Mit 18 Jahren fester Bestandteil einer Regionalligamannschaft

Der Hersfelder Steven Rakk spielt bei Hessen Kassel eine starke Saison

20. Dezember 2016, 20:45 Uhr

Steven Rakk hat sich im Regionalliga-Team des KSV Hessen Kassel festgespielt. Foto: Charlie Rolff

Obwohl er als 18-Jähriger noch in der A-Jugend spielen könnte, hat der Hersfelder Steven Rakk beim KSV Hessen Kassel in der Regionalliga Südwest in diesem Jahr den Durchbruch geschafft. Wir haben uns mit ihm über Schule, Zeit auf der Autobahn und die Unterschiede zwischen Junioren- und Seniorenfußball unterhalten.

Hinter dem Hersfelder Steven Rakk liegt ein ereignisreiches Jahr: Obwohl der im Jahr 1998 geborene Rakk in dieser Saison noch in der A-Jugend zum Einsatz kommen könnte, stehen mittlerweile 14 Partien in der Regionalliga für den flexiblen Defensivspieler zu Buche. Beim letzten Heimspiel des Jahres gegen Eintracht Trier wurde er nach 86 Minuten ausgewechselt, sein KSV gewann mit 2:1. Mit einem gut getimten Pass auf Rolf Sattorov bereitete das dieses Mal im rechten Mittelfeld aufgebotene Talent das Siegtor vor.

Der 18-Jährige sollte eigentlich durch Einsätze in der zweiten Mannschaft der Löwen, die in der Verbandsliga Nord um den Klassenerhalt kämpft, langsam an den Seniorenfußball herangeführt werden. Doch wie so oft im Fußball kam es anders: Rakk profitierte von der Verletzung des etatmäßigen Linksverteidigers Nicolai Lorenzoni und wurde so in den Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft befördert. Am Anfang war die Umstellung für Rakk natürlich groß: „Sowohl im Training als auch im Spiel ist das Tempo eben einfach höher, es ist alles sehr intensiv und anstrengend.“ Doch nach ein paar Wochen habe er sich an die neuen Anforderungen gewöhnt, wie er unserem Portal gegenüber zugibt: „Der Anpassungsprozess hat ein bisschen gedauert, aber mittlerweile habe ich es geschafft, mich auf die neue Situation und die Körperlichkeit einzustellen“, freut sich Rakk, der bereits zwölfmal in der Startelf stand und zweimal eingewechselt wurde. „Insgesamt verläuft unsere Saison positiv, viele hatten nicht damit gerechnet, dass wir zu einem solchen Zeitpunkt so gut dastehen“, so der Youngster.

Sein persönliches Highlight im bisherigen Saisonverlauf war das 1:1 gegen den TSV Steinbach, in dem der Schüler das Ausgleichstor vorbereitete. Beeindruckt war Rakk nach dem Auftritt gegen die U23 der TSG Hoffenheim, wo der Gegner einen bärenstarken Eindruck hinterließ: „Die spielerische Klasse dieser Mannschaft ist herausragend“, betont der Senkrechstarter, dessen Team mit 1:3 verlor. Doch grundsätzlich sei jedes Spiel für ihn ein Erlebnis. Die neuen Gegner, Gegenspieler und Stadien, die der Berufsschüler bislang kennenlernen durfte, entlocken ihm immer wieder ein Staunen. „Ich bin froh, dass ich jetzt ein wenig Urlaub habe, damit ich das alles verarbeiten kann“, gibt Rakk zu.

Rakks Ziel: der bezahlte Fußball

Angesprochen auf die Unterschiede zwischen Fulda und Kassel sagt er: „Der Wechsel aus der Jugend des JFV Viktoria Fulda nach Kassel war damals schon enorm. Umfeld und Trainingsbedingungen in Kassel sind einfach viel professioneller.“ Rakk und seine Kollegen trainieren sechsmal in der Woche, davon je zweimal am Montag und Dienstag. Die guten Leistungen in Training und Spiel haben dafür gesorgt, dass Rakk seinen Platz in der Löwen-Elf gefunden hat – auch wenn er auf verschiedenen Positionen eingesetzt wird. So absolvierte der 18-Jährige bereits Spiele auf der defensiven und offensiven Außenbahn, wohlgemerkt auf beiden Seiten. „Am wohlsten fühle ich mich aber als Rechtsverteidiger“, betont der Rechtsfuß, um aber lachend nachzuschieben, dass er „grundsätzlich da spielen muss, wo der Trainer mich aufstellt.“

Dass seine guten Leistungen dabei nicht verborgen bleiben, lässt ihn aber kalt: „Ich versuche, jedes Training und jedes Spiel zu genießen“, gibt er bescheiden zu, obwohl er das Ende der Fahnenstange natürlich noch nicht erreicht sieht. „Ich würde schon gerne noch höher kommen, am liebsten in den bezahlten Fußball. Aber dafür muss ich verletzungsfrei bleiben“, hofft er. „Momentan konzentriere ich mich darauf, diese Saison gut zu spielen, den Rest wird man sehen.“

Seit kurzem wird Rakk von einem Berater unterstützt, der den Weg des ehemaligen Jugendspielers von Viktoria Fulda begleiten wird. Auch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein läuft gut, da Rakk beispielsweise problemlos für Auswärtsreisen vom Unterricht freigestellt wird. „Mein Alltag hat sich dadurch natürlich komplett verändert, ich habe kaum noch Zeit“, schmunzelt der Pendler, der momentan noch mit dem Auto von Bad Hersfeld nach Kassel fährt. „Für das neue Jahr werde ich mir aber eine Wohnung suchen“, plant Rakk, „das Pendeln ist auf Dauer zu anstrengend, die Schule leidet ja auch darunter.“ Auf die Heimatregion schaue er natürlich immer noch, schiebt er nach: „Insbesondere mit meinen alten Mitspielern aus Fulda stehe ich in Kontakt. Und die Ergebnisse der SG Niederaula/Hattenbach interessieren mich, da dort mein Bruder Andy spielt.“

Autor: Arne Steinberg