Kommt Petersberg gerade erst ins Rollen?
Gruppenliga: Julian Wehner noch unsicher
Hier ist Julian Wehner (rechts) ausnahmsweise stiller Beobachter der Szenerie, genau wie Mario Vogt schaut er Hünfelds Christoph Neidhardt bei der Ballannahme zu. Alle drei spielten einst für den SV Steinbach. Foto: Siggi Larbig
Knapp vier Monate bist du jetzt in Petersberg. Wie fällt das erste Fazit aus?
Überragend gut. Ich kann sagen, dass ich mit dem Wechsel hierher alles richtig gemacht habe, obwohl ich es mir im Sommer richtig schwer gemacht habe. Das Umfeld ist total familiär, Alteingesessene gucken sogar beim Training zu, der Rasenplatz ist Weltklasse, die Bedingungen am Waidesgrund fast einmalig in der Region. Außerdem gibt es in der Mannschaft wirklich nicht einen, wo ich sage, dass ich den gar nicht brauche. Ich kann wirklich nichts Schlechtes sagen.
Vorher warst du lange für Steinbach und Asbach aktiv, dazwischen eine Saison in Eiterfeld. Kannst du Unterschiede aufzeigen?
Eiterfeld muss ich ausklammern, das war bekanntermaßen ein verkorkstes Jahr. Steinbach ist mein Heimatverein, der auch familiär geführt wird, wo aber alles vielleicht ein bisschen verbissener gesehen wird. In Petersberg bekamen wir auch nach der Niederlage gegen Schlitzerland Schulterklopfer, da war nicht gleich alles schlecht. In Asbach hat, da muss ich Ante Markesic recht geben, vielleicht etwas die Professionalität gefehlt. Bei beiden Vereinen habe ich mich aber total wohl gefühlt. Ich würde keinen der drei Vereine auf Platz eins stellen.
Du sprichst deinen Lehrmeister Ante Markesic an, unter dem du in Steinbach und Asbach aktiv warst und oft als einziger Sechser der Eröffnungsspieler warst. Jetzt ist das unter Goran Gajic anders. Kannst du uns den Unterschied erläutern?
Im "Ante-System" wurde ich im Aufbauspiel vereinfacht gesagt von einem der Innenverteidiger angespielt, habe dann aufgedreht und so oft schon zwei Spieler hinter mir gelassen. Unter Goran bauen wir oft über die Außen auf, mein Spiel fängt dafür erst später an.
Und was ist jetzt besser für dich?
Das ist mir eigentlich egal. Im Endeffekt sind es eine Philosophiefrage, die sich der Trainer stellen muss. Das Ante-System ist gefährlicher, und, wenn ich ehrlich bin, hat es mich da manchmal gestört, dass ich meilenweit von der gegnerischen Kiste weg bin. Jetzt ist das anders. Entscheidend ist auch da, dass man die Balance findet. Und das funktioniert mit Patrick Wingenfeld als defensiverem Sechser und Daniel Nüchter auf der Zehn richtig gut. Wir können alle drei alle Positionen in der Zentrale spielen und gerade mit Daniel wechsle ich auch öfters, damit wir nicht so ausrechenbar sind.
Du hast auch deshalb schon acht Tore am Konto. Die Offensive darf alleine deswegen nicht nur auf Boris Aschenbrücker reduziert werden...
Natürlich nicht. Wir haben so viele Spieler, die ein Spiel entscheiden können. Ich denke da an Adrian von Pazatka, der überragend ist, in der Liga eigentlich nichts zu suchen hat. Gerade in der Offensive sind wir auch in der Breite gut aufgestellt, können immer wieder wechseln, fangen fast nie mit der gleichen Formation an. Das ist ein großer Vorteil, da Gruppenliga-Kader meist nicht so zusammengestellt sind, dass da viel passieren darf. Mir ist es aber auch egal, ob ich jetzt bei acht oder zwölf Toren stehe, von mir aus darf Asche auch 50 machen. Hauptsache wir gewinnen.
Nichts passiert ist bislang in der Defensive: Hätte Linksverteidiger Mario Vogt nicht einmal Gelb-Rot gesehen, die hinteren fünf Spieler hätten noch keine Minute verpasst...
Das wird ja oft vergessen: Wir haben eine überragende Viererkette, da passiert fast gar nichts. Gerade in den letzten Wochen steht fast immer die Null. Klar verteidigen wir mit der ganzen Mannschaft, aber was die da hinten machen, hätte ich so nie erwartet. Ich wüsste gar nicht, was wir machen sollten, wenn da mal die zwei Innenverteidiger Andreas Brzoza und Marc Aschenbrücker ausfallen. Und wenn doch mal was durchkommt, haben wir auch noch einen guten Torwart. Im Moment finde ich bei uns gar keine großartigen Schwächen.
Da muss einem als Bronnzell oder Ehrenberg ja Angst und Bange werden. Alle Spieler fit, die Ergebnisse fallen immer deutlicher aus, die Mannschaft findet sich immer besser. Kommt der RSV erst richtig ins Rollen?
Gute Frage, die ich aber lieber erst in drei, vier Wochen beantworten würde, weil jetzt Topspiele gegen Bronnzell oder Eichenzell anstehen. Aber das kann schon sein. Wir haben zwar auch gegen Ehrenberg und Johannesberg gewonnen, da haben beim Gegner aber auch Spieler gefehlt. Klar ist, dass das Ziel von "Top fünf" auf "Top drei" verbessert werden kann, aber jetzt davon zu sprechen, dass wir Meister werden müssen, wäre falsch - und das müssen wir auch nicht.


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