Famoser SVS schlachtet Eintracht ab

Hessenliga: Steinbach macht halbes Dutzend voll

20. August 2016, 17:00 Uhr

"Kalle" Müller und der SVS dürfen sich auf eine lange Nacht gefasst machen. Foto: Charlie Rolff

Den ersten Sieg in der Hessenliga hat sich ganz Steinbach ersehnt, dass das fußballverrückte Dorf diesen ausgerechnet gegen Titelaspirant Stadtallendorf serviert bekommt, konnte nicht erwartet werden und dass dieser sage und schreibe mit einem 6:2 (2:1) in die Geschichtsbücher eingetragen wird, noch viel weniger.

"Schuld" daran trägt die zweite Halbzeit, in der Steinbach 20 fantastische Minuten ablieferte und Stadtallendorf geradezu am eigenen Sechzehner festnageln konnte. Die 2:1-Führung bauten Michael Wiegand per Kopf nach Rohde-Ecke (52.) und Petr Kvaca nach Hanslik-Pass aus spitzem Winkel (54.) schnell aus und entschieden so das Spiel. Weil Daniel Hanslik nach neuerlicher Rohde-Ecke (63.) und Cino Schwab nach herrlichem Schuss in den Knick (80.) auch noch treffen sollten, wurde es für Stadtallendorf ganz bitter. Stadtallendorfs Trainerfuchs Dragan Sicaja war anschließend ganz fair, zollte dem Gegner Respekt und fasste das zusammen, was auf dem Platz passiert war: "Steinbach hat wie ein Aufsteiger gespielt, hat Herz gezeigt und ich habe es leider nicht hinbekommen, bei meinem Team den richtigen Nerv zu treffen."

Getroffen hatte diesen sein Gegenüber Karl-Josef Müller, den sein Team "teilweise sprachlos" auf der Trainerbank zurückließ. Vorher hatte er Routinier Petr Paliatka auf die Bank verbannt und dafür den 18-jährigen Tom Wiegand ins Rennen auf der "Sechs" neben Michael Wiegand gestellt: "Ich wollte einfach die defensivere Variante wählen und Tom hat seinen Job überragend gemacht." Der phasenweise sensationell gute Offensivfußball, der durch ständiges Pressen unheimliche Körner kostete, verzückte die Zuschauer über die Maßen, die sich zu kräftigem Applaus nach dem Spiel hinreißen ließen - was für das kritische Steinbacher Publikum nicht an der Tagesordnung ist.

Müller ist "sprachlos"

Einziges Haar in der Suppe war der Platzverweis gegen Petr Kvaca, der beim Stande von 6:1 seinen Gegenspieler beleidigte. Del Angelo Williams kam in dieser Szene mit der Gelben Karte davon, obwohl das vorausgegangene Foulspiel durchaus rotwürdig gewesen ist (82.).

Schon vor der Pause entwickelte sich ein hochintensives Spiel, auch weil Müller wie Sicaja von draußen jede Menge Stimmung machten. Gehörten die ersten zwei Chancen Stadtallendorf nach brandgefährlichen Standards, schlug der SVS bei erster Gelegenheit zu: Michael Wiegand zwang auf der rechten Außenbahn Ceyhun Dinler zu einem Fehlpass, auf den Florian Münkel spekulierte und von halbrechts abgezockt ins lange Eck treffen sollte (10.). Weil Daniel Hanslik (19.) und Michael Wiegand (26.) nicht nachlegten, durfte die Eintracht zum Ausgleich kommen. Sasa Dimitrijevic verursachte vollkommen unnötig einen Eckball, den Erdinc Solak, Valon Ademi und in letzter Instanz Dominik Völk per tollem Direktspiel veredeln konnten (29.).

Steinbach erholte sich von diesem Tor lange nicht, gerade Okay Yildirim hatte gleich zweimal das 1:2 auf dem Fuß, doch Steinbach schlug direkt vor der Pause neuerlich zu: Julian Rohde spielte zunächst Petr Kvaca frei, der noch an Manuel Bachmeier scheitern sollte, doch über Hanslik und erneut Rohde kam Cino Schwab ans Leder, der aus zehn Metern traf (45.).

Die Statistik:

Steinbach: Motzkus - Schwab, Bott, Trabert, Dimitrijevic - T. Wiegand, M. Wiegand - Kvaca, Rohde, Hanslik - Münkel.
Stadtallendorf: Bachmeier - Gaudermann, Vidakovics, Völk, Dinler - Arifi, Vier - Yildirim, Solak, Ademi - del Angelo.
Schiedsrichter: Patrick Werner (SKG Bauschheim).
Zuschauer: 500.
Tore: 1:0 Florian Münkel (10.), 1:1 Dominik Völk (29.), 2:1 Cino Schwab (45.), 3:1 Michael Wiegand (52.), 4:1 Petr Kvaca (54.), 5:1 Daniel Hanslik (63.), 6:1 Cino Schwab (80.), 6:2 Laurin Vogt (90.).
Rote Karte: Petr Kvaca (Steinbach) wegen Beleidigung eines Gegenspielers (82.).

Autor: Johannes Götze

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