Immer ein Teil des Teams

Marcel Schmitt gönnt sich eine Pause

04. Juni 2018, 14:00 Uhr

Für Marcel Schmitt geht eine lange Fußballreise erst einmal zu Ende. Foto: Charlie Rolff

Wie muss eigentlich ein moderner Kreisliga-Trainer sein? Eine Gretchenfrage, die sich Jahr für Jahr zig Vereinsverantwortliche stellen, sie für sich selbst auch beantworten können und doch an der Verpflichtung eines geeigneten Kandidaten scheitern – weil der Markt sowas kaum hergibt. Nach einem Marcel Schmitt zum Beispiel würden sich jene Vorstände die Hände reiben – aber der 41-Jährige legt nun eine Pause ein.

„Es ist wahrscheinlich wirklich so, dass ich heute Abend nach Mackenzell, Steinau oder Kirchhasel fahren könnte, keinen Geldbeutel mitnehmen müsste, zwei Stunden später mit den Leuten in den Armen liegen würde und angetrunken wieder heimgehen könnte“, sagt Schmitt mit seinem breitesten Lächeln im Gesicht. Überheblich klingt das nicht, dazu neigt der zweifache Familienvater ohnehin nie. Aber es ist die Wahrheit. Zwölf Jahre war er nun ununterbrochen Spielertrainer: Fünf in Mackenzell, vier in Steinau und nun im dritten bei Germania Kirchhasel.

Schmitt gehört noch zum alten Schlag: Verbissen bis aufs Blut, unbedingt gewinnen wollen – zur Not auch mal mit einer Schwalbe. Und doch kommt er auch noch bei der heutigen Generation an. Warum? „Immer ein Teil des Teams“, laute schon stets sein Credo. In Sachen Einstellung der Spieler müsse er zur eigenen selbstredend Abstriche machen, gleichermaßen ist er auf – früher als Torjäger, heute als Libero – und neben dem Feld ein Leader, der nicht gleich nach dem Spiel verschwindet, sondern vielmehr nach dem Auswärtsspiel auch an das heimische Feuerwehrfest denkt, wo sich die Mannschaft doch gerne noch mal blicken lassen sollte. Das kommt bei den Vereinen an – und bei den Spielern.

Zeit für die wichtigen Dinge am Strand

Und wurde in zwölf Jahren zwar nie mit einem Titel belohnt, gleichwohl aber mit Erfolg: In Mackenzell spielte er in der Kreisoberliga noch oben mit, die zweite Mannschaft schaffte gar den Sprung in die A-Liga, wo mittlerweile die erste Mannschaft ihr Dasein fristet. In Steinau waren in den drei Jahren nach ihm vier Trainer tätig, im Sommer folgt Nummer fünf. Und in Kirchhasel? Da bemühte sich nicht zuletzt auch Schmitt selbst um einen geeigneten Nachfolger, führte viele Gespräche und sieht Mario Henning als gute Lösung an. Kein Spinner sei das, der dennoch klare Vorstellungen vertrete und sicherlich auch noch auf ein Bierchen im Sportlerheim bleibe.

Für Schmitt steht hingegen nun eine Pause an. „Erst einmal“, betont er und verdeutlicht, „dass ich mal einen Urlaub nicht nach dem Trainingsplan legen will und am Strand nicht darüber nachdenken muss, ob ich mir jetzt in Hünfeld noch mal den Kunstrasen blocken lassen muss oder doch noch einen Testspielgegner benötige“. Sollte der noch immer vollkommen austrainierte und topfitte Schmitt zurückkommen, wird er vielleicht noch mal spielen und dann gilt es für die Torhüter der Region endlich mal eine Aufgabe zu erfüllen: Einen Elfmeter Schmitts zu halten. Zig davon hat er in den zwölf Jahren verwandelt, nur einen verschossen – und das Spiel wurde auch noch abgebrochen und wiederholt. Zählt also nicht. Sein Geheimnis? Es gibt keines: Alle (!) hat er im linken Eck untergebracht.

Autor: Johannes Götze