Klinkenputzen für Testspiel-Termine
Thomas Freier und seine Erfahrungen aus der Vorbereitung
„Es grenzt an Wettbewerbsverzerrung, vielleicht ist es sogar schon eine solche“, sagt Thomas Freier. Der Trainerroutinier des Kreisoberligisten FSG Kiebitzgrund/Rothenkirchen denkt dabei nicht nur an die schwierigen Verhältnisse in der Marktgemeinde Burghaun, sondern vor allem auch an seine Rhöner Heimat. Kunstrasenplätze? Jeweils Fehlanzeige! Für Freier heißt das aktuell Klinkenputzen. „Bestimmt 15 Telefonate habe ich geführt, um einen Kunstrasen zu bekommen, weil ich zumindest einen vernünftigen Test bestreiten will.“ Vergebene Liebesmüh, wie Freier zähneknirschend zugeben muss. Er ist froh, dass sein Abteilungsleiter Oliver Schott mehr Glück hatte und gegen A-Ligist Wölf getestet werden kann.
Die Kunstrasenplätze sind dieser Tage so ausgebucht, dass beispielsweise das Testspiel zwischen Eichenzell und Bronnzell am vergangenen Mittwoch erst um 20.40 Uhr angepfiffen wurde. Von „unchristlichen Uhrzeiten“ wird dann gesprochen, die Plätze ziehen dabei zu so später Stunde selbstredend wieder an und gleichen oft einer Rutschbahn. Die Verletzungsgefahr birgt nicht selten ein unkalkulierbares Risiko. In der Fuldaer Johannisau beispielsweise, wo das Gummigeläuf vielleicht vor zehn Jahren das letzte Mal in einem wirklich annehmbaren Zustand schien, meiden die Teams bei Minusgraden die Zweikämpfe, auf der dann oft betonharten Schlittschuhbahn benötigt es besonderes koordinatives Geschick, um standhaft zu bleiben.
Doch selbst wenn Kunstrasenplätze zur Verfügung stehen, sind die kein Versprechen für eine vernünftige Vorbereitung – gerade wenn Schnee liegt, denn da werden nur die wenigsten geräumt, weil sonst Granulat abgetragen werden würde und somit die Lebensdauer der kostenintensiven Plätze merklich sinken würde.
Letztlich müssen die Trainer Ausweichmöglichkeiten finden, um ihre Teams für den Auf- oder Abstiegskampf zu wappnen. Spinning, Body Pump, Hallentraining – all das wird zu Rate gezogen. Und all das hat einen Nachteil: Es kosten den Verein Geld, und nicht selten müssen die Hobbyspieler in den unteren Ligen selbst für die Kosten aufkommen. Selbst wenn es „nur“drei Euro für eine Einheit sind. Aber eigentlich wollen die wenigsten ins Fitnessstudio, deswegen spielen sie ja Fußball.
Doch wie soll dem entgegengewirkt werden? Mehr gute Kunstrasenplätze würden helfen, gewiss. Ansonsten laut Freier wäre nur eine Verschiebung der Winterpause noch ein mögliches Mittel. „Zwei, drei Wochen würden uns schon helfen“, sagt der ehemalige Regionalligaspieler Borussia Fuldas und weiß auch, wie diese zu kompensieren wäre: „Im Mai, bei schönstem Wetter, können wir gerne zwei, drei Doppelspieltage machen. Da kommen die Zuschauer wenigstens an den Platz. Es ist doch traurig, wenn zu einem Topspiel wie zwischen Hünfeld und Weidenhausen kaum ein Zuschauer kommt, weil es so bitterkalt ist.“ Die Reduzierung der Klassenstärken oder das Abschaffen der Relegation – zwei der ebenfalls öfters diskutierten Varianten – will Freier hingegen vermeiden. Dies würde der Attraktivität schaden. Und darum drehe es sich nunmal, denn Fußball werde auch für Zuschauer gespielt.


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