Müller sieht HSV vor Derby noch immer als Favorit

Verbandsliga: Schweigert spricht Klartext / Lehnerz verlegt Spiel nicht

23. Oktober 2015, 07:00 Uhr

Auf Steffen Witzel (links) muss der Hünfelder SV im Derby verzichten, Steinbachs Florian Münkel (rechts) ist dagegen fit. Foto: Charlie Rolff

Die Entscheidung, welches Verbandsligaspiel sich der osthessische Fußballfan am Wochenende anschauen möchte, wird nicht leicht fallen: Bad Soden kann zumindest für eine Stunde die Tabellenführung übernehmen, sollte Spitzenreiter Schwalmstadt geschlagen werden, Hünfeld gastiert zum Derby schlechthin in Steinbach und Lehnerz II empfängt Nachbar Neuhof. Die Qual der Wahl also.

SV Steinbach - Hünfelder SV (Samstag, 16.30 Uhr)

Die Konstellation hat es sicher schon lange nicht mehr gegeben, trotzdem sehe ich Hünfeld als leichten Favoriten“, sagt SVS-Coach „Kalle“ Müller, weil er sein Team in der Gesamtentwicklung noch eins, zwei Jahre hinter der des HSV sehe. Für Müller gilt es sich am Samstag auf die eigenen Stärken zu berufen:„Zu 100 oder vielleicht auch 110 Prozent.“ Steinbach muss letztmals aufKeeper Marco Motzkus verzichten und zudem abwarten muss, ob Alex Terentew noch frei bekommt.

Sein Gegenüber Dominik Weber kann Müllers Ansicht nicht teilen: „Man braucht sich nur die aktuelle Tabelle, die aktuelle Verfassungen und die vier, fünf Ausfälle bei uns anzuschauen. Supersicher sind wir kein Favorit, gerade weil es auch noch auswärts ist.“ Nichtsdestotrotz konnte Hünfeld durch den 5:2-Sieg gegen Korbach unter der Woche Selbstvertrauen tanken: „Nach so einem Sieg fühlt man sich immer besser. Wir haben oft das Tor getroffen und gehen damit natürlich mit einem super Gefühl in die nächsten Tage.“ Sprich ins Derby, das letztes Jahr am Mühlengrund mit einem klaren 3:0-Heimsieg endete. „Wir wollen uns anders verkaufen, gehen aber recht entspannt ins Spiel und schauen mal was passiert“, sagt HSV-Zielspieler Robert Simon, der gegen Korbach seine Saisontreffer zwei bis vier erzielte.

„Kevin Krieger hat auch viel probiert, ihm hätte ich auch ein Tor gegönnt. Aber auch natürlich Robert. Wir haben vor dem Spiel viel über Befreiung im Kopf gesprochen und haben so die vermeintliche Blockade aufgelöst“, sagt Weber, der sich ebenfalls über einen ganz starken Oliver Krenzer freuen durfte, der das Heft erst im defensiven Mittelfeld in die Hand nahm und später in der Innenverteidigung überzeugte.

SG Bad Soden - 1.FC Schwalmstadt (Samstag, 15.30 Uhr).

Hans Schweigert, einst unter Liverpools Co-Trainer Željko Buvac selbst Assistent in Neukirchen, hat die Schwälmer erst im Laufe der Saison übernommen und ist bislang schlichtweg begeistert: "Es hätte keiner erwartet, dass wir fast am Ende der Rückrunde so gut dastehen. Es macht wirklich Spaß, die Mannschaft lässt sich gut führen, ist immer bemüht, wir sind selbstverständlich zufrieden." Die katastrophale Hessenliga-Saison ist somit schon abgehakt, auf eine nächste wird nicht geschielt: "Bad Soden und Steinbach können sich mit dem Thema beschäftigen, wir nicht. Das ist gar kein Thema. Man sieht doch an Borussia Fulda, die zufällig Hessenliga spielen und große Möglichkeiten haben, wo die stehen. Einem Verein wie dem 1. FC Schwalmstadt dürfte da tatsächlich Angst und Bange werden", sagt Schweigert klar seine Meinung. Auch unter der Prämisse, dass derzeit fünf, sechs Stammkräfte fehlen: "Vergleichen wir das mit Bad Soden, da kann der Trainer aus seinem 18er-Kader jeden bringen, bei uns werden am Samstag Spieler dabei sein, die noch kein Verbandsliganiveau haben." Für Schweigert, mittlerweile 62 Lebensjahre zählend, ist die Rückkehr an die Bornwiese eine besondere: Vor 16 Jahren spielte er dort sein letztes Seniorenspiel für Neukirchen II in der Landesliga - Soden gewann 1:0.

TSV Lehnerz II - SV Neuhof (Sonntag, 15 Uhr).

Großes Thema war eine mögliche Spielverlegung auf Montag, um nicht mit dem Gipfeltreffen der Gruppenliga (Bronnzell - Petersberg) in Konkurrenz treten zu müssen. Neuhof kam sogar auf die Idee der Verlegung: "Es ist schade, wenn dadurch nicht so viele Zuschauer kommen", sagt Neuhofs Co-Trainer Alex Bär zur Tatsache, dass Lehnerz nicht zugestimmt hat. An dessen Trainer Marco Lohsse lag es wohl nicht, denn der sagt nur: "Es hat einfach nicht geklappt." Beide dürfen sich somit auf einen Rahmen einstellen, der einem Verbandsliga-Derby nur schwerlich gerecht werden kann, schließlich sind die Zuschauerzahlen bei zweiten Mannschaften ohnehin überschaubar, zudem geht es auf den Kunstrasen. "Das würde ich an Lehnerzer Stelle nicht machen, weil auch wir haben gute Kicker, die auf dem Untergrund gut klarkommen", meint Bär, der sein Team dennoch als großen Underdog sieht: "Ich kalkuliere da nichts ein, aber aufgrund der negativen Ergebnisse gegen Bad Soden und Steinbach wäre es schön, wenn wir zumindest einen Punkt holen. Dass wir aus dem Oktober mit null Punkten rausgehen, hätten wir nach dem starken September nicht verdient." Bär muss auf Niklas Heiliger (Mittelfußbruch) und Spielertrainer Radek Görner (rotgesperrt) verzichten, bei Lehnerz fallen Dennis Sorg (Verdacht auf Kreuzbandriss) und Kilian Sandner (Grippe) sicher aus.

SSV Sand - SVA Bad Hersfeld (Sonntag, 16 Uhr).

Die 1:5-Pleite gegen Lehnerz II ist noch nicht so ganz aus den Köpfen der Asbacher. Für Coach Frank Ullrich war der Auftritt zu leblos, was aber in Teilen auch auf die verzwickte Personalsituation zurückzuführen war. Die könnte sich verbessern: Lukas Müller-Siebert ist sicher wieder dabei, bei Christoph Wiegand und Alex Ebinger sehe es ebenfalls gut aus. Mit Sand erwartet Ullrich "die große Unbekannte", gegen die es im Vergleich zum Lehnerz-Spiel mit einer geordneteren Defensive funktionieren soll: "Wir müssen besser auf das Spiel reagieren. Zu offensiv werden wir aber sicherlich nicht spielen, das wäre gegen Sand tödlich."

Autor: Johannes Götze

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