Spieler im Blickpunkt
Keine Gnade an der Konsole
Marcel (links) und Niclas Meinecke stehen beim TSV Pilgerzell zwischen den Pfosten. Foto: Leonie Reinhard, Verein
Die Null soll stehen. Sowohl bei Marcel, der in der Kreisoberliga-Elf agiert, als auch bei Niclas, der bei der Reserve in der A-Liga das Tor hütet. Und tritt das ein, freut sich der eine Bruder mit dem anderen. Von einem Konkurrenzkampf um die Nummer eins, bestenfalls im Tor der Ersten, ist aber beim besten Willen nichts erkennbar. Sich gegenseitig ein wenig pushen und auf eine gesunde Art und Weise anstacheln, mehr sei es nicht. „Außerdem sehe ich gegenüber Marcel eh kein Land. Zumindest derzeit“, gesteht der drei Jahre jüngere Niclas, während Marcel dies mit einem breiten Grinsen aufnimmt und betont: „Wäre er nicht mein Bruder, würde es wohl ein Kampf sein, schließlich gönnen sich Konkurrenten nichts. Aber unter Brüdern ist das anders. Sollte er spielen, bleibt es immerhin in der Familie.“
Und so ist es ganz normal, dass sich die in Haimbach wohnenden Meineckes Tipps zuschieben. Bei der einen oder anderen Partie FIFA wird der kommende Gegner auf dem echten Rasen angesprochen. „Wo liegt der starke Fuß der Stürmer, was sind ansonsten ihre Stärken. Viele Gegenspieler und somit ihre Eigenarten kennen wir mittlerweile. Wichtig ist nur, keine Angst zu haben. Deshalb sollten es nicht zu viele Gedanken sein“, sagt Marcel, der zu Juniorenzeiten das Horaser Trikot überstreifte. Obwohl er beim TSV die Nase vorne hat, ist an der Konsole indes alles ausgeglichen. Impulsiver, und da müssen beide lachen, ist dabei aber Niclas, wenngleich nicht überliefert ist, ob dabei bereits ein Controller drunter gelitten hat.
Dass sie überhaupt beide das Torhüter-Gen entdeckt haben, war nicht von Beginn an so gezeichnet. Seine ersten Schritte ging Niclas im Sturm, war dort sogar erfolgreich und schaffte es zwischenzeitlich in den DFB-Talentlehrgang. Im D-Juniorenbereich fiel eines Tages dann der Keeper aus, der jüngere der Brüder rutschte kurzum zwischen die Pfosten und gab jenen Platz nicht mehr her. „Spaß hat’s gemacht“, sagt er heute, und den einen oder anderen Kniff konnte er sich schließlich von seinem älteren Bruder abschauen. Der nämlich sammelte etwas mehr Erfahrungen, brauchte für das Anziehen der Torwarthandschuhe aber einen Schubser des Vaters. Der nämlich sagte, dass Marcel immer der Langsamste war und sich somit besser ins Tor stellen soll.
"Für Gruppenliga gewappnet"
Die eine oder andere Sache würden hingegen beide vom anderen mitnehmen. Während Marcel von Niclas’ Flachabschusstechnik begeistert ist, würde der jüngere Meinecke vor allem verbal einige Dinge mitnehmen. „Er coacht wahnsinnig gut von hinten und spielt dazu noch gut mit. Hinzu kommt, dass ich seine explosive Art gerne hätte“, so der 19-Jährige.
Schaut Marcel auf die vergangenen drei Jahre in Pilgerzell zurück, stellt er fest, dass er alles richtig gemacht hat. Erfolgsorientiert spielen sei sein Ziel. Beim TSV tut er das, verpasst keine Minute und der Weg führt stetig nach oben. „Vielleicht bis in die Gruppenliga“, sagt er hoffnungsvoll und schiebt hinterher, dass er persönlich gerne in jener Liga spielen möchte. Bestenfalls mit seinem derzeitigen Team, das er dafür ohnehin gewappnet sieht: „Wir haben super Charaktertypen in der Mannschaft. Dabei rede ich aber nicht nur von der ersten Elf, sondern auch von der Bank. Wir gehen den Weg gemeinsam, ziehen an einem Strang. Der nötige Zug ist da. Jeder möchte das Maximum erreichen.“
Niclas hingegen ist etwas entspannter bezüglich seiner Zukunft. Nachdem er zu Juniorenzeiten für Viktoria Fulda kickte und ihn sein Bruder anschließend gen Pilgerzell lotste, möchte auch er noch einige Schritte nach oben gehen. „Aber eins nach dem anderen. Ich hatte in der Vergangenheit etwas Verletzungspech und dadurch etwas die Motivation und den Spaß verloren. Der ist jetzt aber wieder da“, frohlockt der 19-Jährige, der im Verein für seinen Kleidungsstil bekannt ist. „Unser Schriftführer Christian Halling kam irgendwann zu mir und meinte, ich wolle doch nur mein Modelabel präsentieren. Es ist aber nur so, dass ich mich gerne ordentlich kleide. Aber schön, wenn das im Verein wahrgenommen wird. Damit komme ich klar“, sagt er und lacht. Marcel hat umgehend das beste Beispiel auf den Lippen: „Nach einem Training kam die ganze Truppe aus der Kabine. Jeder hat seine Fußballmontur getragen, außer Niclas. Er musste natürlich mit der Anzughose kommen.“
Steckbrief
Name: Marcel Meinecke.
Spitzname: Meini.
Geburtsdatum: 10. Januar 1999.
Im Verein seit: 2018.
Position: Torhüter.
Rückennummer: 1.
Name: Niclas Meinecke.
Spitzname: Mini-Meini.
Geburtsdatum: 14. Januar 2002.
Im Verein seit: Anfang 2020.
Position: Torhüter.
Rückennummer: 1.


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