Marcel Kopp will nicht zum Handy greifen müssen

Verbandsliga Süd: Rette sich, wer kann!

26. Mai 2017, 14:28 Uhr

Sowohl für die Spieler des FC Kalbachs (links) geht es in Bad Vilbel um den Klassenerhalt, als auch für die Usinger in Oberrad. Foto: Jörg Schulz

Am letzten Spieltag fallen die Entscheidungen in der Verbandsliga Süd. Während Ginsheim, Neu-Isenburg und Bad Vilbel die Hessenliga im Sinn haben, kommen sechs Vereine noch für zwei Abstiegsplätze in Frage. Rette sich, wer kann, heißt das Motto bei der SG Bruchköbel, der TS Ober-Roden, der Usinger TSG, dem FC Kalbach, dem FC Bensheim und dem VfR Fehlheim.

Eintracht Wald-Michelbach - TSV Vatanspor HG (Samstag, 15.30 Uhr)

Trotz Personalsorgen will Vatanspor Bad Homburg am Samstag in Wald-Michelbach nicht als Verlierer vom Platz gehen. "Wir werden das Spiel, wie jedes andere auch, ernst nehmen und wollen punkten. Ein Sieg wäre natürlich ein Traum", erklärt Hüseyin Güven, der auf Dominik König, Fuad Salihovic, Benjamin Celikci, Kai Klug, Nicolai König, Christian Füssel, Alexander Ujma und Moritz Kulick verzichten muss. Bad Homburgs Interimstrainer möchte ungeachtet dessen die Saison mit 50 Punkten abschließen. Ein Unentschieden bei der Eintracht würde dafür schon reichen, denn aktuell hat Vatanspor auf dem vierten Tabellenplatz 49 Zähler. Allerdings sehnt Güven das Saisonende auch bei, weil ihm "die Spieler ausgehen", wie er selbst sagt. "Es wird schwer für uns und wir werden Spieler aus der zweiten Mannschaft mitnehmen. Trotzdem erwarte ich Laufbereitschaft und Präsenz von meiner Mannschaft", fügt Bad Homburgs Coach hinzu.

Bei den Wald-Michelbachern geht es, wie bei den Bad Homburgern auch, um nicht mehr viel als einen guten Saisonabschluss. Beide Mannschaften haben den Klassenerhalt bereits geschafft. Güven erwartet deshalb einen "Sommerkick mit vielen Toren." Mit einem Sieg könnten die Hausherren noch bis auf einen Punkt an die Gäste heran rücken, um sich mit drei Punkten auch bei den Anhängern für die Unterstützung während der Saison bedanken zu können. "Wir brauchen noch einen Punkt, um unser Ziel 50 Punkte zu erreichen", sagt Vatanspors Sportmanager Hüseyin Güven vor der langen Fahrt in den Odenwald.

(se)

Spvgg 05 Oberrad - Usinger TSG (Samstag, 17 Uhr)

Während Vereine wie die Sportfreunde Seligenstadt oder im Vorjahr der SV Wiesbaden sich freiwillig aus der Hessenliga in Richtung Gruppenliga zurückgezogen haben, ist diese Entwicklung in Oberrad durch eine sportliche Talfahrt innerhalb von nur zwölf Monaten geschehen. Der freie Fall von der Hessenliga in die Gruppenliga Frankfurt West ist seit letzten Sonntag amtlich. Obwohl es im letzten Spiel gegen die Usinger TSG für die 05er nur noch um einen vernünftigen Abschied aus der Verbandsliga geht, wollen die Oberräder dem Hochtaunus-Klub nichts abschenken. Auch nicht, wenn Oberrad durch einen Heimsieg gegen die UTSG die Buchfinkenstädter in die Gruppenliga West "mitnehmen" würden. "Wir wollen nach 90 Minuten gewinnen. Wer nächstes Jahr mit uns in der Gruppenliga spielen wird, ist irrelevant", sagt 05-Spielertrainer Baldo Di Gregorio. Der Trainer ehofft sich von seinem Team einen besseren Auftritt als bei der 2:5-Niederlage beim TSV Vatanspor Bad Homburg am vergangenen Sonntag. Etwas Wehmut kommt beim Ex-Profi vor dem letzten Spiel auf Verbandsebene dann doch auf: "Schade, dass wir den Klassenerhalt nicht geschafft haben. Wir haben in der Hinrunde zu viele Punkte liegen lassen. Der neuen Mannschaft ab 2017 muss ich ein Kompliment machen, dem Team kann ich keinen Vorwurf machen. 2017 stehen wir nach der Winterpause unter den ersten fünf", verdeutlicht Di Gregorio. Der erneute Abstieg wird an der Beckerwiese nicht als Katastrophe interpretiert, vielmehr versteht der Klub auch mit Hilfe der guten Jugendarbeit den Neustart in der Gruppenliga West als Neubeginn. Frühzeitig hatte der Klub mit dem Abstieg kalkuliert und mit den Planungen für die Gruppenliga begonnen.

