es auch in Ordnung.“


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