"Es fehlt einer, der den Mund aufmacht"

Christian Eckerlin will bei der Borussia eine Führungsrolle übernehmen

22. November 2017, 07:00 Uhr

Christian Eckerlin kickte in der Hessenliga zuletzt für Hessen Dreieich. Foto: Ingo Lakes

Fast schon aus dem Nichts hat der SC Borussia Fulda am Dienstagvormittag den Ex-Lehnerzer Christian Eckerlin aus dem Hut gezaubert und mit der Verpflichtung des 31-jährigen Defensivallrounders ein Zeichen gesetzt: Der Kuschelkurs beim Hessenligisten ist beendet.

Denn Eckerlin spielt nicht nur Fußball, er verdient sein Geld auch als MMA-Kämpfer und ist dort als "The German Nightmare" bekannt. "Bei einem Kampf ist der Name schon in Ordnung, denn diesen Namen haben mir meine Fans gegeben. Aber beim Fußball bin ich Teamplayer und kein Einzelkämpfer, da hat das nichts zu suchen", macht Eckerlin deutlich, der in der Johannisau als Leader vorweg gehen soll. Denn nicht nur bei der jüngsten 0:3-Pleite gegen Hessen Dreieich wurde das wohl größte Defizit der Borussia deutlich: das Mentalitätsproblem.

"Klar haben wir viele Verletzungsprobleme und müssen uns irgendwie in die Winterpause retten. Empfindlich reagiere ich allerdings bei fehlender Mentalität. Der ein oder andere hat heute nicht so nach hinten gearbeitet und eine Art des Fußballspiels an den Tag gelegt, die mir nicht gepasst hat. Das mag ich nicht, und das werde ich ändern", deutete Trainer Henry Lesser, mit dem Eckerlin bereits beim TSV Lehnerz zusammengearbeitet hatte, auf der Pressekonferenz nach der Dreiech-Partie bereits Veränderungen an.

Eine erste hat es nun gegeben: Christian Eckerlin, der am Wochenende noch Zaungast war, soll das Ruder nun herumreißen und Verantwortung übernehmen. "Das sind alles gute Kicker, aber der Mannschaft fehlt ein Spieler, der mal den Mund aufmacht. Jemand, der Spieler emotional mitreißt und in einer schwierigen Situation vorweg geht. Wie hat Henry zur Mannschaft gesagt: Ich bin vielleicht nicht der beste Techniker, aber ich bin dort, wo es brennt", sagt Eckerlin, der am Wochenende im Derby gegen den SV Steinbach bereits sein Debüt feiern könnte.

"Rahmenbedingungen haben Zweitliganiveau"

"Das sind eigentlich genau meine Spiele. Da musst du richtig fighten und bereit sein, über dein Limit zu gehen. Ich kann es kaum erwarten", freut sich der Defensivspieler, der über sich selbst sagt, "dass ich in einer super körperlichen Verfassung bin. Das sind zwei Welten im Vergleich zu meiner Zeit in Lehnerz vor gut zwei Jahren. Damals kam ich aus einer Verletzung, jetzt stehe ich durch den Kampfsport voll im Saft. Ich habe zwar ein paar Kilos Muskelmasse draufgepackt, spüre aber keinerlei Einschränkungen."

Dazu trainierte Eckerlin zuletzt gut zwei Monaten bei Ligakonkurrent Waldgirmes mit, stand bei den Mittelhessen auch kurz vor der Vertragsunterschrift. "Als dann aber mein Freund Henry Lesser angerufen hat, war für mich sofort klar, dass ich ihm helfe werde. Zumal die Rahmenbedingungen in Fulda fast Zweitliganiveau haben. Welcher Verein trainiert bei diesem Wetter noch auf einem gut gepflegten Rasenplatz? Auch die Kabinen und das Stadion sind hervorragend und nicht mit meinen Ex-Vereinen Lehnerz oder Hessen Dreieich vergleichbar."

Kein Problem dabei sei die Tatsache, dass Eckerlin am 2. Dezember in Frankfurt noch einmal in den Ring steigen und gegen den Polen Witold Myjak kämpfen werde. "Das passt zeitlich sogar sehr gut, denn da haben wir mit Fulda spielfrei. Die intensive Vorbereitungszeit auf den Kampf ist sowieso bereits vorbei, jetzt geht es darum, das Fitnesslevel zu halten. Nach dem Kampf konzentriere ich mich zunächst erst einmal voll auf den Fußball. Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine halben Sache mache", kündigt Eckerlin, der bereits ein Versprechen für die Fans hat, an. "Es ist ja Wahnsinn, wie viele Leute die Mannschaft zu den Auswärtsspielen begleiten und das Team unterstützen. Ihnen sind wir es schuldig, dass wir uns zerreißen und immer Vollgas geben werden."