„Ein guter Junge“ – trotz einstiger Dopingsperre
Keanu Kraft (rechts) wurde von der SG Barockstadt als Reaktion auf den Engpass in der Defensive verpflichtet. © Charlie Rolff
Nach drei Spielen noch sieglos? Oder nach drei Spielen noch ungeschlagen? Vielleicht sogar beides? Das Heimspiel der SG Barockstadt gegen den FC-Astoria Walldorf (Samstag, 14 Uhr) scheint richtungsweisend zu sein, um den Saisonstart zu bewerten. Trainer Sedat Gören lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen: „Man sollte erst einmal zehn Spiele abwarten, dann sieht man, wo die Reise hin geht. Das haben wir auch in den vergangenen Jahren so gesagt“, unterstreicht der 53-Jährige, der trotzdem den ersten Sieg der Saison anstrebt.
SG Barockstadt: Was Trainer Gören zu Dopingsperre von Zugang sagt
Der gelang gegen die Aufsteiger Villingen und Gießen nicht – „aber wir hätten beide Spiele auch gewinnen können. In Gießen waren wir 60, 70 Minuten lang die klar bessere Mannschaft. Aber die Messlatte ist inzwischen sehr hoch: Viele denken vielleicht, dass wir einen Aufsteiger 5:0 weg schießen. Dabei ist es zum Saisonstart immer schwierig gegen einen Aufsteiger“, spricht Gören über die Meister-Euphorie der Gegner. Viel lieber hätte der Trainer gegen U-Mannschaften gespielt, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht komplett sind, weil viele Spieler im Trainingslager der Profiteams dabei sind.
Grundsätzlich hat Gören festgestellt, dass die Liga dank guter Aufsteiger enger zusammengerückt ist. Zwei Fakten unterstreichen diesen Fakt: Mit Neuling Eintracht Trier gibt es nur eine Mannschaft, die beide Spiele gewonnen hat. Was auch an vielen Unentschieden liegt: In 8 von 18 Spielen wurde kein Sieger ermittelt. Die SG Barockstadt ist aber die einzige Mannschaft, die in beiden Partien ein Unentschieden erreicht hat.
Was auch an einigen Ausfällen liegt: Mit Clint Essers, Kevin Hillmann, Eric Ganime und Moritz Reinhard fehlen neben den Langzeitverletzten Tobias Göbel und Marius Löbig mehrere Stammspieler. Gerade rechts hinten war es eng, so dass der etatmäßige Innenverteidiger Milian Habermehl dort aushelfen musste – und in Gießen prompt traf.
SG Barockstadt: Neuzugang Kraft ähnlicher Spieler wie Gaudermann
Trotzdem haben die Verantwortlichen reagiert und in dieser Woche mit Keanu Kraft einen gelernten Rechtsverteidiger verpflichtet . Trotz seines jungen Alters von 20 Jahren blickt der gebürtige Groß-Gerauer auf 51 Regionalliga-Einsätze zurück und musste sich bei der U23 des FSV Mainz 05 gegen zahlreiche Talente behaupten. Ein Spieler, der von seiner Vita an Leon Petö erinnert, der vor einem Jahr ebenfalls recht spät aus Mainz kam und nun in Homburg den nächsten Schritt gehen will.
Doch bei Kraft fällt noch etwas anderes auf: eine halbjährige Dopingsperre. Im September 2022 wurde dem damals 18-Jährigen nach einem Spiel die auf der Doping-Verbotsliste stehende, wenn auch nicht leistungsfördernde Substanz Carboxy-THC, ein Cannabis-Wirkstoff, nachgewiesen. Kraft räumte ein, auf einer Party einen Joint geraucht zu haben, und wurde daraufhin für sechs Monate gesperrt.
Für Gören und Co. bestanden trotzdem keine Zweifel, Kraft ein Vertragsangebot vorzulegen. „Jeder Mensch macht Fehler – man muss nur aus ihnen lernen. Er ist ein guter Junge“, beschwichtigt der Barockstadt-Trainer, der Kraft von seiner Agilität her mit Sommerabgang Kristian Gaudermann vergleicht. Nachdem er einige Wochen vereinslos war, ist Kraft noch nicht bei 100 Prozent, dürfte aber im Kader stehen. Zumal die Bank zuletzt ausgedünnt war und der Neuzugang die U-Regelung erfüllt.


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