Hessenliga: Flieden siegt in Unterzahl
Erneut sehen die Zuschauer am Weiher ein Spektakel
Auf dem schwer zu bespielenden Rasen erwischte die Buchonia einen Traumstart: Nachdem Hadamars Patrick Kuczok einen langen Ball völlig unterschätzt hatte, landete das Spielgerät bei Fabian Schaub, dessen Flanke Marco Gaul eiskalt verwertete. Das erste Saisontor in der Hessenliga für den Bellingser. In der Folge wusste der Gast aus dem Westen Hessens die Mehrheit an Ballbesitz auf seiner Seite, zu zwingenden Abschlüssen kam das Team von Walter Reitz jedoch nicht: Vielmehr hatten die Fliedener, die im mittlerweile gewohnten 4-3-3 in Durchgang eins eine sehr kompakte Leistung zeigten, insbesondere nach Kontern die Torchancen. Sebastian Ruhl (13.) und Marc Friedel (15.) zielten bei ihren Vorstößen knapp daneben, dazu traf Nico Hohmann nach einem sehenswerten Doppelpass mit Fabian Schaub den Außenpfosten (31.).
„Wir haben vor der Pause richtig gut verteidigt. Und obwohl das Geläuf beide Mannschaften zu vielen langen Bällen zwang, haben meine Jungs auch ab und an über ein super Kombinationsspiel den Weg zum Tor gefunden“, lobte Martin Hohmann seine Elf. Dennoch dürfte dem Fliedener Trainer nach einer Stunde kurz der Atem gestockt haben: Lukas Heil sah da nämlich die Rote Karte. Heils Einsteigen im Mittelfeld gegen Özdemir war trotz Ballspielens äußerst riskant, weshalb die Entscheidung des sehr guten Referees Ralf Orschulok (Kassel) vertretbar war. Die Partie drohte nun zu kippen, zumal die Rot-Weißen nicht einmal eine Minute später ausglichen. Friedel hatte eine Rechtsflanke unterschützt und Hadamars Toptorjäger Steffen Moritz schob trotz der von Hohmann geforderten Doppelbewachung locker ein.
Dass Flieden sich nie unterkriegen lässt und die Mannschaft lebt, zeigte sich dann allerdings in der Schlussphase. Zunächst flog Schaub nach einem Freistoß von Marco Gaul mit Hadamars Keeper Christopher Strauch und dem Ball zum 2:1 über die Linie (64.). Und auch nach der postwendenden Antwort von Moritz, der ähnlich wie beim 1:1 nach einer Rechtsflanke – hier waren sich Sascha Rumpeltes und Andreas Drews nicht einig – ausglich, hatte die Buchonia das letzte Wort. Klasse, wie sich Schaub nach einem Zuspiel von Hohmann gegen Schraut durchsetzte und dann noch das Auge für Stefan Dietz hatte (81.). Der Sturmtank aus Veitsteinbach ragte mit einem Tor und zwei Vorlagen einmal mehr heraus aus einer geschlossen starken Fliedener Truppe.
Im Anschluss schaukelte Flieden, anders als noch vor Wochenfrist in Darmstadt, das Ergebnis ohne Zwischenfälle nach Hause und durfte über einen wahnsinnig wichtigen Erfolg im Hinblick auf den Nichtabstieg jubeln. „Es ist toll zu sehen, wie die Mannschaft die Nackenschläge immer wieder verarbeitet und zurückschlägt“, freute sich Hohmann, nicht ohne trotz allgegenwärtiger Glückseligkeit den warnenden Zeigefinger zu heben: „Wie sich heute wieder mal gezeigt hat, ist bei uns alles möglich. Deshalb Achtung vor zu viel Euphorie: Wir brauchen noch einige Punkte mehr.“ Größe zeigte sein Gegenüber Walter Reitz, der von einem Unentschieden-Spiel sprach, „in dem Flieden einfach mehr kämpferische Tugenden eingebracht hat. Die Rahmenbedingungen mit den Fans hier, die sich mit Verein und Mannschaft total identifizieren, diese Ursprünglichkeit in Flieden ist klasse. Leider bekommt uns die Atmosphäre nicht gut. Auch heute müssen eine unserer längsten Auswärts-Rückfahrten wieder mit null Punkten antreten.“


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