A-Ligen: Zwei Derbys im Blickpunkt

Mit den Regeln überfordert? – Fauxpas in Rasdorf kein Einzelfall

28. September 2021, 09:44 Uhr

Gruppenliga-Schiedsrichter David Bischoff hat es leichter: Für ihn gibt es nur Gelb, Gelb-Rot und Rot. Bischoff selbst war bei keinem der infrage stehenden Spielen dabei. Symbolfoto: Charlie Rolff

Der Eklat in Rasdorf, als am Sonntag Ufhausens Trainer Matthias Riedl an Rasdorfs Betreuer Albert Budenz eine Tätlichkeit begangen haben soll, wird mit ziemlicher Sicherheit eine mündliche Sportgerichtsverhandlung nach sich ziehen.

„Davon ist fest auszugehen, weil offensichtlich eine Person verletzt worden ist“, sagt Einzelrichter Wolfgang Dittrich (Burghaun) auf Nachfrage. Spiel- und Sonderbericht des Schiedsrichters Uwe Neuland lagen ihm bereits am Montagmorgen vor. Ausreichend geschildert wurde Dittrich die Sachlage dadurch nicht: „Ich habe den Schiedsrichter erneut zu einem ordentlichen Sonderbericht aufgefordert und die beteiligten Vereine ebenfalls um Stellungnahme gebeten“, erklärt Dittrich, der sich ob des schwebenden Verfahrens bedeckt hält.

Riedl und Budenz waren kurz vor Pausenpfiff aneinandergeraten, nachdem Gästespieler Johannes Jost den Rasdorfer Kapitän Christoph Sondergeld gefoult hatte. Rüde, wie viele Beteiligte berichten, Jost kam allerdings mit einer Gelben Karte davon. Wer anschließend wen geschubst hat und ob tatsächlich eine Tätlichkeit Riedls vorlag, muss nun das Sportgericht aufarbeiten.

Spielentscheidender Regelverstoß?

Doch damit nicht genug: Als Riedl, der Rot sah, längst das Treiben von außerhalb des Sportgeländes beobachtete, wurde es kurios: Schiedsrichter Neuland schickte, so bestätigen es beide Seiten, Manuel Orthey mit Gelb-Rot vom Platz. Das geht seit dieser Saison nicht mehr, zumindest nicht in den Kreisligen. Selbst gut zureden half nichts, Neuland beharrte auf seiner Entscheidung – und im Spielbericht trug er anschließend eine Zeitstrafe gegen Doppeltorschützen Alexandru Catalin Nistor ein, die der aber nie gesehen haben soll. Eine Gelb-Rote Karte ist dort hingegen nicht aufgeführt.

Sollte sich Neulands vermeintlicher Irrtum bewahrheiten, liegt ein Regelverstoß vor, der eine Spielwiederholung nach sich ziehen könnte. Die Situation ist vertrackt, beide Vereine sind in der Jugendspielgemeinschaft Hessisches Kegelspiel liiert. Das Spiel war zu dem Zeitpunkt des vermeintlichen Regelverstoßes längst entschieden, es stand 6:2 für Ufhausen. Die Tendenz geht aber in Richtung Wertung, spielentscheidend war der Regelverstoß wohl nicht.

Ähnlicher Fall in Pfordt

Nicht der einzige Fall, in dem ein Schiedsrichter mit den neuen Regeln offensichtlich nicht vertraut ist. So trug sich bereits Anfang September im Derby zwischen Pfordt und Schlitzerland in der A-Liga Fulda/Lauterbach folgende Situation zu: Gästespieler Patrick Stenger foulte in der Schlussphase einen Pfordter heftig. Christopher Dvorak, Abteilungsleiter des FSV, spricht von einer „klaren Tätlichkeit“. Frank Peter Günther (TSV Schenklengsfeld) schickte Stenger daraufhin mit einer Zehn-Minuten-Zeitstrafe vom Feld. „Er sagte noch, dass er ihm damit einen Gefallen tun möchte“, schildert Dvorak, der selbst spielte. Doch Stenger hatte zuvor keine Gelbe Karte gesehen – und das ist beim Verhängen einer Zeitstrafe zwingend erforderlich. Erst muss ein Spieler verwarnt worden sein, bevor er eine Zwangspause auf Zeit verordnet bekommen kann. Früher, als es die Zeitstrafe schon einmal gab, war das anders.

Auch in Pfordt hätten sogar Schlitzerländer Spieler interveniert, dass Stenger noch kein Gelb gesehen hätte. Ganz ähnlich wie es die Rasdorfer im Fall Orthey mit der regeltechnisch nicht möglichen Gelb-Roten Karten handhabten. Und ebenfalls schaltete der Schiedsrichter auf stur, schickte Stenger runter. Pfordt siegte 3:0, zum Zeitpunkt der Zeitstrafe stand es 1:0. Schlitzerland legte Einspruch ein und bekam vom Sportgericht Lauterbach/Hünfeld recht. Dittrich und Co. entschieden auf Neuansetzung. Pfordt beließ es nicht dabei, legte Widerspruch ein und blickt nun nach Frankfurt, wo der Fall dem Verbandsgericht vorliegt.

Dittrich fordert: Besser schulen

Und ebenfalls ist der Fall brisant, was Marcel Schmidt aus dem Schlitzerländer Führungsteam nicht verhehlen mag. „Wenn das Spiel nicht gegen Pfordt gewesen wäre, hätten wir ohne mit der Wimper zu zucken Einspruch eingelegt. Aber da es gegen Pfordt war, haben wir uns ganz genau im Vorstandsteam beratschlagt. Aber es ist einfach so, dass ein Regelverstoß vorlag, wir zu diesem Zeitpunkt nur 0:1 zurücklagen und das 0:2 in der Unterzahlphase kassiert haben. Natürlich kann ich die Pfordter verstehen, aber ich glaube, dass sie nicht anders gehandelt hätten.“

Dvorak widerspricht: „Eigentlich hätte Stenger Rot sehen müssen, das ist leider nicht passiert. Wir waren 90 Minuten lang klar besser. Unter Nachbarn ist so ein Verhalten doch extrem bedauerlich.“ Interessant: Schlitzerlands Leon Kumpf sah in dem Spiel glatt Rot. Im Spielbericht führte Günther das nicht auf. Der Fall ist aufgeklärt, Kumpf hat seine Sperre mittlerweile abgesessen. Dittrich verhängte gegen Günthers Verein eine Geldstrafe wegen dieses Fehlers und hofft inständig, „dass die Schiedsrichter noch einmal besser geschult werden.“

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