Der Brasilianer des TSV Pilgerzell

Torjäger Victor Faulstich über "Ausrutscher", Kapitän-Kritik und seine Wurzeln

13. Oktober 2015, 14:00 Uhr

Victor Faulstich will in dieser Saison noch oft mit dem TSV Pilgerzell jubeln. Foto: Charlie Rolff

Unaufgeregt, äußerst humorvoll, selbstbewusst, aber auch selbstkritisch blickt Victor Faulstich auf das, was war und das, was kommen mag. Pilgerzells Angreifer mit brasilianischen Wurzeln ist mit neun Treffern in zehn Spielen (wieder) der Toptorjäger des Fuldaer A-Liga-Clubs, dem er seit dem B-Junioren-Alter die Treue hält.

Im Alter von fünf Jahren hatte Victor Faulstich – damals noch in seinem Heimatort Dietershausen - mit dem Fußballspielen begonnen. Die Sportart mit dem runden Leder hatte den heute 20-Jährigen schon immer fasziniert: Auf dem Platz austoben, neue Freunde finden – Fußball war womöglich genau das Richtige für den Jungen, dem die ersten beiden Lebensjahre „fehlen“. Denn Faulstich wurde in Brasiliens größter Stadt São Paulo geboren, wuchs dort zunächst im Kinderheim auf. Über seine Eltern weiß er wenig bis gar nichts. Im Alter von zwei Jahren wurden er und seine Schwester adoptiert. So führte ihn der Weg nach Osthessen.

Zur Heimat ist inzwischen Deutschland geworden. Auch wenn Faulstich bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr Brasilien die Daumen gedrückt hatte („Das ist leider in die Hose gegangen“), so fehlt ihm ansonsten der Bezug zu seinen Wurzeln. „Ich möchte aber trotzdem irgendwann mal dorthin. Aber das möchte ich mir dann selber finanzieren und das geht im Moment noch nicht“, erklärt der bodenständige Angreifer, der im Klinikum Fulda eine Ausbildung zum operationstechnischen Assistenten absolviert.

Neben seinem Job richtet Faulstich den Fokus nun ganz auf die A-Liga-Saison mit dem TSV Pilgerzell. Nach einem schwierigen Start konnte sich die Mannschaft von Trainer Torsten Renz zuletzt stabilisieren und fünf Siege in Serie einfahren. „Wir hatten anfangs vielleicht das Problem, dass wir unsere Gegner nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga etwas unterschätzt haben. Wir sind oft wie gegen eine Wand gelaufen und haben dann den Konter gefressen. Inzwischen sind wir aber geduldiger geworden und rennen nicht mehr nur stur auf´s Tor zu“, so Faulstich, der dabei große Stücke auf Trainer Torsten Renz hält.

Und so ist in der A-Liga Fulda inzwischen wieder alles möglich. Drei Zähler beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Türkischer SV Fulda – und Pilgerzell hat noch eine Partie mehr zu bestreiten. „Wichtig wird sein, dass wir die Spiele gegen die direkten Konkurrenten gewinnen. Gegen den Türkischen SV ist uns das gelungen, Schmalnau, Büchenberg und Edelzell kommen jetzt noch.“ Dann will Faulstich auch wieder mit seinen Toren dazu beitragen, dass der TSV erfolgreich ist: „Bislang hätte es für mich noch ein bisschen besser laufen können. Ich bin manchmal noch etwas schludrig“, sagt der 20-Jährige mit dem für ihn typischen Lachen und richtet gleich noch ein paar Grüße an seinen Kapitän Daniel Kretz, der ihn zuletzt mit einem Augenzwinkern darum gebeten hatte, die Innenseite ab und an dem Vollspann vorzuziehen: „Das sagt der, der schon so oft mit der Innenseite fast die Latte zertrümmert hätte. Ich habe mich da schon gebessert.“

Mindestens 15 Saisontore hat sich Faulstich nun für die laufende Runde vorgenommen. Dass unter den bisherigen neun auch Traumtore wie ein 35-Meter-Hammer gegen Bachrain II waren, redet er klein: „Das war ja nur ein Ausrutscher.“ Seine Torgefahr und Schnelligkeit haben sich allerdings auch so schon bei anderen Vereinen rumgesprochen. „Ein Wechsel kam da aber bisher noch nicht in Frage, schließlich sind das alles meine Freunde in Pilgerzell. Mir kommt es beim Fußball auch nicht auf das Geld an, sondern die Mannschaft muss stimmen und ich mich wohlfühlen“, so der Spaßvogel, dessen gute Laune ansteckend ist. Wer könnte Lebensfreude auch besser verkörpern, als ein fußballspielender Brasilianer?

Autor: Viktoria Goldbach

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