Karamatic‘ Wort bei Germania: „Klare Regeln in Sachen Charakter“
Für Zeljko Karamatic (links) und Germania Fulda ist noch alles möglich: Der Titel, die Relegation oder auch eine Saison, in der man völlig leer ausgeht. © Charlie Rolff
Zwei Spieltage vor Schluss ist noch alles möglich: Die Meisterschaft, das Erreichen der Relegation oder aber der undankbare dritte Platz. Eine ebenso spannende wie schwierige Situation, oder?
Für uns ist das eine schöne Situation, denn nach der verkorksten Vorrunde hatte niemand mehr wirklich damit gerechnet, dass wir es bis nach ganz vorne schaffen – schließlich waren wir schon abgeschlagen. Deshalb machen wir uns jetzt auch keinen Druck. Wir sollten es beibehalten, dass wir immer auf die nächste Partie blicken und das ist am Sonntag das Heimspiel gegen Oberrode. Das wird wieder schwer genug. Danach schauen wir, was Marbach/Dietershan, der TV Neuhof und wir gemacht haben. Aber es stimmt schon: Wenn du jetzt auf der Zielgeraden Dritter wirst, wäre das eine kleine Enttäuschung.
Was lief in der Vorrunde falsch?
Wir sind super reingekommen in die Runde, hatten gute Spiele – auch im Pokal, als wir beispielsweise gegen Kreisoberligist Rothemann souverän gewonnen haben. Dann kam die Urlaubszeit. Dadurch hat sich die Trainingsbeteiligung extrem reduziert. Dafür sind wir bestraft worden, denn auch in der A-Liga brauchst du Übung. Das war der Hauptgrund.
Vor allen Dingen wurden vermeintlich leichte Spiele gegen Schlusslicht Petersberg II, Künzell II oder Kerzell/Löschenrod II verloren. Tut das jetzt doppelt weh?
Dazu kam zwischendrin noch das 3:3 beim TV Neuhof. Da kann man unentschieden spielen, aber nicht durch solche Fehler, die wir gemacht haben. Aber allein durch die drei angesprochenen Spiele sind es neun Punkte, die uns fehlen. Wir hätten es in der eigenen Hand haben können, jetzt noch Meister zu werden. Die Phase im Oktober hat das aber leider verhindert.
Wichtig waren die Neuverpflichtungen im Winter.
Wir haben uns zusammengesetzt. Der ein oder andere Spieler ist weg, drei neue Leute kamen. Die haben uns alle weitergebracht. Mittlerweile sind wir immer 16 Mann im Training. Da kannst du dir als Trainer vorher einen festen Plan machen und das macht sich letztlich auch in den Ergebnissen bemerkbar.
Germania Fulda hat 2024 kein Spiel verloren und 26 von 30 möglichen Punkten geholt. Wenn man noch sechs Punkte gegen Oberrode und bei Marbach/Dietershan holt, dann wäre zumindest die Relegation sicher. Wie gehen Sie die Spiele an?
Man kann nicht einfach so sagen, dass wir gegen Oberrode gewinnen müssen. Das ist eine starke Truppe und du weißt nie, wie du sie erwischst. Aber wir sind heimstark, haben keine personellen Probleme. Wenn Marbach/Dietershan heute gegen Niesig nicht Meister wird, wir aber unsere Hausaufgaben machen, dann haben wir ein ähnliches Finale wie im vergangenen Jahr.
Germania hat viele Nationalitäten im Kader. Klappt das mit den verschiedenen Kulturen?
Vom Charakter her sind die Jungs durchweg top. Es interessiert mich nicht, von wo einer kommt – der Charakter muss passen. Wir haben klare Regeln und wenn es nicht passt, dann reagieren wir. Aber ich bin wirklich überrascht, wie gut das alles funktioniert. Wir sind als Mannschaft eng zusammengewachsen, gehen öfter mal zusammen essen, das Training macht Spaß. Das passt wirklich super.
Das Sportgelände ist neu angelegt worden, im Vereinsheim hat man eine top funktionierende Gaststätte. Man hat das Gefühl, dass sich etwas bewegt.
Wir haben wieder mehr Jugendspieler, die Gehfußballer und die Zweite trainieren je zweimal die Woche. Es ist wirklich wieder Leben im Verein. So wie früher. Ich kam ja 1993 vom FC Wettingen in der Schweiz und Germania war in Deutschland meine erste Station. Das war wie ein Familie, innerhalb einer Woche hatte ich einen Job. Aber die Zeit ist eine andere geworden. Heute musst du vor jedem Respekt haben, der überhaupt noch Fußball spielt. Du brauchst jeden einzelnen Spieler. Das war früher anders.
Wie geht es mit Ihnen weiter?
Meine Zusage für die neue Saison habe ich gegeben und es laufen auch gute Gespräche, was die Kaderplanung und Neuzugänge angeht.


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