Ohne "lautes Hurra" nach Neuhof

Verbandsliga: Nächstes Derby für Petersberg

10. August 2017, 20:50 Uhr

Adrian von Pazatka wird aufgrund dienstlicher Verpflichtungen in Zukunft öfters fehlen – so auch am Sonntag. Foto: Charlie Rolff

Nach dem Derby ist vor dem Derby für den RSV Petersberg, der sich gegen Bad Soden einen Punkt zum Auftakt verdient hat und nun am Sonntag (15 Uhr) beim SV Neuhof seine Visitenkarte abgegeben wird. Spannung verspricht auch das Heimspiel der SG Johannesberg, der zeitgleich den Vorjahresvize SSV Sand empfangen wird. Bad Soden fordert bereits am Samstag (14.30 Uhr) Adler Weidenhausen.

SG Bad Soden – SV Adler Weidenhausen (Samstag, 14.30 Uhr).

Weidenhausen ist – mal wieder – fehlgestartet, hat den fünften Auftakt in Folge in den Sand gesetzt und gegen Aufsteiger Johannesberg eine 2:3-Heimpleite kassiert. Doch auch Bad Soden hatte sich mehr als nur einen Punkt in Petersberg versprochen, vor allem die Art und Weise gefiel Trainer Kelvin King nicht: "Ich hätte mir ein bisschen mehr Cleverness gewünscht, das wir mir alles zu statisch, gerade das Umschaltspiel müssen wir verbessern." Denn dafür sei sowohl auf der Sechs um Kapitän Dimitrij Scheller als auch in der Offensive genügend Qualität vorhanden. Gerade um ein Mehr an Torchancen wie zuletzt zu kreieren, sei dies unabdingbar.

King ist sich vor seiner Heimspielpremiere in der Verbandsliga bewusst, dass auch der Gegner alles andere als zufrieden nach Soden kommen werde – und die Adler sind zudem auch im Stress, denn die frühe Anstoßzeit ist dem "Open-Flair-Festival" geschuldet, wo einige Adler-Spieler Thekendienst schieben werden. Marco Di Maria, Kevin Demuth und Daniele Fiorentino sind erst am Donnerstag ins Training eingestiegen; Younes Idrissi wird bekanntermaßen lange fehlen, Tim Paulowitsch ist gesperrt.

SV Neuhof – RSV Petersberg (Sonntag, 15 Uhr).

In der Schlussphase hätte der RSV sogar alle drei Punkte zum Auftakt holen können, doch Coach Rolf Gollin will deswegen die Bäume keineswegs in den Himmel wachsen lassen: "Wir lassen uns nicht die Taschen vollmachen und sagen jetzt, dass gegen Soden mehr drin war und wir mit einem lauten 'Hurra' nach Neuhof fahren." Vielmehr sei sich sein Team in Selbsteinschätzung und Fokussierung der neuerlich schweren Aufgabe bewusst: "Wir sind Außenseiter, lassen uns auch nicht von Neuhofs klarer Niederlage täuschen, werden aber versuchen, auch nach Neuhof noch ungeschlagen zu sein." Bei Boris Aschenbrücker, der am Mittwoch im Kreispokal fehlte, wird es für einen Einsatz ganz eng, Adrian von Pazatka fehlt aus beruflichen Gründen und Alexander Kilian weiterhin verletzt; dafür steht Neuzugang Tim Stenger erstmals im Kader – der Neuzugang von Borussia Fulda hatte eine glänzende Vorbereitung hingelegt.

Bei Gegner Neuhof ist die Gemengelage nicht sehr positiv: „Das 0:3 in Rothwesten war schon enttäuschend“, sagt Co-Trainer Martin Döppenschmidt und kritisiert die Einstellung: „Die Spieler waren nicht bereit, an die 100-Prozent-Grenze zu gehen und dann wird es gegen jeden Gegner in der Verbandsliga schwierig.“ Doch schon in den ersten Einheiten der aktuellen Trainingswoche habe die Mannschaft eine Reaktion gezeigt: „Es bieten sich alle an, die Spieler sind sehr aggressiv.“ Gegen Petersberg erwarte Döppenschmidt ein „enges, umkämpftes Spiel“, bei dem sein Team bereits unter Druck stehe.

SG Johannesberg – SSV Sand (Sonntag, 15 Uhr).

