Kreisliga-Koryphäe: Manndecker der alten Schule ist eine treue Seele
Klaus Wagner mit 45 immer noch für den SV Kirchhasel kompromisslos am Ball
Klaus Wagner durchstöbert in der "guten Stube" alte Zeitungsberichte über sich und seine Teams. Foto: Johannes Götze
Eigentlich, so erzählt er, war im Jahr 2006 schon alles vorbei. Anhaltende Fußprobleme, die einzige Verletzung in der langen Laufbahn, machten dem gebürtigen Hünfelder zu schaffen. Im besten AH-Alter bei Roland Rothenkirchen schien die Karriere ihr Ende gefunden zu haben. Doch nach ein paar Monaten wurde es besser.
Der Fußball lockte wieder: Die Hünfelder Rhönkampfbahn war nur ein Steinwurf weg vom Zuhause und Trainer der Hünfelder zweiten Mannschaft war Kumpel Sven Bednarek, unter dem er auch schon zwei Jahre in Wehrda spielte. „Ich wollte mich eigentlich nur fit halten, dann hat mich Sven gefragt, ob ich die Rückrunde nicht noch spielen kann.“ Mit Erfolg, denn gemeinsam mit Steffen Vogt hielt er die Defensive dicht – und sorgte auch mal für Lacher. „In einem Spiel hat Klaus quer über den Platz gebrüllt: ‚Wir müssen uns neu formatieren‘. Alle haben sich fragend angeschaut, gewirkt hat es aber trotzdem, das Spiel wurde gewonnen“, erinnert sich Vogt.
Und weil Wagner eben eine treue Seele ist, ließ er sich während des kurzen Engagements beim HSV von seinen Stammtischkollegen überreden, ins Trainergeschäft einzusteigen. Andreas Berk und Bernhard Göbel, die Macher von Germania Kirchhasel, holten den Kumpel als Spielertrainer an Bord. Zwei Jahre coachte er das Team, seitdem steht er „Stand-by“ zur Verfügung, der Trainerjob sei nicht unbedingt sein Ding gewesen, vor allem wegen des hohen Zeitaufwandes. „Ich komme aber immer noch auf 20, 25 Spiele pro Saison. Wahrscheinlich hört das auch erst auf, wenn mein Pass nicht mehr in der Mappe ist“, schmunzelt der glühende Gladbach-Fan, der aber zu verstehen gibt: „Nach dieser Saison soll wirklich Schluss sein.“
"Relegationsfluch" spät abgelegt
Und das als unangefochtener Stammspieler, so wie eigentlich immer in seiner Laufbahn. Zumindest, wenn man die drei ersten Seniorenjahre beim Jugendverein Hünfelder SV ausklammert, denn da war an Martin Müller und Hubertus Vilmar kein Vorbeikommen. Trotzdem durfte er beim Freundschaftsspiel gegen den brasilianischen Traditionsverein Fluminese Rio de Janeiro ran. Ein Riesenerlebnis vor 1200 Zuschauern, das sich fest eingebrannt hat. 1:9 hieß es am Ende. Aufgelaufen ist Wagner da so wie immer, als klassischer Manndecker, der dem Stürmer sprichwörtlich bis aufs Klo folgte – und sonst nichts machte: „Hätte mal ein Trainer erkannt, dass ich auch Fußball spielen kann, dann hätte ich vielleicht auch mal woanders gespielt“, schmunzelt Wagner.
Der Wechsel in die „HSV-Filiale“ war im Jahr 1991 der konsequente Schritt. Auch Michael Koch, Stefan Waider und Stephan Vogt entstammten aus der HSV-Jugend und wechselten zu jener Zeit nach Mackenzell. Bei der TSG verbrachte Wagner zehn Jahre. Die prägendste Zeit. „Wir fahren heute noch zusammen in den Ski-Urlaub. Damals ging es im Sommer nach Malle und im Winter nach Österreich. Wir waren eine eingeschweißte Truppe. Da hat es nach den Spielen auch mal richtig knallt, nach zwei Stunden war aber wieder alles vergessen.“
Und mit Mackenzell spielte er so manche Relegation zwischen Bezirks- und Bezirksoberliga. Meist mit mäßigem Erfolg, denn erst 2000 konnte der Relegationsfluch dank eines 8:0-Erfolgs gegen den SV Neuhof und dem damit verbundenen direkten Wiederaufstieg abgelegt werden. Davor war es oftmals knapp, besonders bitter bleibt die Saison 95/96 im Gedächtnis hängen.
Großer Gewimmer im hr-sportjournal
Als Tabellenführer im letzten Saisonspiel zum direkten Verfolger Heringen gereist, reichte es nur zu einem Unentschieden. Ein Entscheidungsspiel in der Hersfelder Oberau musste über den direkten Aufstieg entscheiden, da zu dieser Zeit das Torverhältnis keine Bedeutung hatte. 2:2 stand es nach 120 Minuten. Marcus Schellenberger verwandelte zwei Freistöße direkt, traute sich dann aber nicht, einen Elfmeter zu schießen. Nur der viel zu früh verstorbene Werner Brehl hatte für die TSG getroffen. Bitter für Wagner: Der Elfmeterschütze vom Dienst, einmal traf er im Laufe einer Saison vom Punkt gar zweistellig, durfte als vorgesehener fünfter Schütze nicht mehr antreten. Das schlimmste der über 700 Pflichtspiele für ihn. In der anschließenden Relegationsrunde hatte Mackenzell einmal mehr das Nachsehen.
Dafür durfte er in der hr-sportreportage sein Wissen unter Beweis stellen: Als die TSG 1994 von der samstäglichen Sendung porträtiert wurde, trat er mit Mitspieler Christian Schön gegen Jörg Bombach und den damaligen Darmstäter 98-Präsidenten Uwe Wiesinger im Quiz an. Die beiden Mackenzeller Geburtskinder siegten mit 10:1, Bombach und Wiesinger waren peinlich berührt, weil sie gegen Wagner keine Chance hatten. Die vhs-Kassette liegt bei Wagner natürlich noch im Wohnzimmer, genau wie zahlreiche Zeitungsausschnitte aufgehoben wurden, denn eins ist klar: „Fußball ist ein großer Lebensinhalt bei mir.“ Hört sich nicht so an, dass im Sommer auch wirklich Schluss ist.


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