Für Lemm hat der Aufstieg keine Priorität

Verbandsliga Süd: Ginsheim erwartet Geinsheim zum Lokalderby

03. März 2017, 16:35 Uhr

1960 Hanaus Travis Parker reist in den Odenwald zu Eintracht Wald-Michelbach. Dagegen erwartet Kamil Kwiaton mit dem VfB Ginsheim den SV Geinsheim. Foto: Patrick Scheiber.

Am 22. Spieltag geht in der Verbandsliga Süd das Duell an der Tabellenspitze zwischen dem VFB Ginsheim und der Spvgg. Neu-Isenburg in die nächste Runde. Dabei stehen die beiden Führenden vor lösbaren Aufgaben. Anders sieht es im Tabellenkeller aus: Hier greift der Tabellenletzte Germania Großkrotzenburg zu Gast beim TS Ober-Roden wohl nach dem letzten Strohhalm. Das einzige Samstagspiel findet zwischen Eintracht Wald-Michelbach und dem SC 1960 Hanau statt. Alle anderen Partien werden am Sonntag ausgetragen.

Eintracht Wald-Michelbach - SC 1960 Hanau (Samstag, 16 Uhr)

Die Tabellennachbarn haben einige Gemeinsamkeiten: Zum einen ging der Restsaisonauftakt für beide gründlich daneben (Eintracht Wald-Michelbach verlor sein Heimspiel gegen die Spvgg. 05 Oberrad mit 0:1 und der SC 1960 Hanau zu Hause gegen den VfR Fehlheim 1:2), zum anderen trennen beide Clubs mit 27 Punkten nur einen Zähler von einem Abstiegsplatz. Entsprechend große Bedeutung kommt der Partie am Samstag Nachmittag zu. Hanaus Coach Seref Zangir wusste schon nach der Partie gegen Fehlheim, dass " sich meine Mannschaft auf die alten Tugenden Zweikampfannahme und Kombinationsfussball besinnen muss, um in Wald-Michelbach zu bestehen."

TSV Vatanspor Bad Homburg - FV Bad Vilbel (Sonntag, 15 Uhr)

Überhaupt nicht zufrieden mit der Leistung seines Vereins in Bruchköbel war am letzten Wochenende Manager Hüseyin Güven. Hiobsbotschaften aus der Abwehrkette kommen hinzu, weil "Moritz Kulick mit einem Handbruch und einer Bänderzerrung, Nicolai König mit einem Muskelfaserriss verletzt sowie Alexander Ujma aufgrund einer Fortbildung dem TSV nicht zur Verfügung stehen.Torhüter Kai Klug zog sich in Bruchköbel eine Risswunde am Schienbein zu, wird aber wohl auflaufen können." Dennoch rechnet sich Güven gegen die Brunnenstädter Chancen aus: "Wir müssen uns im Defensivbereich zusammenreißen, aber als heimstärkste Mannschaft der Liga wollen wir auch gegen Bad Vilbel unserem Ziel, so schnell wie möglich 45 Punkte einzufahren, näher kommen."

Bad Vilbel reist mit dem Rückenwind des 1:0-Heimsieges gegen Spitzenreiter VfB Ginsheim in die nahegelegene Kurstadt. Auswärts konnte das Team vom Niddasportfeld erst drei Siege einfahren. Es fehlt weiterhin Stürmer Zoran Djordjevic, FV-Trainer Amir Mustafic kann in der Offensive aber auf Alexander Bauscher und Filip Osman vertrauen. Zudem stellt Mustafic dem zweitstärksten Sturm und heimstärksten Team der Liga die mit nur 24 Gegentoren zweitbeste Defensive der Liga entgegen. "Wir fahren mit Optimismus nach Bad Homburg. Jeder Sieg bringt Selbstvertrauen. Meine Mannschaft neigt aber zuweilen dazu, leichtsinnig zu werden". Respekt hat Mustafic vor Vatan-Torjäger Ibrahim Cigdem, der schon 22 Tore erzielt hat und auf allen seinen Spielerstationen für Tore sorgt: "Das spricht für ihn, denn er weiß wo das Tor steht. Der Coach erwartet kein einfaches Spiel auf dem Kunstrasen im Sportzentrum Nordwest. Die Tatsache, dass der FV die Kurstädter mit einem Sieg in der Tabelle überholen kann, ist "Motivation genug", wie Mustafic bekräftigt. Der Übungsleiter schaut aber weiter nach unten angesichts von nur vier Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz: "Die oberen zwei Teams sind weg, wir müssen weiter nach unten schauen".

