"Ich verlasse einen richtig coolen Verein"
Gruppenliga Frankfurt Ost: Marc Zimmermann im Interview
Nach vier Jahren in Obertshausen hast du dich entschieden den Verein zu verlassen. Was sind deine Pläne für die Zukunft als Trainer?
Aktuell habe ich nichts. Ich hatte zwar Angebote vorliegen, auch von höherklassigen Vereinen, aber ich habe dann doch alles abgesagt, weil ich erst mal ein bisschen Abstand wollte zum Fußball. Insgesamt war ich vier Jahre in Obertshausen und drei davon waren sehr intensiv, in denen ich mit der Mannschaft gearbeitet habe. Danach habe ich festgestellt, dass ich erst mal durchschnaufen möchte, weil es mir bei allen Entscheidungen, die ich getroffen habe, um die Sache ging. Oberste Priorität hat für mich deshalb erst ein mal, dass ich mich weiter entwickele und nun nach der B-Lizenz, die ich habe, meine Praxisstunden bekomme für die Elite-Jugend-Lizenz, das ist der nächste Schein, den ich machen möchte. Dann schaue ich weiter, denn ich will nicht überstürzt eine Entscheidung treffen.
Aber du könntest dir vorstellen, wenn es sich spontan etwas ergibt, aufgrund von Trainerentlassungen, bei einem Verein anzufangen?
Auf jeden Fall. Wenn es passt, bin ich offen für alles. Ich bin auch nicht Liga gebunden. Natürlich will man immer nach oben, aber in dem Moment in dem das Gesamtpaket stimmt, würde ich auch zusagen. Deshalb habe ich auch in Obertshausen aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass es nicht mehr passt. Wenn jetzt was kommt, was mich interessiert und ich stelle fest, dass ich im Verein etwas mit entwickeln kann und der Verein darauf Bock hat, bin ich sofort da.
Du würdest aber schon gerne in der Gruppenliga als Trainer tätig sein, oder?
Mit Obertshausen sind wir in die Gruppenliga aufstiegen, das fand ich total cool und habe mich in dieser Liga mit der Mannschaft auch wohl gefühlt. Die Kreisoberliga hat mir auch gelegen, sonst wären wir nicht aufgestiegen. Aber ich habe keine Starallüren, dass ich sage, ich muss in der Gruppenliga bleiben. Für mich ist es erst mal wichtig, dass das Rahmenprogramm passt. Die Dynamik habe ich noch, etwas in meinem zukünftigen Verein zu bewegen. In Obertshausen konnte ich mit dieser Dynamik nicht mehr arbeiten, weil ich das Gefühl hatte, dass dort Stillstand herrscht. Das war einer der Gründe, weshalb ich den Verein dann verlassen habe.
Was nimmst du von deiner Zeit in Obertshausen mit für die Zukunft?
Richtig viel. Zum ersten natürlich, dass ich einen richtig coolen Verein, meinen Heimatverein sozusagen, hinterlasse. Ganz verlassen habe ich ihn nicht, weil man ja doch irgendwie an dem Verein hängt. Und als Obertshausen damals so mutig war, mich als Cheftrainer zu installieren, war der Verein wirklich am Boden und ich denke, dass wir ihn wieder ansehnlich gemacht haben. Der Ruf von Obertshausen war relativ schlecht, was sich gebessert hat. Ich nehme außerdem von der Zeit mit, dass man mit relativ wenigen Mitteln, mit Herzblut und extrem viel Arbeit im Amateurbereich viel leisten kann.
Bei Obertshausen konntest du auch deine Philosophie umsetzen ("agieren statt reagieren"). Warum ist dir das so wichtig?
Als Trainer hast du die Verantwortung, genauso wie der Verein auch. Deshalb muss man immer einen Schritt voraus sein bevor irgendetwas unvorhergesehenes passiert und Löcher im Verein entstehen. Man sollte daran interessiert sein soweit zu planen, dass man immer ein Schritt voraus ist. Wenn sich ein Spieler verletzt, zum Beispiel, muss man schon so weit geplant haben, dass es ausgemerzt werden kann, ohne dass man dann erst anfängt darüber nachzudenken, was jetzt eigentlich passieren muss. Man sollte immer einen Plan B in der Schublade haben und wissen, wohin es gehen soll. Und nicht erst dann, wenn die Situation entstanden ist, anfangen darüber nachzudenken. Ich will immer einen Schritt voraus sein und fortschrittlich sein, um vorneweg gehen zu können. Ansonsten hat man auch wenige Möglichkeiten. Ich finde, es gibt nichts schlimmeres für einen Trainer ständig nur zu reagieren und alles auf sich zukommen zu lassen.
Mit deinen 30 Jahren bist du ein sehr junger Trainer. Siehst du das als Vorteil, weil du eher verstehst, wie die Jungs ticken?
Es ist Fluch und Segen zugleich, aber das ist unabhängig vom Alter, glaube ich. Jedes Alter bringt irgendwelche Vor- und gleichzeitig auch Nachteile mit sich. Natürlich bin ich mit meinem Alter nah an der Mannschaft dran und ich ticke ähnlich wie die Jungs. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, dass man die Führungsperson ist und die Verantwortung trägt. Deshalb muss man auch die Distanz wahren und es ist immer gut einen Co-Trainer zu haben, der dann vielleicht näher und mit einem guten Gefühl an der Mannschaft dran ist.
Es kommt aber auch immer auf den Trainertypen an, egal ob jung oder alt. Es gibt bestimmt auch alte Trainer, vor denen die Spieler keinen Respekt haben. Spieler sind ja nicht blöd, sondern sehr feinfühlig und sie merken, ob jemand vor ihnen steht, der Ahnung hat, von dem was er redet und überzeugt ist von sich selbst. Wenn du als Trainer Überzeugungsarbeit leistet und überzeugt bist von dir selbst, kannst du auch andere Leute überzeugen. Dabei spielt das Alter keine Rolle.

