Mirko Kress
„Die Jungs sind stolz, für ihr Dorf zu spielen“
A-Liga Schlüchtern: SG Oberkalbach spielt ihre bislang beste Saison der Geschichte
Mit Mirko Kress als Spielertrainer ging es bei der SG Oberkalbach nur noch bergauf. Jetzt winkt der größte Erfolg aller Zeiten. Foto: Ralph Kraus
Gerade mal eine Saison spielte die SGO vor deiner Amtszeit in der A-Liga. Ansonsten war ausschließlich die B- und C-Liga das Zuhause der Oberkalbacher. 2015 ist der Verein unter deiner Regie aufgestiegen und entwickelt sich prächtig ...
Oberkalbach hat damals einen Trainer gesucht und nach dem zweiten Gespräch habe ich seinerzeit zugesagt. Die Voraussetzungen waren zum damaligen Zeitpunkt durch den Abgang des 28-fachen Saison-Torschützen Benjamin Ochs und den Kreuzbandriss von Fabian Lamp nicht besonders gut. Trotzdem hatten wir das Ziel aufzusteigen. Die Jungs haben schnell gelernt und gemeinsam mit Magdlos sind wir dann auch verdient aufgestiegen. So hat die Entwicklung mal begonnen.
Es geht eigentlich tabellarisch Jahr für Jahr bergauf. Vergangene Runde wurdest Du mit deinem Team Fünfter. Das ist die beste Platzierung aller Zeiten. Wie nimmt das Umfeld, der Ort, diese Erfolge auf?
Mein persönliches Ziel ist es immer, besser abzuschneiden als im Vorjahr. Das ist oft nicht leicht und funktioniert manchmal auch nicht, aber der Ehrgeiz muss wenigstens da sein. Letzte Saison hätten wir ja sogar bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielen können, haben dann aber leider bei der SG Distelrasen verloren. Danach war es vorbei. Der Ort honoriert unsere Arbeit aber total. Nicht nur beim Fußball, sondern generell hält das Dorf Oberkalbach wahnsinnig fest zusammen. Ich habe noch nie so einen Zusammenhalt erlebt. Wir haben auch viele Zuschauer. Wenn wir auswärts zum Spiel fahren, dann sind meistens mehr Oberkalbacher dabei als Einheimische. Die Leute in Oberkalbach sind wirklich stolz auf die Mannschaft.
Der Verein macht aber auch viel. In Oberkalbach ist eigentlich immer was los ...
Es wird sehr viel gemacht und es gibt wenige Vereine, wo man eine Breite von zehn, zwölf Leuten hat, die sich richtig im Verein engagieren und nicht nur reden, sondern auch machen.
Es gab im Laufe des vergangenen halben Jahres nur zwei Niederlagen gegen Bellings/Hohenzell und Weichersbach. Auch wenn sich die Frage bei einem Tabellenführer fast von alleine beantwortet: Wie zufrieden bist Du denn mit der Hinrunde?
Wir sind alle sehr zufrieden, auch aufgrund der Tatsache, dass wir zwischendrin einige verletzte Spieler hatten – darunter auch wichtige Leute.
Im Kader stehen etliche Spieler, die 30 Jahre und älter sind. Wird das über kurz oder lang ein Problem für den Verein?
Bei den acht, neun genannten Leuten steht die drei beim Alter erst ganz frisch vorne. Ich sehe daher kein nachhaltiges Problem, weil auch immer wieder junge Kerle nachrutschen. Die mittelfristige Zukunft ist gesichert.
Die SGO hat bereits neun verschiedene Torschützen gehabt. Das deutet darauf hin, dass der Kader in der Breite sehr gut aufgestellt ist ...
Wir haben tatsächlich mehrere Spieler, die ein Spiel entscheiden können und kommen stets über das Kollektiv. Dieser Umstand ist einfach typisch fürs Umfeld, denn der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, des Vereins, des Orts, das ist das, was uns wirklich stark macht. Wir haben viele gute Spieler – ältere, aber auch junge Leute..
Oberkalbach hat nur knapp 800 Einwohner, spielt aber eigenständig. Siehst Du keine Gefahr, dass dieses Privileg mal in Gefahr geraten könnte?
Ich gehe davon aus, dass die erste Mannschaft noch eine ganze Weile eigenständig spielen kann. Ob das jetzt zehn Jahre sind oder nur fünf, das kann heute noch niemand voraussehen. In der heutigen Zeit ist es ja auch schon eine lange Zeit. Was mich da total positiv stimmt ist der Fakt, dass die Oberkalbacher eigentlich nicht den Verein wechseln. Die sind stolz, für ihr Dorf zu spielen und bleiben da. Ich bin sicher: Die aktuelle Mannschaft wird keiner verlassen.
Seit 2014 bist Du nun in der sechsten Saison Trainer. Wirst Du in Oberkalbach auch in eine siebte Spielzeit gehen?
Ich kann es mir durchaus vorstellen, denn ich bin ohnehin nicht der Meinung, dass man nach drei, vier Jahren als Trainer verbraucht ist. Wenn alles stimmt, funktioniert so etwas auch längerfristig.
Wie lautet die Zielsetzung für die Restrunde?
Wir haben einen großen Vorteil: Sollten wir am Ende Dritter oder Vierter werden, dann reißt uns keiner den Kopf ab. Von daher haben wir keinerlei Druck. Aber als Sportler kann ich mich jetzt auch nicht hinstellen und sagen, dass ich nicht alles dafür tun will, um den Aufstieg tatsächlich zu verwirklichen.
Wir träumen jetzt mal von der Kreisoberliga. Hättest Du keine Angst, dass deine Spieler dort das Fell über die Ohren gezogen bekommen?
Wenn es so kommen sollte, dann wird es ein hartes Jahr. Aber Angst hätte ich davor nicht. Alle wissen, dass das unglaublich schwer werden würde. Wenn man aber Glück hat und niemand sich verletzt, dann können wir auch mithalten. Wenn man so etwas packen kann, dann muss man es mitnehmen.


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