Usinger TSG - SG Bruchköbel (Sonntag, 15 Uhr)

Zum ersten Pflichtspieleinsatz in diesem Jahr kommt die Mannschaft um Spielertrainer Marcel Kopp. Weil die Partie in Groß-Grotzenburg witterungsbedingt abgesagt wurde, wollen die Usinger beim Heimspiel gegen die SG Bruchköbel sich nun von ihrer besten Seite zeigen. Bruchköbel reist erhobenen Hauptes zur UTSG, konnten die Main-Kinzig-Kicker doch gegen Vatanspor Bad Homburg ihr erstes Punktspiel mit 4:3 für sich entscheiden: "Wir fahren nicht nach Usingen, um zu verlieren. Vermessen sind wir aber auch nicht, von vornherein drei Punkte einzukalkulieren, aber der 4:3-Erfolg über Vatanspor hat uns schon richtig Rückenwind gegeben", so Bruchköbels Pressesprecher Jochen Dickerhoff.

TS Ober-Roden - Germania Großkrotzenburg (Sonntag, 15 Uhr)

Sieben Punkte aus dern letzten drei Spielen lautet die erfreuliche Bilanz für den TS Ober-Roden, Das bedeutet für die Nister-Elf Tabellenplatz sieben mit 30 Zählern. Schlusslicht Germania Groß-Grotzenburg unterschätzen die Ober-Rodener aber keineswegs: "Wir gehen mit dem nötigen Respekt in dieses Spiel, weil wir ja nicht wissen, wie Großkrotzenburg aus der Winterpause kommt", sagt Ober-Rodens Trainer Daniel Nister. Obwohl mehrere Leistungsträger wie Florian Henkel (Muskelbündelriss), Benedikt Strauss (Außenbandriss) und Stammtorhüter Niklaos Gkogkos ( Arbeitsunfall Finger) fehlen werden, "ergeben sich Chancen für andere Spieler, sich zu profilieren."

Groß-Grotzenburgs Pressesprecher Gerald Trageser ist sich der Tabellensituation seines Vereins bewusst und schätzt die Lage angesichts von nur sechs Punkten auf der Habenseite realistisch ein: "Personell haben wir massive Ausfälle zu beklagen. Nach der langen Winterpause wissen wir auch nicht, wo wir stehen. Außer des Kreispokalspiels hatten wir kein vernünftiges Testspiel. Wir planen definitiv für die Gruppenliga Frankfurt Ost". Die Verträge mit Trainer Christian Schönig und dessen Assistenten wurden schon bereitsl verlängert, um ein Zeichen für den Neubeginn eine Etage tiefer zu setzen.

Spvgg. Neu-Isenburg - Türk Gücü Friedberg (Sonntag, 15 Uhr)

Die Neu-Isenburger, denen im Unterschied zu Ginsheim mit dem 1:1 in Alsbach ein Teilerfolg gelungen ist, wollen an ihre Leistung vom vergangenen Wochenende mit weiterem Potenzial anknüpfen: "Wir spielen auf Sieg, wissen aber auch, dass Türk Gücü nicht mehr so viel mit der Vorrundenmannschaft gemein hat, weil sie sich gezielt mit sehr guten Einzelspielern verstärkt haben", sagt Trainer Peter Hoffmann. Die Mannschaft vom Sportpark ist sehr heimstark und bislang ohne Heimniederlage geblieben. Bislang gab es nur zwei Punkteteilungen vor heimischer Kulisse.