Durch die 1:2-Niederlage gegen die Spvgg. 03 Neu-Isenburg verpassten die Usinger den direkten Klassenerhalt und haben nun im Frankfurter Südosten ein echtes Endspiel. Die Mannschaft aus dem Hintertaunus braucht unbedingt einen Sieg, um rechnerisch auf der sicheren Seite zu sein. Mittendrin im Klassenkampf steckt der Aufsteiger und der Sportliche Leiter Swen Haimerl spürt "die Anspannung. Ich bin aber sicher, dass wir gewinnen werden. Wir wollen dem Spiel unseren Stempel aufdrücken und eine offensive Ausrichtung wählen". Dass 42 Punkte wohl nicht zum Klassenerhalt reichen werden, ist laut Haimerl "eine heftige Nummer". Auf einen Punkt zu spekulieren, wäre fahrlässig, sodass Usingen auf jeden Fall auf Sieg spielen muss. Auch Spielertrainer Marcel Kopp will auf gar keinen Fall auf Remis spielen lassen. "Ich hätte schon gerne ein entspannteres Spiel gehabt. Wir müssen auf jeden Fall unser Spiel gewinnen, denn ich möchte nach dem Spiel nicht zum Handy greifen müssen, um irgendwelche Live-Ticker zu verfolgen". Das Ausrechnen einer Extra-Tabelle bei drei oder vier punktgleichen Mannschaften möchten sich die Usinger ebenfalls ersparen. Torhüter Jan Eric Dreikausen ist verletzt, Fragezeichen stehen noch hinter den Einsätzen von Bastian Kalaica, Patrick Lerch und Nicolai Dörnte. Im übrigen sind die Vorkommnisse aus dem Hinspiel an den Muckenäckern (3:3), die vor dem Sportgericht landeten, bei beiden Klubs kein Thema mehr. "Die Sache ist erledigt und liegt in der Vergangenheit", versichert Oberrads Baldo Di Gregorio.

(pa)

Türk Gücü Friedberg - FC Bensheim (Samstag, 17 Uhr)

Für die Bensheimer geht es am letzten Spieltag um alles. "Wir werden bis zum Schluss kämpfen, um drei Punkte zu holen. Deshalb werden wir auch nicht unsere Spielweise ändern, sondern versuchen das Heft in die Hand zu nehmen und das Spiel zu gestalten", lauten die klaren Vorgaben von Bensheims Trainer. Für Elton da Costa zählt nur ein Sieg um den Klassenerhalt perfekt zu machen. "Damit wir uns nicht vorwerfen dürfen, dass wir nicht alles versucht haben." Ungeachtet dessen wird seine Mannschaft "mit Respekt auftreten und höllisch aufpassen", dass sie nicht in Rückstand geraten. "Wir müssen dagegen halten und eine passende Antwort parat haben, um ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Außerdem müssen wir einen guten Tag erwischen", so da Costa, der mit Fabio Hechler und Max Schwerdt wieder zwei Optionen mehr für die Offensive hat. Lediglich Nino Suserski wird gesperrt fehlen.

Doch die Friedberger werden versuchen den Bensheimer Sturmlauf zu unterbinden, um selbst als Sieger vom Platz zu gehen und den letzten Heimsieg in dieser Saison zu holen. Mit 48 Punkten steht die Mannschaft von Mustafa Fil aktuell auf dem fünften Tabellenplatz und könnte noch an Bad Homburg vorbei ziehen, sollte Vatanspor in Wald-Michelbach patzen.

(se)

SG Bruchköbel - VfR Fehlheim (Samstag, 17 Uhr)

Richtig spannend wird es bei der Partie in Bruchköbel. Mit einem Sieg gegen Fehlheim sind die Gastgeber aller Sorgen ledig. Dann hält das Teams von Andreas Arr-You sicher die Klasse. Bei einem Unentschieden oder bei einer Niederlage kommt es für Bruchköbel auf die Ergebnisse auf den anderen Plätzen an. "Wir wollen den Fehlheimern Paroli bieten und der Rechnerei mit einem Sieg aus dem Weg gehen", so Bruchköbels Medienvertreter Michael Kwasniok. Derzeit haben die Gastgeber mit zwei Zählern Vorsprung auf die Abstiegsränge. "Wir haben alles selbst in der Hand, gehen aber auch mit einer gewissen Anspannung ins Spiel. Fehlheim ist eine robuste Mannschaft", weiß Kwasniok.

Die Fehlheimer hingegen müssen ihr Spiel gewinnen, um auf 42 Punkte zu kommen. Und dann müssen die Gäste darauf hoffen, dass die anderen Mannschaften mit derzeit 42 Zählern ihre Spiel verlieren. Der VfR ist also auf Schützenhilfe angewiesen.

