Spieler im Blickpunkt

„Das wäre für das ganze Dorf herausragend“

26. Januar 2021, 11:09 Uhr

Niklas Jost (links) kennt keinen Schmerz. Er geht genau dorthin, wo es wehtut. In dieser Szene bekommt das Veitsteinbachs Markus Kress zu spüren. SGO-Spielertrainer Mirko Kress beobachtet. Foto: Ralf Hofacker

Niklas Jost spielt für die SG Oberkalbach – schon immer. Nun war er Mitglied des Teams, das mit dem ersten Aufstieg in die Kreisoberliga Historisches für den Verein geleistet hat.

„Niklas ist ein Typ, der immer zuverlässig ist und der niemals meckert, ganz egal wo ich ihn aufstelle. Schlechte Spiele macht er selten, dafür aber gute Sprüche“, sagt sein Spielertrainer Mirko Kress lachend. Und Jost bestätigt das: „Das stimmt schon: Bis auf Libero habe ich tatsächlich schon alles gespielt. Sogar im Tor stand ich. Erst in der Jugend, dann mal in der Vorbereitung und – als unser aktueller Keeper Ahmet Grüger vom Platz geflogen ist – gar im Punktspiel.“ Zu seiner Position auf dem Platz hat er eine klare Einstellung. „Wo ich spiele, ist mir völlig egal. Ich will einfach nur Fußball spielen.“ Der 31-Jährige gilt als extrem ehrgeiziger Fußballer, der alles gibt und enorm zweikampfstark ist.

Das große Plus bei der SGO ist laut Jost – wie vielerorts – der Zusammenhalt. „Da passt kein Blatt Papier dazwischen. Das liegt auch daran, dass die Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielern passt. Innerhalb der Mannschaft gibt es keine Widerworte: Was der Trainer sagt, das wird gemacht. Wobei man sagen muss, dass die Ansprachen von Mirko Kress wirklich hervorragend sind.“

Dass es das 850-Seelen-Dörfchen schafft, fast ausschließlich mit einheimischen Spielern über die Runden zu kommen, macht Jost besonders stolz. „Wir haben wenige Leute von auswärts, und wenn, dann passen die voll ins Gefüge. Dazu kommen die unglaublichen Fans. Nach dem 2:1 gegen Mittelkalbach hatten einige Tränen in den Augen. Und als wir bei Flieden II in Überzahl 3:4 auf dem Kunstrasen verloren haben, da haben die Anhänger geschlossen applaudiert. Das war dann schon ein echtes Gänsehautgefühl“, erklärt der gelernte Zimmermann, der inzwischen eine Weiterbildung zum Techniker im Hochbau abgeschlossen hat.

Der Einsatz stehe für sein Team immer an erster Stelle. „Wir geben niemals auf und fordern das Glück auch ein bisschen heraus. Ich denke da an das Spiel gegen Rothemann, als wir eigentlich chancenlos waren, deutlich zur Halbzeit hätten zurückliegen müssen, uns aber gewehrt haben. Dann haben wir mit der ersten Möglichkeit vor der Pause das 1:1 gemacht. Wir haben zwar letztlich trotzdem verloren, aber alles gegeben. Das ist das Wichtigste.“

Mit der Kreisoberliga sei das Ende der Fahnenstange für seinen Club erreicht, ist sich Jost bewusst. „Wir haben vor sechs Jahren noch B-Liga gespielt, jetzt sind wir zwei Klassen höher angekommen. Bei uns weiß jeder, dass wir in der KOL immer gegen den Abstieg spielen werden.“

Sollte aber der Klassenerhalt gelingen, dann dürfte der Geisberg zu klein sein. Dann nämlich plant die SGO die wegen Corona ausgefallene Meisterfeier und den Ligaverbleib in einer großen Feier zu würdigen. „Das könnte ein sehr hartes Wochenende werden – wobei ich nicht weiß, ob da das Wochenende ausreicht“, sagt Jost schmunzelnd, der mit seinem Team noch einen weiten Weg vor sich hat.

Denn nach gutem Start ging es in den Spielen vor der Unterbrechung etwas bergab. „Das Gefühl hatte ich ebenfalls. Wir haben zwar in den letzten Spielen alles gegeben, aber irgendwie haben wir zu sehr mit uns selbst zu tun gehabt. Aber wir kommen seit Jahren über die Fitness, haben viele Spiele in den letzten Minuten gedreht. Daran liegt es also nicht, und deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass wir die Klasse halten können. Für die Mannschaft, eigentlich für das ganze Dorf, wäre das herausragend.“

Steckbrief

Name: Niklas Jost.
Spitzname: Niklas.
Geburtsdatum: 18. September 1989.
Im Verein seit: 1995.
Position: Linker Außenverteidiger.
Rückennummer: 4.