Friedbergs Coach Mustafa Fil, der erst vor kurzem schon für die nächste Saison bei Türk Gücü unterschrieben hat, sieht den Aufsteiger beim Gastspiel im Sportpark nicht als Außenseiter: "Wir sind auf Augenhöhe, aber Neu-Isenburg ist der Favorit. Wir versuchen einen Punkt mitzunehmen". Natürlich kenne man die Stärken der Gastgeber, "wir werden uns aber nicht komplett nach dem Gegner richten". Ohnehin gelte es jetzt konstant zu punkten, da sich die Lage in der Tabelle nach dem 1:1 gegen die TS Ober-Roden verschlechtert habe: "Da wurden wir um unseren Lohn gebracht, weil wir die Torchancen nicht reingemacht haben. Die Spiele werden immer weniger", verweist Fil auf die prekäre Lage beim Viertletzten. Sein Co-Trainer Gültekin Cagritekin sieht Neu-Isenburg "im Kollektiv stark. Die Tabelle zeigt die Qualität der Mannschaft. Wir setzen aber auch Qualität entgegen und wollen etwas mitnehmen".

VfB Ginsheim - SV 07 Geinsheim (Sonntag, 15 Uhr)

Dass der Spitzenreiter gegen den Tabellenvorletzten als Favorit ins Spiel geht, ist Ginsheims Spielertrainer Carsten Hennig klar, der ehemalige Spieler des FSV Frankfurt warnt aber nicht nur wegen des Derbycharakters vor den Gästen aus dem Treburer Stadtteil: "Gegen Geinsheim haben wir meist nur knapp gewonnen". Tatsächlich endete das Hinspiel mit einem hauchdünnen 1:0 für den VfB. Die 0:1-Niederlage beim FV Bad Vilbel sei abgehakt, so Hennig: "Wenn fünf oder sechs Spieler nur 85 bis 90 Prozent abrufen, dann reicht es nicht, um ein Spiel zu gewinnen". Die Qualitäten von Geinsheims Torjäger Dominik Auer (12 Tore) sind durchaus bekannt, aber "wir werden unsere Spielweise deswegen nicht ändern", sagt Hennig, der die Aufstiegschancen der Ginsheimer wie der gesamte Verein gelassen sieht: "Wir wollen erstmal den Abstand zum Tabellendritten halten oder ausbauen".

Auch für VfB-Trainer Artur Lemm hat das Thema Aufstieg keine Priorität: "Wir müssen erstmal gegen Geinsheim gewinnen. Die Rolle, die wir momentan einnehmen, hat sich so entwickelt. Wir setzen uns grundsätzlich keine Ziele vor der Saison, was den Tabellenplatz angeht". Personell sieht es in Ginsheim "eng aus. Einige Leute fallen aus". Zum Spiel in Bad Vilbel merkt der Coach an: "Wir waren stets bemüht, das reicht aber nicht aus. Die Fehlpassquote war zu hoch und die zweiten Bälle wurden nicht gewonnen. Wir sind auch zu wenig gesprintet". Mit einer solchen Einstellung sei auch gegen Geinsheim der Sieg nicht sicher: "Wir müssen alles besser machen, sonst kann auch entgegen des Tabellenbildes Mentalität Qualität schlagen", warnt Lemm.

Geinsheims Sportlicher Leiter Uwe Ginkel beklagt ebenfalls personelle Probleme vor dem Lokalderby: "Melchior und Hauf fehlen verletzt, Schmidt ist beruflich verhindert. Der Kader wird immer enger". Trotz des vorletzten Tabellenplatzes und zehn Punkten Abstand zum rettenden Ufer gibt man sich im südhessischen Ried nicht auf: "Wir sind klarer Außenseiter, wollen aber mit taktischen Mitteln dagegen halten".

Autoren: Christoph Wess/Pedro Acebes.