Nach 21 Jahren Fußballrente wieder im Fokus

Schlitzerlands Keeper Lars Jung erlebt Renaissance

28. November 2018, 20:52 Uhr

Lars Jung ist ein Spätberufener in Sachen Gruppenliga.

Gerade erst volljährig, da machte Lars Jung einen Haken unter seine fußballerische Laufbahn. Die Prioritäten hatten sich für den gebürtigen Lütterer verschoben. 21 Jahre später packte ihn wieder die Lust, da war er schon fast 40. Und nun, weitere fünf Jahre sind vergangen, steht er sogar bei einem Gruppenligisten im Fokus. Acht Spiele bestritt der nun 44-Jährige in der Hinrunde für die SG Schlitzerland.

„Lars ist die Zuverlässigkeit in Person. Er hat eine super Hinrunde gespielt, verfügt über sehr gute Charaktereigenschaften und ist jemand, an dem sich die anderen Spieler ein Beispiel nehmen sollten.“ Die Worte, die SGS-Coach Simon Grosch für seinen Oldie findet, sind ausnehmend positiv und gleichzeitig mahnend. Konfrontiert damit, fühlt sich Jung geschmeichelt, weiß aber sofort, was sein Trainer meint: „Ich bin tatsächlich fast in jedem Training da. Private Termine verschiebe ich oder gehe eben später hin. Vielleicht ist das nicht bei jedem Spieler so, aber dafür kann ich ja keinen kritisieren, weil ich mit 18 Jahren auch andere Prioritäten hatte.“

Der Sportlehrer an der Waldorfschule in Loheland kennt sich mit den Belangen der jungen Leute aus. Vielleicht sein Pluspunkt, um zu seinen Teamkollegen ein perfektes Miteinander zu pflegen, die durch die Bank mindestens 15 Jahre jünger sind. Selbst Trainer Grosch hat gerade erst sein drittes Lebensjahrzehnt erreicht. „Natürlich feiern die Jungs mal eine Nacht mehr als ich, aber insgesamt ist das Klima super. Ich genieße das auf meine alten Tage einfach.“

Grosch lobt seinen Oldie

Jung ist hinter Stammkeeper Hans-Peter Schwarz der Backup, doch Schwarz musste oft passen und so stand Jung immerhin achtmal auf dem Platz. Acht Punkte holte sein Team in diesen Spielen, wodurch der Oldie, mittlerweile in Queck sesshaft, den gleichen Punkteschnitt wie Schwarz aufweist. Dass ihm die Reservistenrolle bleibt, ist mehr, als sich Jung vor fünf Jahren erträumt hätte. Eigentlich wollte er sich nach langer Abstinenz nur ein wenig bei den Alten Herren fithalten, doch da die Trainings- mit den Arbeitszeiten kollidierten, schaute er – damals noch unter Bardo Hirsch – bei den Senioren vorbei. Als Feldspieler. Doch nach wenigen Wochen hatte die dritte Mannschaft Torwartprobleme, Jung merkte an, dass er ja eigentlich Torwart sei. Jung spielte Dritte, dann vermehrt Zweite und irgendwann war er der Backup bei der Ersten. Erst hinter dem jetzigen Torwarttrainer Marcel Schmidt, nun hinter Schwarz.

Wie oft er in der restlichen Serie noch im Tor stehen wird, weiß er nicht. Nur er will nicht mehr so viele Fehler machen. „Dass ich zwei, drei Tore durch Patzer verschuldet habe, kenne ich gar nicht von mir. Zum Glück hat uns das nicht unbedingt Punkte gekostet, mir aber gezeigt, dass nach der Saison Schluss sein wird.“ Punkte habe sein Team allerdings einige verschenkt: in Kerzell und in Petersberg beispielsweise. Dass es am Ende zum Klassenerhalt reicht, dafür müsse auch das Spielglück zurückkehren. Und der Kader öfters vollzählig sein. An Lars Jung wird’s jedenfalls nicht liegen.

Autor: Johannes Götze