Jens Neuland bei Oberzell/Züntersbach
Der bunte Vogel
Jens Neuland ist ein bekennender Groundhopper. Ob Moskau oder - so wie hier - Sarajevo. Kein Weg ist ihm zu weit. Foto: Privat
Die Liste seiner Vereine ist lang und durchaus spektakulär: Neuland spielte unter anderem bei seinem Heimatverein Buchonia Flieden, später bei Borussia Fulda, dem FC Eichenzell, der SG Magdlos, der SG Kerzell, dem TSV Schmalnau, beim Haimbacher SV und zuletzt zum zweiten Mal in seiner Laufbahn beim SV Höf und Haid.
Vor wenigen Tagen hat der 44-Jährige seine Zelte bei der SG Oberzell/Züntersbach in der Gruppenliga aufgeschlagen. „Das ging alles ganz schnell. Montag vor zwei Wochen kam der SOS-Anruf von Trainer Michael Jäger, der mir erzählt hat, dass man in Oberzell ein Torwartproblem hat und eventuell ein Feldspieler zwischen die Pfosten muss“, erzählt Neuland. Hintergrund: SGOZ-Keeper Robin Dorn laboriert an einer langwierigen Schulterverletzung, quälte sich schon durch die Vorrunde, muss nun aber bis zum Ende der Saison passen. „Jäger musste mich am Telefon nicht großartig breitschlagen. Ich habe quasi aus dem Stand zugesagt, denn mit 44 nochmal in der Gruppenliga spielen zu können, war mehr als reizvoll“, macht Neuland deutlich.
Jens Neuland zum Einstand bei Oberzell/Züntersbach ohne Gegentor
Sein Einstand lief herausragend. Zum ersten Mal seit Oktober 2020 spielte die SGOZ zu Null, gewann gegen die Dreier-SG aus Elters, Eckweisbach und Schwarzbach 1:0. „Das war so ein bisschen wie im Traum, denn das Spiel lief für einen Torwart perfekt. Ich habe ordentlich zu tun bekommen, ein paar gute Bälle pariert und der Gegner hat gut Druck gemacht. Dann knallt der Ball an unseren Innenpfosten und aus dieser Situation heraus fahren wir den direkten Gegenangriff, mit dem das Siegtor fällt. Besser kannst du dir das vorher nicht ausmalen“, schmunzelt Neuland.
Die Tage vor dem Spiel seien stressig gewesen erklärt Neuland: „Montag kam der Kontakt, Donnerstag die Freigabe von Höf und Haid, wo ich zum Schluss gespielt habe. Am Freitag dann folgte das erste Mannschaftstraining, am Sonntag das Spiel und ab Montag schließlich der große Muskelkater“, lacht der Keeper.
Auf die Zielsetzung für die kommenden Monate angesprochen gibt es eine typische Neuland-Antwort: „Ich will die Runde überstehen, ohne dass ich im Krankenhaus lande“, flachst er ob der Tatsache, dass er bereits zwei Kreuzbandrisse hinter sich hat. Lange sei so ein Engagement nicht machbar, weiß Neuland. „Der Zeitaufwand ist irre. Zum Training und zu den Spielen muss ich jeweils 30 Kilometer einfache Fahrt von Fulda aus rechnen. Aber das mache ich für die nächsten Wochen gerne.“
Geht es um Fußball, dann ist dem Fliedener sowieso kein Weg zu weit, keine Strapaze zu groß, denn Neuland ist ein Groundhopper, hat schon etliche Stadien bereist. Dazu gibt es auch eine Geschichte aus seiner Zeit bei der Britannia aus Eichenzell. Da folgte Neuland seinem Lieblingsclub Bayern München zum Auswärtsspiel der Champions-League bei ZSKA Moskau – und das per Zug. „Eine ganze Woche war ich da unterwegs“, beginnt Neuland zu erzählen. „Samstags Mittags ging es los mit einer 36-stündigen Zugfahrt. Am Montag war ich dann in Moskau. Mittwochs war das Spiel und am Freitag bin ich nach Berlin zurückgeflogen. Von dort hatte ich mir eine Mitfahrgelegenheit bis nach Kassel ins Auestadion organisiert. Da haben damals die Bayern-Amateure gespielt.“
Doch das ist nur der eine Teil der Geschichte. Denn plötzlich kam der Anruf von seinem damaligen Trainer Zlatko Radic. Der teilte ihm mit, dass der damalige Torwart von Eichenzell, Daniel Pfeiffer, verletzt ausfallen würde und er am Sonntag spielen müsse. „Ich hatte mir schon so was geahnt. Deshalb habe ich auch meine Torwartsachen wie beispielsweise die Handschuhe mit auf die Reise genommen. So bin ich dann mit dem Zug von Kassel aus weiter nach Wildeck-Bosserode gefahren und war Sonntags zum Spiel pünktlich dort“, so Neuland. 3:3 endete das Spiel damals, erinnert sich Neuland noch ganz genau.
Wegen einem Getränkeautomaten bei Eichenzell gelandet
Von solchen Geschichten kann Neuland einige erzählen. So kam sein Wechsel nach Eichenzell im Jahr 2005 ebenfalls kurios zustande. „Zlatko Radic hat bei meinem Arbeitgeber, der Spedition Zufall, einen Getränkeautomat aufgestellt. So haben wir beide uns einst kennengelernt und so kam ich nach Eichenzell.“ Sein Wechsel nach Schmalnau kam durch eine Stellenanzeige zustande. „Unter einer Chiffre-Nummer habe ich da Kontakt aufgenommen“, lacht der Schlussmann heute.
Freundschaften sind etliche entstanden in seiner Laufbahn. „Zlatko Radic hat mich beispielsweise Jahre nach seiner Zeit in Eichenzell nach Haimbach geholt. Und auch Jörg Dietz habe ich zu verdanken, dass ich meine Zelte bei Borussia Fulda aufschlagen konnte.“ Der ehemalige Vorsitzende des Traditionsvereins hatte keinen Torwart für die zweite Mannschaft. Im August 2009 wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben Vertragsspieler. Es war eine schwierige Situation, denn bei Borussia hatte man harte Zeiten. Aber wir haben in der zweiten Mannschaft das nahezu Unmögliche geschafft und die Saison über die Bühne gebracht. Dabei haben wir sogar das ein oder andere Spiel gewonnen, obwohl wir teilweise nur neun oder zehn Spieler zur Verfügung hatten. Aus dieser Zeit stammt auch die Freundschaft mit Harry Link, der für mich der beste Torwarttrainer ist, den ich je kennengelernt habe. Wie gesagt: Überall ist ein bisschen was hängengeblieben.“


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