Kemal Sarvan der Glücksgriff des Abends
Auch Breunung und Bartel stechen als "Neue"
Der Jubel beim TSV Lehnerz nach dem 1:0 von Pierre Mistretta war grenzenlos. Es sollte der Beginn eines gelungenen Abends sein. Foto: Steffen Kollmann
Ein Blick auf die Aufstellung ließ viele der 3000 Zuschauer zunächst etwas verwundert gucken. Nicht nur Niklas Odenwald und Patrick Lesser saßen draußen, sondern es erwischte auch Torjäger Dominik Rummel. Der hatte bisher zwei der drei Lehnerzer Tore erzielt, saß diesmal aber auf der Bank.
Für ihn brachte Lesser Kemal Sarvan, was sich als echten Glücksgriff erweisen sollte. Sarvan machte nicht nur zwei Tore, sondern das Ziel, dass er mit seiner kantigen Art und seiner Kopfballstärke Nikola Milankovic in der Fuldaer Innenverteidigung zusetzen sollte, ging voll auf. Dazu kamen auch Niklas Breunung und Sebastian Bartel neu ins Team. Auch das waren im äußerst kluge Entscheidungen. Zumal auch Breunung einen riesen Auftritt hatte, als er sich beim 4:0 den Ball eroberte, diesen zu Renato Tusha spielte und dann im Spurt mit nach vorne ging. Der Lohn: Tusha spielte den Ball zurück zu Breunung, der alleine aufs Tor zulief und zum 4:0 einnetzte.
Spätestens da war klar, dass die Borussia an diesem Abend nur ein heftiges Unwetter hätte retten können. Bloß: Das war weit und breit nicht in Sicht.
„Ich hatte vorher drei Derbys gespielt, davon kein Spiel gewonnen und wir haben nie ein Tor geschossen. Deshalb wollte ich, dass wir voll auf die zweiten Bälle gehen und das haben wir gut gemacht. Ich finde auch, dass das Ergebnis letztlich absolut verdient ist – auch in der Höhe“, so Lesser später. Das sich der Lehnerzer Trainer noch auf dem Platz völlig ungewohnt einen Radler gönnte zeigt, wie groß der Druck vor diesem Spiel gewesen sein muss.
Wie bitter Fußball sein kann, erlebte die Borussia in der ersten Viertelstunde, in der der SCBklare Vorteile hatte. Was aber nicht nutzt: Denn mit zwei Bällen aufs Tor stand es 2:0 für Lehnerz. Doppelt bitter: In der 10. Minute wurde ein Kopfballtreffer von Matija Poredski wegen Abseits nicht gegeben. Hier hätte das Spiel auch einen ganz anderen Verlauf nehmen können.
Was folgte war ein Knaller von Pierre Mistretta, der aus über 20 Metern einfach mal abzog. „Weil mich Torsten Cynszki vor dem Spiel angerufen und gesagt hat, dass ich unbedingt mal draufhalten muss. Fernschüsse sind ja normaler Weise nicht so mein Ding“, schmunzelte Mistretta hinterher. Nur 90 Sekunden später stand es bereits 2:0, weil Fuldas Abwehr nicht vorhanden war, als Tusha, Vogt und Mistretta Torschütze Sarvan freispielten.
Was danach passierte war klar: Lehnerz zog sich zurück, machte perfekt hinten zu und lauerte auf Konter. Bis zur Pause war die Borussia auch noch durchaus bemüht, doch was nach der Pause folgte war ein leidenschaftsloser Auftritt der Gäste, denen nun jeglicher Glaube an sich fehlte. Das dritte und vierte Tor waren nur die logischer Konsequenz.
„Bei meinem 4:0 hat sich unser Hurricane-Training ausgezahlt. Da bin ich Renato Tusha hinterher und hatten dann freie Bahn“, so Breunung über seinen Treffer, mit dem er eine klasse Leistung krönte. Das Tor war übrigens erst sein zweiter Hessenligatreffer. Den ersten schoss er im letzten Saisonspiel der Vorsaison beim 1:1 in Rot-Weiß Darmstadt. „Das hat uns die Relegation gebracht. Ich mach nur die wichtigen Dinger“, lachte der 21-jährige.
Lehnerz: Kaiser; Bartel, Kress, Sonneberger, Breunung, Scholz, Schaaf, Vogt (86. Lesser), Tusha, Mistretta (70. Jordan), Sarvan (66. Rummel).
Borussia: Wolf; D. Müller, Milankovic, Ruhl, Schwab (46. Jerkovic), Jaksch (62. Trägler), Krause, Merle, Pomnitz, Marius Müller (46. J. Müller), Poredski.
Schiedsrichter. Jonas Weickenmeier (Frankfurt).
Zuschauer: 3500
Tore:
1:0 Pierre Mistretta (12.)
2:0 Kemal Sarvan (14.)
3:0 Kemal Sarvan (61.)
4:0 Niklas Breunung (65.)
4:1 Matija Predski (71.) / kr

