Die Ziellinie lacht Flieden schon an

Verbandsliga: Ein Sieg ist für den Titel Pflicht

26. Mai 2017, 06:52 Uhr

In Hünfeld hatten Fliedens Fans zwei Plakate bemalt, am Sonntag dürften es noch ein paar mehr werden. Foto: Siggi Larbig

Auf den formschwachen SV Neuhof darf sich Buchonia Flieden am Sonntag wohl nicht verlassen, vielmehr müssen die Buchonen schlicht und ergreifend einfach selbst den letzten notwendigen Dreier für den Verbandsliga-Titel einfahren. Gegner ist der ersatzgeschwächte TSV Lehnerz II. Doch Vorsicht: Schon das Hessenliga-Team aus dem Fuldaer Norden gab am vergangenen Wochenende bereits die große Partybremse für Rot-Weiss Frankfurt.

SV Buchonia Flieden - TSV Lehnerz II (Sonntag, 15 Uhr).

"Es ist ja durchaus bekannt, dass Sedat Gören (Lehnerz II-Trainer; Anm. d. Red.) und Meik Voll nicht die besten Freunde sind. Und es ist auch klar, dass meine Verbindungen nach Hünfeld besser als nach Lehnerz sind. Und wir haben ja am Samstag gesehen, wie sehr Hünfeld gefightet hat. Wir werden nichts geschenkt bekommen", macht Buchonen-Trainer Meik Voll deutlich, sagt aber auch: "Wir wollen auch nichts geschenkt bekommen, sondern jedes Spiel ehrlich gewinnen. Die Jungs sind heiß auf Sonntag, das merkt man in jedem Training. Wir wollen das Ding jetzt unbedingt ziehen."

Voll machte dies im Auftakttraining am Dienstag auch unmissverständlich klar: "Wenn sich einer Gedanken um Feierlichkeiten oder T-Shirts oder sonst was macht, dann hat er nicht verstanden, um was es geht. Die Rahmenbedingungen mit der Saisonabschlussfeier mit DJ Erwin würden sicherlich passen, allerdings ist das alles Sache des Vereins." Voll habe nämlich gar keine Lust, in der 90. Minute einen entscheidenden Freistoß von Dennis Nuspahic zu kassieren und dann wie der letzte Depp dazustehen. Deshalb gilt: "Noch einmal volle Konzentration, dann werden wir uns den Titel nicht aus der Hand nehmen lassen."

Richtig Angst müssen die Fliedener auch wahrlich nicht haben, schließlich rekrutiert sich der Kader der Hessenliga-Reserve am Saisonende rein aus Spielern des Verbandsligakaders, zusätzlich fehlen Luca Gaul, Christoph Sternstein und Jan-Henrik Wolf, weil sie bei der Abschlussfahrt der ersten Mannschaft in Prag dabei sind. "Aber natürlich wollen wir nichts herschenken und teuer verkaufen", verdeutlicht Gören, der dies alleine schon ob der erwartet hohen Zuschauerzahl von seiner Mannschaft erwartet.

SSV Sand - SV Neuhof (Sonntag, 15 Uhr).

Sollte bei Flieden im eigenen Spiel etwas schieflaufen, müssen die Blicke in den Bad Emstaler Gemeindesitz wandern, dort empfängt Verfolger SSV Sand den Buchonen-Nachbar SV Neuhof. Schon nach dem Sieg in Willingen vor einer Woche gaben sich die Sander trotzig, feierten trotz des parallelen Fliedener Siegs in Hünfeld und blicken ganz entspannt auf das, was kommt. Stolpert Flieden wolle man da sein, ansonsten gäbe es ja auch noch die Möglichkeit der Aufstiegsrunde - heißt es aus Vereinskreisen. Selbst das mögliche Nachsitzen wolle der SSV nach der schon jetzt erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte mit Seelenruhe angehen.

SG Bad Soden - Hünfelder SV (Sonntag, 15 Uhr).

"Natürlich wollen wir einen vernünftigen Saisonabschluss und Rang drei sichern", gibt HSV-Trainer Dominik Weber die Marschroute voraus, allerdings reisen die Haunestädter zu einem der echten Osthessen-Klassiker mit einer Rumpftruppe an. Die lange Saison hat merkliche Spuren hinterlassen, das Kreispokalfinale vom Mittwoch nicht zur Linderung der zahlreichen Wehwehchen beigetragen. Platz drei ist nur bei einem eigenen Sieg sicher. Oder aber Konkurrent Weidenhausen patzt gegen Absteiger Bosporus Kassel, dann ist das Ergebnis auf der Bornwiese egal. Da Weidenhausen II in der Gruppenliga Kassel noch gegen den Abstieg kämpft, wissen die Hünfelder gar schon vor Anpfiff Bescheid, ob ein Sieg vonnöten sein wird. Denn Weidenhausen II spielt wegen der Chancengleichheiten um 15 Uhr, Weidenhausen I bereits um 13 Uhr.

Auch bei Bad Soden geht es nach dem Minimalziel "Klassenerhalt" lediglich noch um eine einigermaßen vernünftige Platzierung und ein gutes Gefühl für die Sommerpause: "Wir wollen den Saisonabschluss mit allen drei Mannschaften noch einmal genießen und freuen uns auf die letzten Spiele“, betont Bad Sodens Sportlicher Leiter Wladimir Römmich, der aufgrund der gezeigten Leistungen in den vergangenen Partien optimistisch ist: "Natürlich ist Hünfeld der haushohe Favorit, der aktuell auch in starker Form ist. Da müssen wir ganz klar ans Maximum gehen. Es wäre aber natürlich schön, wenn wir das letzte Saisonspiel positiv gestalten könnten.“

RSV Petersberg - SC Willingen (Sonntag, 15 Uhr).

"Unsere Saison hat es verdient, dass das am Sonntag kein Sommerkick wird", sagt RSV-Coach Rolf Gollin, der nach dem ganz großen Ziel - dem Klassenerhalt - jetzt noch einmal zwei kleinere ausgibt: 40 Punkte und ein einstelliger Tabellenplatz. Dafür wird ein Sieg vonnöten sein, wenngleich Gollin das Personal ein wenig durchmixen wird, einerseits, weil Spieler wie Boris Aschenbrücker oder Kubilay Kücükler ob ihrer Verletzungen längst die Sommerpause verdient haben, andererseits, um den Spielern aus der zweiten Reihe einen gebührenden Abschluss zu schenken: "So eine Saison ist immer eine Mannschaftsleistung, bei der letztendlich jeder mitgewirkt hat. Wir bestehen nicht nur aus elf Spielern, sondern leben vom Gesamtvolumen des Kaders - ob im Training oder bei den Spielen", verdeutlicht Gollin und geht dennoch das erste und einzige Mal in dieser Saison ohne jeglichen Druck in ein Spiel.

Autor: Johannes Götze