Die Köpfe der Lehnerzer sind oben

Erst Europapark, dann Kaiserstuhlstadion

29. Mai 2015, 13:45 Uhr

Alex Scholz (rechts) geht das letzte Spiel nicht verkrampft an. Foto: Charlie Rolff

Für den TSV Lehnerz ist Winterpause - geht man zumindest nach der Logik von Mittelfeldchef Patrick Schaaf, der die Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest zu einer komplett neuen Saison deklariert hat. Die Hinrunde ist bedingt erfolgreich verlaufen. Das 1:1 gegen Hauenstein war leistungsgerecht, bringt aber die Gewissheit mit einher, dass in der Rückrunde - am Sonntag (14 Uhr) in Bahlingen - wohl nur ein Sieg die Chancen wahrt. Denn nur der Erste der Dreierrunde, die an Fronleichnam mit dem Duell zwischen Hauenstein und Bahlingen beendet wird, steigt in die Regionalliga Südwest auf.

"Kaputter als sonst", beschreibt TSV-Trainer Henry Lesser seinen Zustand nach dem Hauenstein-Spiel, auf das er gerne zurückschaut: "Weil wir eine Topleistung gebracht haben, auch wenn am Ende ein bisschen die Kraft gefehlt hat." Und natürlich aufgrund der Kulisse: "Auf so ein Spiel haben wir zwei Jahre hingearbeitet, da gilt der Dank auch den Zuschauern. Das war für die Jungs ein tolles Erlebnis." Sein Rechtsaußen Niklas Odenwald schlägt in die gleiche Kerbe: "Die Region Osthessen hat hinter dem Verein gestanden, das haben wir gemerkt. Und das ist toll." Sechser Alex Scholz war "ein Stück weit geflasht" als er aus der Kabine kam, Odenwald hat gar keinen freien Platz mehr gesehen. Andre Vogt, diesmal Linksverteidiger und jüngster Spieler am Feld, spürte indes keine Aufregung: "Weil uns der Trainer keinen Druck gemacht hat. Wir sind das angegangen wie ein normales Ligaspiel. Ich war nur am Vormittag noch etwas aufgeregt, danach war alles ganz normal." Bis auf natürlich die Kulisse: "Beim Warmmachen waren ja schon 2000 Zuschauer da. Und als Renato Tusha am Anfang die Chance hatte, hat man richtig das Raunen gespürt. Das kriegst du dann ja auch auf dem Platz mit. Das war schon geil."

Anreise am Samstag, Abschlusstraining am Sonntag

Doch das Spiel ist schon jetzt wieder abgehakt, der Blick geht nur nach vorne - wobei Scholz noch nichts mit Bahlingen anzufangen weiß: "Ich habe keine Ahnung, was auf uns zukommt. Weder über kulturelle Sehenswürdigkeiten noch über die Mannschaft habe ich irgendwelche Informationen. Und das bleibt auch so, wir wollen unser Ding durchziehen." Coach Henry Lesser geht es selbstredend etwas anders an: "Ich habe schon ein bisschen Videomaterial gesammelt, außerdem kann ich mich noch bei einem Ex-Spieler erkundigen, der die Mannschaft gut kennt." Angegangen wird das Spiel auch professioneller als sonst: Der TSV trainiert heute Abend noch einmal in Lehnerz, reist morgen Nachmittag nach Bahlingen, bestreitet am Sonntagvormittag noch ein leichtes Abschlusstraining, bevor es - wie Scholz sagt - noch einmal ans Eingemachte geht. Und der gebürtige Hofbieberer hat ohnehin die Ruhe weg: "Für Samstag will ich noch ein paar Jungs für den Europark mobilisieren. Der ist nur 20 Kilometer weit weg. Und wenn wir schon mal da unten sind..."

Henry Lesser: "Ich habe uns noch nicht abgeschrieben"

Genau mit dieser Lockerheit soll Bahlingen besiegt werden, denn die Köpfe sind nach einer kurzen Enttäuschung längst wieder oben: "Selbstverständlich. Was wir jetzt schon erreicht haben, kann uns keiner mehr nehmen", unterstreicht Odenwald, und Lesser fügt an: "Ich bin stolz auf die Mannschaft, was sie für eine Leistung nach den zwei schwachen Ligaspielen gezeigt hat. Wenn es drauf ankommt, sind wir da und deswegen habe ich uns für Sonntag auch noch lange nicht abgeschrieben." Nicht abgeschrieben ist auch die Personalie Dominik Rummel. Der Top-Torjäger musste gegen Hauenstein wegen einer Oberschenkelverletzung passen: "Jetzt sind noch mal drei Tage Zeit. Es wäre toll, wenn er spielen kann, die anderen Jungs haben aber auch ihren Job gemacht. Wichtig ist, dass wir ihn nicht am Mittwoch schon verblasen haben, es hätte keinen Sinn gemacht." Lessers Sohn Patrick bekam stattdessen in vorderster Front das Vertrauen, hinten links durfte Andre Vogt ran: "Ganz so überraschend kam das nicht. Ich habe vorher in der verkappten Fünferkette ja auch schon links gespielt und am Samstag in Darmstadt nach der Halbzeit auch. Das hatte sich abgezeichnet." Mit der eigenen Leistung war Vogt zufrieden, auch wenn er ehrlich ist: "Der Linksverteidiger von Hauenstein hat mehr nach vorne gemacht. Aber das ist auch noch eine neue Position für mich."

Schleussner soll Bahlingen zum Abschied hochschießen

Neuland wäre wie für Lehnerz auch für Bahlingen die Regionalliga. Wobei das Team aus dem Kaiserstuhl mit nunmehr 18 Jahren Oberliga am Stück eine gestandene Truppe ist: "Wir profitieren vom SC Freiburg. Der Großteil unserer Mannschaft hat dort die Ausbildung genossen, dementsprechend kommen wir auch über die spielerische Schiene", erklärt Pressesprecher Stefan Ummenhofer, der dazu das Gegenpressing als eine große Stärke seines Teams aufzählt. Nachdem Bahlingen vergangene Saison noch fast abgestiegen wäre, ist jetzt die Regionalliga anvisiert: "Ich glaube, wir wären so weit. Ein Zwang ist der Aufstieg allerdings nicht." Der Verein, der kürzlich den Südbadischen Pokal einheimste und damit in der ersten Runde des DFB-Pokal steht, lebt aktuell von der Euphorie. 3000 Zuschauer erhofft sich Ummenhofer, der berichten darf, dass die erste Elf komplett sein wird. Allerdings musste er auch zur Kenntnis nehmen, dass sich Fabian Schleussner, 27-facher Torschütze in der abgelaufenen Runde, dem SC Freiburg II anschließen wird: "Es war fast klar, dass er geht. Wir sagen uns jetzt: Schieß uns in die Regionalliga, dann wünschen wir dir viel Erfolg", schmunzelt Ummenhofer und sehnt dem Spiel im Kaiserstuhlstadion am Sonntag schon entgegen.

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