44-Jähriger im Duell gegen Anderlecht
Markus Pflanz vs. Vincent Kompany
Markus Pflanz (links) spielt heute mit dem KV Oostende gegen den RSC Anderlecht um Trainer Vincent Kompany. Foto: Torgranate, imago images / Belga
Mit dem RSC Anderlecht ist ein echter Traditionsclub in Oostende zu Gast (20.45 Uhr). An der Seitenlinie wird der ehemalige Trainer des TSV Künzell auf den Weltstar Vincent Kompany treffen, der seit vergangener Saison Trainer ini Anderlecht ist. Auch der Ex-Schalke-Torwart Timon Wellenreuther gehört zum Kader des belgischen Rekordmeisters, der drei Mal den Europapokal gewann.
„Auf so ein Duell freut man sich natürlich ganz besonders. Vor ein paar Wochen hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich gegen so einen Gegner mit an der Linie stehen kann. Kompany wird ganz schön nervös sein, mich zu treffen“, sagt Pflanz flachsend, der sich in der 72.000-Einwohner-Stadt an der Nordseeküste gut eingelebt hat.
„Die Leute hier lassen es allgemein deutlich gemütlicher angehen als wir in Deutschland und schütteln auch immer mal lächelnd mit dem Kopf, wenn wir Deutschen immer noch auf dem Trainingsgelände unterwegs sind“, erzählt Pflanz, der von den Möglichkeiten in Oostende angetan ist: „Belgien ist ein echtes Sportland. Man muss sich das mal vorstellen: Unser Sportpark hat 22 verschiedene Plätze. Ich muss zugeben, dass ich mächtig beeindruckt war. Die Möglichkeiten sind klasse.“
Der KV Oostende ist ein Ausbildungsverein mit dem Ziel, seine Talente auszubilden, um sie dann teuer verkaufen zu können. Ein üblicher Gang in Belgien, die auch deshalb andere Regeln haben. „Hier müssen jedes Mal mindestens sechs belgische Spieler auf dem Spielbericht stehen. Das finde ich eine sehr gute Lösung, die ich mir auch für die Bundesliga gut vorstellen könnte.“
Das Aufgabengebiet von Pflanz hinter Cheftrainer Alexander Blessin und neben Torwarttrainer Eberhard Trautner (Ex-Bundesliga-Torwart beim VfB Stuttgart) ist vielschichtig: „Eine der Aufgaben besteht in der Nachbereitung der Trainingseinheiten. Wenn alle fertig sind, werte ich rund eineinhalb Stunden nochmal alles aus. Das gilt auch für die GPS-Daten, die vom Athletiktrainer übermittelt werden.“ Außerdem ist Pflanz auch für die Einbindung von Standardsituation zuständig.
Bisher erst ein Punkt
Sportlich läuft es (zumindest von den Ergebnissen) bisher nicht so toll. Der 1:2-Heimniederlage gegen den VA Beerschot folgte ein 0:1 beim SC Charleroi und am Montag ein torloses Remis auf dem Kunstrasen in St. Truiden. Schaut man aber genauer hin, dann relativiert sich der Start. Denn Beerschot und Charleroi führen nach drei Spielen die Liga mit der maximalen Punktzahl von neun Zählern an. „Gegen Beerschot beispielsweise kannst du eigentlich garnicht verlieren. Die haben aber aus zweieinhalb Möglichkeiten zwei Tore gemacht. Wir waren in allen drei Spielen besser, aber leider zu naiv und grün. Das liegt auch daran, dass wir hier im Sommer einen großen Umbruch hatten und auch eine sehr junge Mannschaft haben. Mit etwas mehr Cleverness hätten wir mehr Punkte“, so Pflanz, der sehr hoffnungsfroh an die weiteren Aufgaben herangeht: „Auch gegen Anderlecht heute Abend sehe ich uns nicht chancenlos.“
Aktuell ist der 44-Jährige vor allem eines: sehr dankbar. Dafür, dass er die Chance hat, als Profitrainer zu arbeiten. Und dennoch ist das Risiko, möglicherweise gefeuert zu werden, deutlich höher als in jedem anderen Job. „Dieses Risiko bin ich aber gerne eingegangen. Erstmal überhaupt den Fuß in die Tür des Profibereichs zu bekommen, ist alles andere als einfach. Und natürlich ist mir bewusst, wie schnelllebig die Maschinerie im Fußball ist. Aber diese Chance musste ich nutzen. Und ganz ehrlich? Wenn es wirklich irgendwann wieder zu Ende sein sollte, dann werden sich Möglichkeiten bieten, auch wieder im normalen Leben eine Anstellung zu finden. Darüber denke ich jetzt nicht nach.“
Ein langer Tag
Und so wird sich Pflanz auch heute wieder in einen langen Tag stürzen, der in der Regel (wenn kein Spiel stattfindet) um 8.30 Uhr mit einem gemeinsamen Früstück auf dem Trainingsgelände beginnt. Danach folgt die erste Einheit und ein gemeinsames Mittagessen. Am Nachmittag folgt Einheit Nummer zwei, Ab- und Ansprachen des Cheftrainers, ehe die angesprochenen Nachbearbeitung den Tag beschließen. „Außer wir schauen uns noch andere Spiele, beispeilsweise der eigenen U-Mannschaften an. Dann wird es noch ein bisschen länger“, so Pflanz.
"Die Leute hier haben eine Esskultur"
Flämisch, was aus dem niederländischen abstammt, spricht und versteht Pflanz übrigens noch nicht. „Wir sprechen durchgängig englisch. Sehr viele Leute hier sprechen das perfekt. Ich war sehr überrascht und habe den Eindruck, dass man hier mit englisch deutlich besser zurechtkommt, als wenn man es in Deutschland anwenden würde.“
Auch vom Essen ist Pflanz angetan. Es gäbe nicht nur Fritten, lacht Pflanz. „Wobei du dir die immer mal antun musst. Die sind wirklich verdammt lecker. Genau wie die belgischen Waffeln. Das ist anders als beispielsweise in England. Die Leute haben wirklich eine gute Esskultur und wissen, was schmeckt.“


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