Junior Julian verletzt, Vater kommt

Reiner Jost: Mit 61 Debüt für das A-Liga-Team

20. Oktober 2021, 07:40 Uhr

Am liebsten hätten Julian und Reiner Jost zusammen am Feld gestanden – und nicht nacheinander. Foto: Johannes Götze

Nicht alltäglich, dass ein 61-Jähriger noch regelmäßig aktiv im Seniorenbereich spielt. Noch außergewöhnlicher, dass er in der A-Liga zum Einsatz kommt. Komplett kurios: wenn er dort für seinen verletzten Sohn eingewechselt wird.

So geschehen am Sonntag beim A-Liga-Duell zwischen Großentaft und Ufhausen. Ausgerechnet im Derby gegen Ufhausen, Heimatort und Heimatverein von Reiner und Julian Jost, erreichte die Personalnot bei den „Däftern“ Höchststand. Und so sah sich der 54-jährige Spielertrainer Thomas Winter genötigt, bei Reiner Jost, 61-jähriger Libero des C-Liga-Teams, freundlich anzufragen, ob er sich zu ihm auf die sonst verwaiste Bank gesellen könne. Stolze 115 Jahre kamen dort zusammen.

Reiner Jost spielt fast jede Woche für das C-Liga-Team der Großentafter, das mit Soisdorf eine Reservespielgemeinschaft eingegangen ist und trotzdem kaum Personal zusammenbringt. Weit mehr als 1000 Spiele hat er schon absolviert – fast alle für Ufhausen oder Großentaft. Einmal, vor gut zehn Jahren, eines mit seinem Sohn Julian – damals noch für die Ufhausener Reserve. Und immerhin zweimal saß er in den vergangenen Jahren auf der Bank der ersten Mannschaft Großentafts und war somit nahe dran, mal mit dem Sohnemann zu spielen.

Julian Jost: "Also ich habe keinen Fehler von ihm gesehen. Er macht das eben mit Auge"

Am Sonntag also die dritte Chance. Doch dazu kommen sollte es nicht. Musste Thomas Winter schon zur Halbzeit den verletzten Sebastian Witzel ersetzen, kam Reiner Jost 20 Minuten vor Schluss ausgerechnet für Sohn Julian in die Partie. Der 28-jährige Filius hatte bis dato noch keine Sekunde in dieser Saison verpasst und ausgerechnet am Sonntag zog es so arg im Oberschenkel, dass nichts mehr ging. Für ihn war in diesem Moment Winterpause, für Vater Reiner gleichzeitig das Debüt für das A-Liga-Team des SV Großentaft. Seit dem Wechsel vor sieben Jahren vom Ufhausener Steiger zum Nachbarverein Großentaft, den er gemeinsam mit seinem Sohn antrat, spielte er ausschließlich für das C-Liga-Team – fast immer als Libero. „Eigentlich sollen die Jungen spielen, aber die Personaldecke ist eng und ich kann nicht Nein sagen. Ich bin eben fußballverrückt“, sagt Reiner Jost, der damit in der Familie nicht allein steht. Für Sohn Julian und Gattin Marita gilt gleiches.

Reiner Jost war der Gewinner des Spiels bei den blau-weißen Gastgebern. Sprichwörtlich. Denn als er kam, stand es 1:4, am Ende siegte Ufhausen 4:2. Maximilian Michel hatte kurz nach Josts Einwechselung noch einmal verkürzen können – vom Elfmeterpunkt. Nicht wenige hatten den „alten Mann“ gefordert – er lehnte dankend ab. Vielmehr sagt er schmunzelnd, „dass ich immerhin 1:0 gewonnen habe“. Er meint das im Scherz. Gespielt hatte er als Libero und da den erst 19-Jährigen Cajus Schmelz ersetzt, der bis dato dort gespielt hatte. Und auch er war nur Notnagel, denn der etatmäßige Abwehrchef David Helmke musste absagen. Maisernte. Noch so eine verrückte A-Liga-Geschichte.

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