Keine Frage: Weil erst nach einem echten Kopf-an-Kopf-Rennen an Meister Flieden und somit am Hessenliga-Aufstieg gescheitert, geht der SSV Sand in dieser Saison als zu schlagende Team in die Serie. Weil gleich zum Start Mitfavorit CSC Kassel beim 2:0-Heimsieg nicht der Hauch einer Chance gelassen wurde, konnten diese Ansprüche auch untermauert werden. Der Außenseiter ist sich Johannesberg bewusst, Trainer Jochen Maikranz betont sogar, dass es ein Privileg für den Verein sei, eine Mannschaft wie Sand zu einem Punktspiel begrüßen zu dürfen, dennoch ist zu viel Understatement auch nicht seine Sache: „Wir müssen versuchen, so lange wie möglich die Null zu halten und dann kann auch was gehen“, so Maikranz, der nach dem Erfolg in Weidenhausen im obligatorischen Kreis auch mal so richtig aus sich raus ging – so wie man es kaum von ihm gewohnt ist. Wie man Sand beikommen wolle, steht auch schon fest: So dürfe man sich gegen so einen Gegner nicht nur hintenrein stellen, sondern müsse situativ auch agieren, sofern man dann keine zu großen Räume lasse, denn dann – so Maikranz – könne das Ergebnis auch mal schnell eskalieren.

FSV Dörnberg – Hünfelder SV (Sonntag, 15 Uhr).

Der FSV Dörnberg ist zurück in der Verbandsliga – und hat noch zahlreiche Spieler aus erfolgreichen Zeiten wie Kevin Richter, Florian Müller oder natürlich Torjäger Pascal Kemper mit an Bord. Nach dem Abstieg im Mai 2015 hat die Elf von Dirk Lotzgeselle nur das allererste Heimspiel gegen Bosporus Kassel im August 2015 verloren und ist seither auf dem heimischen Kunstrasen ungeschlagen – für HSV-Coach Dominik Weber aber zweitrangig: "Das ist natürlich eine bombige Statistik, aber jede Serie sollte mal beendet werden. Wir wollen auch gar nicht nach dem Gegner, sondern auf uns schauen und nach dem Auftaktsieg gegen Eschwege auch in Dörnberg gewinnen."

Apropos Eschwege: Beim 3:2-Sieg verlor der HSV gerade nach der Pause die Spielkontrolle, daran gilt es zu feilen, wie Weber betont, der von seinen Spielern eine breite Brust einfordert, gerade wenn ein Pass mal in die Hose geht: "Gerade wenn das Raumangebot gegen tieferstehende Mannschaften weniger wird, brauchen wir ein gutes Freilaufverhalten und eine hohe Passsicherheit." Im Aufbauspiel sind, das wurde schon gegen Eschwege deutlich, "Toto" Trabert, Lukas Budenz und Julian Rohde besonders gefordert, gerade Trabert als neuer Innenverteidiger ist vielleicht schon die Entdeckung der Saison. Marek Weber steht fortan nicht mehr zur Verfügung, ansonsten ist der Kader unverändert.

KSV Hessen Kassel II – TSV Lehnerz II (Sonntag, 15 Uhr).

So richtig weiß TSV-Trainer Sedat Gören weder das Vergangene noch das Kommende einzuordnen. Das 2:2 zum Start gegen Willingen hätte er vorher unterschrieben – nachher allerdings nicht unbedingt: "Natürlich ist ein Punkt besser als eine Niederlage und auch weil wir erst in der letzten Sekunde das Tor gemacht haben, müssen wir eigentlich zufrieden sein, aber es war ganz einfach mehr drin." Da Willingen allerdings ein Titelaspirant sei, könne er vor allem mit der Leistung seines jungen Teams leben. Nun aber folgt eine echte Wundertüte, schließlich hat Hessen Kassel II noch kein Spiel bestritten und ist auch ohnehin schwer ausrechenbar: "Ich habe fast keine Informationen. Außer zwei Testspielen gegen Kreisoberligisten ist nirgends etwas zu lesen. Das ist ein geschlossenes Paket für uns. Ich gehe aber davon aus, dass drei, vier Regionalligaspieler dabei sein werden." So wolle man zunächst versuchen, erst einmal die Null zu halten und über Konter Nadelstiche zu setzen, schließlich habe Lehnerz II in Kassel meist schlecht ausgesehen.

Autor: Johannes Götze