Emre Kadimli will lange ein "Speuzer" bleiben

Gruppenliga Frankfurt West: Ex-Regionalliga-Spieler im Interview

25. Juli 2017, 12:14 Uhr

Emre Kadimli nach dem 2:0-Sieg bei der TSG Niederrad. Foto: Pedro Acebes

Emre Kadimli hat mit seinen erst 23 Jahren schon bei zehn Vereinen gespielt. Der Wechsel zum Gruppenliga-Aufsteiger FFV Sportfreunde 04 ist nicht nur der elfte Klub für den Mittelfeldspieler, sondern der bislang unterklassigste in seiner Laufbahn. Denn schließlich stand Kadimli in der Saison 2012/13 bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag und absolvierte 25 Spiele in der Regionalliga Südwest.

Am Montagabend kickte Kadimli unweit des Niederräder S-Bahnhofs in einem Testspiel beim Kreisoberliga-Aufsteiger TSG Niederrad, welches der Neu-Gruppenligist durch die Tore von Emre Kadimli (74.) und Imad Charkaoui (89.) etwas glücklich vor 110 Zuschauern mit 2:0 für sich entscheiden konnte. Seine Karriere hatte das Mitglied der bekannten Frankfurter Fußball-Familie Kadimli in der Jugend bei der Spvgg. 02 Griesheim begonnen. Über den TSKV Türkgücü und Rot-Weiss Frankfurt gelang dem Fußballer der Sprung in die U17 von Kickers Offenbach. Später ging es dann an den Riederwald, wo sich Kadimli über die A-Jugend-Bundesliga für die damals in der Regionalliga spielende U23 der Adlerträger empfahl.

Der ganz große Durchbruch gelang dem damals 19-jährigen allerdings nicht. Vielmehr ging es nach der Zeit bei der Eintracht eine Klasse tiefer in die Hessenliga zum FSV Fernwald, den 1. FC Eschborn und die Spvgg. 05 Oberrad. Immerhin brachte es der Fußballer in drei Jahren auf 68 Hessenliga-Spiele und 16 Tore. Im September 2015 folgte der Wechsel zum FV Bad Vilbel in die Verbandsliga Süd, ein Jahr später der Wechsel zum Ligakonkurrenten Türk Gücü Friedberg. Und nun der vollzogene Wechsel in die Gruppenliga West zu den "Speuzern". Nach dem Spiel in Niederrad stand uns Emre Kadimli noch Rede und Antwort.

Emre, 2:0 bei der TSG Niederrad. Das war nicht so einfach auf diesem Platz, oder?

Ja, auf jeden Fall. Niederrad hat es gut gemacht und hinten gut gestanden. Nach vorne hatten sie sehr gute Aktionen. Wir hatten das gestrige Spiel noch in den Knochen und haben uns damit viel Unsicherheit reingeholt durch die 2:5-Niederlage. Wir müssen wieder reinkommen und dieses Tief in der Vorbereitung hinter uns lassen. Am Anfang ging es die ganze Zeit nur bergauf. Wir haben immer nur gewonnen und konnten gute Ergebnisse vorweisen. Dieses Tief in der Vorbereitung ist normal. Aber bis zum Sparkassen-Cup müssen wir da rauskommen.

Knapp zwei Wochen noch bis zum Start. Es kommt zum großen Derby in Griesheim. Reden die Leute schon davon?

Es wird eigentlich nur über dieses Spiel geredet. Jeder versucht seinen Platz für das Spiel zu bekommen. Wir werden am ersten Spieltag so fit sein und auf keinen Fall wie heute spielen. Wir werden Griesheim richtig vom Platz fegen.

Warum der Weg von der Regionalliga bis runter in die Gruppenliga?

Meine Hochzeit steht bevor und die Ausbildung steht an. Mein neuer Trainer Mehmet Tunay Somun hat mich überzeugt. Mit Ömer Dursun und einigen Freunden aus der Kindheit habe ich zusammen gespielt. Das war der ausschlaggebende Punkt war, dass ich gesagt habe, dass ich hin gehe. Durch die Hochzeit, die Ausbildung und die Freunde hat es sich so ergeben. Der Sportplatz liegt um die Ecke. Ich hatte keinen Bock mehr auf die Fahrerei. Um so höher du spielst, um so dreckiger ist das Geschäft. So macht es auf diesem Level Spaß und ich komme langsam wieder in Form.

Die letzten Jahre gab es bei Dir viele Vereinswechsel. Wirst Du jetzt bei den Sportfreunden länger bleiben?

Ich hoffe, dass ich jetzt ein paar Jahre bei den Speuzern spielen kann. Zur Zeit läuft es sehr gut. Die Wechsel waren immer aus verschiedenen Gründen. In Bad Vilbel und Oberrad habe ich mich sehr wohl gefühlt. In Friedberg war es leider nicht so gut. Es hat immer damit zu tun, wer bleibt. Ich kann mich einleben, aber ich hatte auch schon mal das Pech, dass zehn Leute gegangen sind und ich dann als einziger da stand. Hier hoffe ich, dass alle bleiben und wir mit unserem Sportlichen Leiter Udo Felder und dem Trainer Mehmet Tunay Somun lange in der Gruppenliga bleiben und es in ein paar Jahren vielleicht höher hinaus geht.

Wie schätzt Du die neue Gruppenliga ein. Wer gehört zu den Favoriten?

Kalbach ist mit Abstand die qualitativ beste Mannschaft. Die werden es wenn nichts schief läuft machen. Dahinter sehe ich Seckbach. Von Bornheim halte ich nicht so viel. Wir können auch eine Rolle spielen, wenn wir reinkommen. Das haben wir am Anfang der Vorbereitung mit Siegen in Flörsheim und Neuenhain sowie dem Unentschieden bei Rot-Weiss gezeigt. Nach Kalbach und Seckbach ist alles eine Wundertüte.

Wie hat sich der Nordhesse Jannis Lerch an der Mainzer Landstraße eingelebt?

Bei Jannis war das kein Problem. Solange wir unsere Shisha-Bar haben, konnte er sich sehr schnell einleben. Bei den Speuzern ist das anders, als bei anderen Vereinen. Wir sind auch nach dem Training zusammen. Die Spieler kommen nicht nur wegen des Fußballspiels. Nach dem Training gehen wir etwas essen oder in die Shisha-Bar. Die Jungs sind fast jeden Tag zusammen. Das ist genial und auch wenn es auf dem Feld manchmal nicht so aussieht, bilden wir eine sehr gute Einheit. Janis (Ex-Kapitän des Nord-Verbandsligisten 1. FC Schwalmstadt, Anmerkung der Redaktion) hat direkt gesagt, dass wir eine überragende Mannschaft sind. Er fühlt sich pudelwohl und er hofft auch lange hier bleiben zu können.

Autor: Pedro Acebes