SG Festspielstadt/SVA/SpVgg.

Eine Weltauswahl in der B-Liga

03. November 2021, 20:56 Uhr

Foto: Steffen Kollmann

Fast alle Teams in den Kreisligen sind in der Winterpause, vereinzelt finden aber noch Spiele statt. Zum Beispiel in der B-Liga Hersfeld-Hünfeld, wo die SG Festspielstadt/SVA/SpVgg. Hersfeld und die SG Werratal II um wichtige Punkte für die Play-downs kämpfen (Sonntag, 14.30 Uhr).

Im vergangenen Juni hatte sich die Spielgemeinschaft von der Kreisoberliga in die B-Liga zurückgezogen und stand vor einem kompletten Neuanfang. Kein Spieler aus der KOL-Mannschaft blieb übrig, auch Trainer Thorsten Hüter zog sich zurück. Mit Ralf Goßler wurde ein Coach an Land gezogen, der auf jahrelange Erfahrung als Juniorinnen-Stützpunkttrainer sowie Kreisjugendausschuss-Mitglied zurückblicken kann.

"Im Sommer war Land unter, die Spielgemeinschaft stand mit einem Bein am Abgrund. Ich hatte nur eine Hand voll Spieler und musste erst einmal unzählige Telefonate führen, um elf Leute zusammenzubekommen", sagt Goßler, der seine Kontakte nutzte, um vor allem viele junge Spieler für den neuen Weg zu akquirieren. Beim jüngsten 1:0 gegen Nentershausen/Weißenhasel/Solz II spielten sieben 18-Jährige.

Insgesamt 31 Spieler konnte der Coach einsetzen, diese kommen aus sage und schreibe 14 verschiedenen Nationen. "Ich habe schon zu einigen Kollegen gesagt, dass ich mit einer Weltauswahl in der B-Liga unterwegs bin", erzählt der B-Lizenz-Inhaber, der Spieler aus Nepal, Somalia oder Palästina in seinen Reihen weiß. Mehr als die Hälfte arbeiten bei Logistikunternehmen im Schichtbetrieb, entsprechend schwer ist ein geregelter Trainingsablauf. So kam es in dieser Saison schon vor, dass sonntagsmorgens trainiert wurde – und sonntagsnachmittags gespielt.

Große Vergangenheit, bescheidene Ziele

"Wir hatten am Anfang keine anständige Vorbereitung, die meisten mussten sich erstmal kennenlernen. Wichtig ist es, Freude zu vermitteln. Und Spaß haben wir", unterstreicht Goßler. Mit der bisherigen Bilanz von zwölf Punkte ist der Übungsleiter zufrieden, für die Abstiegsrunde im nächsten Jahr, in der neue, junge Spieler dazustoßen werden, stehen sechs auf der Habenseite. Entsprechend wichtig wäre ein Sieg im letzten Spiel des Jahres gegen Werratal II – kurioserweise das allererste Heimspiel in den Play-downs, bislang war die SG bei den direkten Konkurrenten ausschließlich Gast.

Gespielt wird in Asbach, dort, wo der SVA früher in Hessen- und Verbandsliga auflief. Auch die anderen beiden Partner blicken auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurück: gerade die SG Hessen, die bald wieder so heißen und den Namen Festspielstadt ersetzen wird. Der Weiteröder Goßler erinnert sich an glorreiche Spiele zurück, als beispielsweise Kickers Offenbach im altehrwürdigen Hessenstadion zu Gast war. Schnee von gestern, Zeiten, die nie wieder kommen werden. Das weiß Goßler.

"Aber wir haben schon das Ziel, bald mal in diesem Stadion zu spielen", sagt der Trainer über die Sportanlage, auf der seit dem Hessentag 2019 kein Spiel mehr stattfand. Es ist eins von vielen bescheidenen Zielen, die die Spielgemeinschaft im Jahr 2021 verfolgt: "Wir wollen das Schiff wieder flott bekommen, stehen aber ganz am Anfang. In der nächsten Saison wollen wir im oberen Drittel mitspielen. Langfristig wäre es schön, diese Traditionsvereine wieder in die A-Liga zu bekommen. Und vielleicht können wir bald eine zweite Mannschaft melden."

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