Spieler im Blickpunkt

Kick it like Manuel Neuer

09. Dezember 2020, 08:57 Uhr

Julian Göltner ist die Nummer eins bei der FSG Kiebitzgrund/Rothenkirchen, wenngleich der Konkurrenzkampf nicht vorhanden ist. Foto: Charlie Rolff

Oft werden die Leistungsträger einer Mannschaft auf die Topscorer im Team beschränkt. Was aber ist mit den Spielern, die keinen auffälligen Spielstil haben, einen hohen Stellenwert besitzen oder in der Kabine immens wichtig sind? Wir schauen auf die oft vergessenen Helden in der Mannschaft. Heute im Fokus: Julian Göltner vom Kreisoberligisten FSG Kiebitzgrund/Rothenkirchen.

Ende Oktober ließ die FSG aufhorchen. Marcel Schmitt, Trainer beim Mitte-Kreisoberligisten, musste mit seinen 43 Lenzen zwischen die Pfosten. Der Grund: Torhüter Julian Göltner hatte sich verletzt, der Oberschenkel machte nicht mehr mit. Dem Leidtragenden tat es für seinen Coach ein wenig leid, zumal er es noch nie erlebt habe, dass er verletzungsbedingt vom Feld musste. "Einmal habe ich die Rote Karte gesehen. Mehr aber nicht", schildert Göltner, der überhaupt nicht damit rechnete, dass der Oberschenkel plötzlich zu machte: "Einige Wochen vorher bin ich im Training umgeknickt. Davon habe ich mich erstaunlich schnell wieder erholt. Ich hatte eher Bedenken, dass dort wieder Probleme auftreten könnten."

Mittlerweile hat sich der 24-Jährige wieder erholt. Der Keeper, der bereits zu A-Junioren-Zeiten für seinen Heimatverein auflief und lediglich für ein eineinhalbjähriges Intermezzo zum JFV Viktoria Fulda ging, ist zwingend notwendig im System des Tabellenachten. Als einziger etatmäßiger Torhüter sind seine Kameraden auf seine Dienste angewiesen. "Mit Paul Lachmann und mir haben wir für zwei Mannschaften nur zwei Torhüter. Das macht es kompliziert", weiß Göltner, dem somit ebenfalls etwas der Konkurrenzkampf fehlt: "Zu zweit ist es immer schöner, aber selbst ohne einen Konkurrenten haben ich genügend Ansporn." Eine einhundertprozentige Einstellung habe er immer, einen Arschtritt nicht nötig.

Sich selbst bezeichnet er als offensiv spielenden Torhüter, seine Freundin geht sogar ein Stück weiter. "Sie sagt, ich sei wie Manuel Neuer", berichtet er lachend und fügt an: "Dann entgegne ich immer, dass ich noch viel weiter vorne spiele. Im Grunde möchte ich nur beim Spielaufbau helfen. Und ich denke eben offensiv." Die Quittung für seinen Spielstil habe er noch nicht erhalten, ein Fernschuss ist lediglich mal vom Anstoßpunkt über ihn hinweg geflattert. "Einen Tick zu lange gefeiert", sagt Göltner.

Sein Verein zählt mittlerweile zum Inventar der Kreisoberliga, in jener Liga sieht der 24-Jährige die FSG gut aufgehoben: "Wir merken es Wochenende für Wochenende, wie geil es ist mit einer solchen Truppe in dieser Liga aufzulaufen. Wir genießen es und feiern es. Auch wenn wir eher im unteren Mittelfeld Jahr für Jahr auftreten, können wir dennoch ein gutes Wörtchen mitreden. Gegen starke Teams tun wir uns meist etwas leichter, wir müssen es nur hinbekommen, gegen die vermeintlich leichteren Teams mal unsere blöden Fehler abzustellen." Sollte das passieren, darf sich die Spielgemeinschaft auf noch viele weitere Jahre in der Kreisoberliga freuen.

Steckbrief

Name: Julian Göltner.
Spitzname im Verein: "Gibt's nicht".
Geburtsdatum: 14. Januar 1996.
Vereinsmitglied seit: Bambini.
Position: Torwart. ("Bei Bedarf würde ich auch einmal woanders spielen")
Rückennummer: 21.

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