(db)

FV Bad Vilbel - FC Kalbach (Samstag, 17 Uhr)

Der direkte Aufstieg ist für den FV nicht mehr möglich, dafür besteht mit einem Sieg gegen die stark abstiegsgefährdeten Nachbarn vom FC Kalbach die Chance, die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Hessenliga zu sichern. "Wir wollen gewinnen und erst danach schauen wir, was Neu-Isenburg gemacht hat und es ob es reicht", kündigt Amir Mustafic, der Trainer der Brunnenstädter an. Die Zielvorgabe vor dem letzten Spieltag ist eindeutig. Doch die Nordfrankfurter brauchen selbst händeringend einen Dreier, um nicht in die Gruppenliga West abzusteigen. "Wir dürfen Kalbach nicht unterschätzen. Sie werden alles dagegen setzen. Es wird ein offenes Spiel und wir können jeden Gegner im Laufe des Spiels besiegen. Aufpassen müssen wir aber auf das Umschaltspiel der Kalbacher", sagt Mustafic. Am Donnerstagabend trat seine Mannschaft mit einem gemischten Team im Endspiel des Kreispokales Friedberg an und musste gegen den Kreisoberligisten Teutonia Staden in die Verlängerung. Erst nach der halben Überstunde hieß es 4:0 für Bad Vilbel. "Vollkommen unnötig. Das wollten wir eigentlich nicht und das hätten wir uns ersparen können", so Mustafic vor dem Showdown gegen den Verein vom Kalbacher Hopfenbrunnen. Beim FC Kalbach will Co-Trainer Carmine Iannone die letzte Aufgabe "mit Respekt angehen. Wir konzentrieren uns darauf, eine gute Figur abzugeben".

Ein erfreulicher Abschluss muss unbedingt her im Frankfurter Norden, sonst droht die Verbandsliga Süd künftig ohne den FCK zu spielen. Dass ein Remis langen könnte, davon will Iannone gar nichts wissen: "Diese ganze Rechnerei ist völlig sinnlos. Wir können da nicht auf ein Remis spielen, sondern gehen das Spiel ganz normal an. Vielleicht wird es ja Bad Vilbel zum Verhängnis, dass sie nach vorne spielen müssen", hofft der Kalbacher Assistenz-Coach. Iannone nimmt seine Protagonisten in die Pflicht: "Welcher Spieler will denn, dass sein Name mit einem Abstieg in Verbindung gebracht wird? Schon allein deshalb glaube ich, dass alle alles dafür tun werden, damit wir es packen". Helfen soll auf der Torhüterposition wieder Taha Özdemir, der in den letzten Wochen die besseren Trainingseindrücke lieferte und deswegen gegen Bruchköbel zwischen den Pfosten stand. Auch der junge Defensivspieler Luca Jerome Labonte hat sich einen Platz im Team erkämpft. Iannone setzt aber auf die Erfahrung von Erik Wille, Kadir Fil und Christopher "Toto" Stein. "Ein Schuss Erfahrung ist im Finale nicht verkehrt". Vor dem Tabellendritten hat Iannone nur lobende Worte, hat die Elf vom Niddasportfeld mit Cheftrainer Salvatore Cirrincione bei den Freitagabendspielen als "Stammgäste" oft genug beobachtet: "Sie stehen nicht umsonst da oben und gehören da hin. Es gibt wohl kaum eine spielstärkere Mannschaft in der Liga."

(pa)

SC 1960 Hanau - SV 07 Geinsheim (Samstag, 17 Uhr)

Die Ansage von Hanaus Sportlichem Leiter an die Mannschaft lautet: "Vollgas geben, um zu gewinnen." Damit sich der SC mit einem Heimsieg auch bei den Fans für die Unterstützung in der noch laufenden Saison bedanken und einen positiven Abschluss schaffen kann. "Wir gehen jede Partie so an um zu gewinnen und wollen Geinsheim unser Spiel aufzwingen", erklärt Okan Sari, der hofft, dass Hanaus Spieler bis Samstag wieder fit sind, damit sich die personelle Lage wieder entspannt und sich keiner in der letzten Begegnung noch verletzt. Das Tempospiel soll bei den Gastgebern dabei wieder im Vordergrund stehen, "was uns in der gesamten Saison super gelungen ist." Außerdem lobt Sari die Leistung des Aufsteigers, mit der der Ligaverbleib gesichert werden konnte: "Wir haben mit einer jungen und unerfahrenen Mannschaft eine tolle Leistung geschafft."

Trotz der "schwierigen Saison", wie es Okan Sari bezeichnet, sieht Hanaus Sportlicher Leiter Geinsheims Qualitäten im Sturm. Das reichte allerdings nicht aus, um die Klasse zu halten. Deshalb wird der SV den Gang in die Gruppenliga antreten müssen. "Tschüss Verbandsliga Süd. Es war schön mit dir", schreibt der Verein deshalb auf seiner Facebook-Seite. Aktuell stehen die Geinsheimer mit 32 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Mit einem Sieg könnte der SV noch an Oberrad vorbei ziehen, sollte die Spielvereinigung verlieren oder nur einen Punkt holen.

(se)