Jugendfußball in der Stadt erlebt Aufschwung
Ben Lorenz (grünes Trikot) ist eines von mehr als 200 Kindern, das für FT Fulda Fußball spielt. © Charlie Rolff
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hatten die großen Traditionsclubs Borussia Fulda und Germania Fulda keine einzige Juniorenmannschaft mehr im Spielbetrieb. Bis zu diesem Sommer. Während Borussia nun mit einer D-Jugend an den Start geht, hat Germania ein F- und G-Junioren-Team gemeldet. „Durch einen Tag der offenen Tür und Sichtungstrainings hatten wir sogar noch mehr Zulauf, hätten aber nicht für jeden Jahrgang genügend Kids gehabt“, erklärt Matthias Jäger aus dem Führungsteam der Germania.
Fulda: Stadtvereine erleben Aufschwung im Jugendfußball
Ein erster Schritt in die richtige Richtung für den Verein, der einige Jahre mit Frischauf Fulda eine Jugendspielgemeinschaft gebildet hat. „Corona hat das, was noch übrig war, kaputtgemacht. Im städtischen Bereich ist es nicht so einfach, wir befinden uns nicht in der sozial stärksten Gegend. Dazu kommt, dass Kinder zu meiner Zeit nur den Fußball hatten. Heute ist es etwas anderes“, weiß Jäger, der umso glücklicher über die aktuelle Entwicklung ist. „Durch die Kinder ist wieder Leben in der Bude.“
Ähnlich ist die Situation bei Borussia, seitdem die D-Junioren in der Johannisau auflaufen. „Das soll nur der Anfang sein. Eine C- und F-Jugend ist in Arbeit“, bestätigt SCB-Vorsitzender Oliver Hasenauer, für den der Aufbau der Jugendabteilung eine Bestätigung für den Aufschwung beim früheren Zweitligisten ist. „Wir wachsen gerade wieder. Wir sind sehr zufrieden.“
Wie groß das Einzugsgebiet für Kinder und Jugendliche im Fuldaer Stadtbereich ist, zeigt das Beispiel von FT Fulda . In der Saison 2014/15 hatten die Turner nur zwei Nachwuchsteams im Spielbetrieb – nun sind es elf, von A- bis G-Junioren stellt FT eigenständig mindestens eine Mannschaft. „Eigentlich haben wir sogar noch zu wenige Teams gemeldet. Jede Woche melde ich fünf, sechs neue Spieler an, muss aber im E- und F-Junioren-Bereich auch ein bis zwei Kinder ablehnen, weil schlichtweg die Kapazitäten fehlen“, erklärt Jugendleiter Daniel Schröder, warum sein Ehrenamtsposten fast so etwas wie ein Full-Time-Job ist.
Fehlende Kapazitäten beim Thema Platzbelegung
Fehlende Kapazitäten sind aber nicht nur im Bereich der Trainer und Betreuer ein riesiges Thema, sondern auch in Sachen Platzbelegung. FT steht nur der eigene A-Platz sowie der veraltete Kunstrasen am Domgymnasium zur Verfügung. Sogar noch schwieriger wird es, wenn die Hallensaison ansteht. „Wir haben die kleine Aula der Stein-Schule für elfeinhalb Stunden in der Woche – stellen inklusive Senioren und Alten Herren aber 14 Teams“, spricht Schröder die Problematik an, die er bei den Verantwortlichen der Stadt bereits angebracht hat.
Als der Jugendleiter seinen Posten im Jahr 2016 antrat, hätte er wohl nie damit gerechnet, wie groß die Juniorenabteilung bei FT Fulda werden könnte. „Mir wurde damals gesagt: ‚Die Leute sind da und müssen nur abgeholt werden.‘ Das sieht man ja allein daran, dass jeden Tag zahlreiche Kinder an unserem Sportplatz vorbeilaufen. Aber auch ein ordentlicher Internet-Auftritt ist wichtig“, erklärt Schröder.
Bei den Turnern soll möglichst jeder einen Platz finden, die Breite ist genauso wichtig wie die Spitze: „Wir haben einen Migrationsanteil von über 60 Prozent, leisten also viel Integrationsarbeit. Dass es sich für die Spieler lohnt, dranzubleiben, zeigt das Beispiel von Rares Grozav, der mit 18 in unserem Kreisoberliga-Team spielt“, betont Schröder, der sich darüber freut, dass es mit Borussia und Germania wieder „Konkurrenten“ in unmittelbarer Nähe gibt. „Das tut der Stadt definitiv gut. Und für uns ist es doch auch cool, auswärts zu Germania oder Borussia zu fahren.“


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