Rohde trotz Festwoche nur auf "Wolke 4"
Verbandsliga: Zwei Derbys am Wochenende
SV Neuhof – Hünfelder SV (Samstag, 18.30 Uhr).
Festtage beim Hünfelder SV – nicht nur sportlich: Nach den ganz starken Auftritten bei Hessen Kassel II (4:1) und gegen Bad Soden (6:1) hat Stürmer Christoph Neidhardt am Samstag geheiratet, zudem wurde Trainer Dominik Weber am Dienstag zum ersten Mal Vater. Doch Kapitän Julian Rohde malt die sportliche Welt nicht ganz so rosarot, würde eher wie im Song von Philipp Dittberner von „Wolke 4“ sprechen. Zwar sei der Saisonstart mit zwölf Punkten aus sechs Spielen zufriedenstellend, doch gerade auswärts sei noch Luft nach oben, „weil wir da den Fokus noch mehr auf die Defensive richten müssen“. Zehn Gegentore in drei Auswärtsspielen seien zu viel und „der angeschlagene Boxer“ Neuhof habe gerade mit Radek Görner oder Marko Curic seine größten Qualitäten in vorderster Reihe.
Stichpunkt Defensive: Rohde soll zur Stabilisation erheblich beitragen, spielte auf der Doppelsechs in bislang jedem Spiel. „Auf der Position habe ich mehr Ballaktionen, kann das Spiel noch mehr lenken. Und ganz ehrlich: Wenn wir die ganze Saison so spielen wie gegen Bad Soden, dann brauche ich auch kein Tor zu schießen.“ Rohde, jahrelang Spielmacher, setzt seine Prioritäten anders und fühlt sich nach seiner Rückkehr aus Steinbach so, als sei er nie weggewesen, dazu bekam er die Kapitänsbinde verpass – „eine Ehre“, wie er sagt. Die Rolle nimmt er auf dem Platz glänzend an, ist immer bedacht, die Mitspieler anzutreiben, fordert sie stets auf, das Tempo hochzuhalten.
SG Johannesberg – TSV Lehnerz II (Sonntag, 15 Uhr).
Zwei Trümpfe, wie es Johannesbergs Trainer Jochen Maikranz formuliert, werden am Sonntag in der Offensive fehlen: Witali Bese hat sich beim Comeback ohne gegnerische Einwirkung das Sprunggelenk verletzt, Sorin Sergiu Leucuta befindet sich in den Flitterwochen. Und dennoch fordert Maikranz von der Offensive mehr als zuletzt beim 1:0-Last-Minute-Sieg gegen Petersberg: „Da war im letzten Drittel viel Luft nach oben. Ein Ansatz, wo wir uns verbessern müssen.“ Gleichermaßen fordere er einen disziplinierten wie strukturierten Auftritt, um das Spiel positiv zu gestalten und sich oben festzusetzen. Zurück in den Kader wird Innenverteidiger Mihai Alexandru Moise kehren. Beim Gegner weiß Maikranz aus vielen Gründen nicht, was ihn erwartet: Einerseits könne er sich gut vorstellen, dass einige Spieler von oben für das Derby abgestellt werden, andererseits hat auch er festgestellt, „dass Lehnerz manchmal gut spielt und nicht gewinnt und manchmal nicht gut spielt und trotzdem gewinnt“.
Lehnerz II durchlebt aktuell einen ganz anderen Prozess. Einmal fehlt vor dem Tor die nötige Kälte, ein anderes Mal hapert es an Konzentration, Laufbereitschaft oder einfach Cleverness. „Wir sind den Weg mit den jungen Spielern gegangen, deswegen manches Mal noch zu grün“, weiß Trainer Sedat Gören, der vor allem Stürmer Osman Özlük schmerzlich vermisst. Aber auch sonst ist die Hessenliga-Reserve personell weiterhin nicht auf Rosen gebettet, so bricht nun auch Kaan Say aufgrund eines Auslandspraktikums in der Türkei bis Januar weg. All dies seien Gründe, warum sich Lehnerz aktuell nicht mit Johannesberg messen könne, dennoch glaubt Gören zj wissen, wie etwas zu holen ist: „Die läuferischen Elemente, ein schnelles Umschaltspiel, wenig Fehler. Wir müssen das aber alles hinbekommen, dann ist etwas möglich.“ Neben Özlük und Say (Gören: „Kaan war als Sechser eigentlich unverzichtbar“) fehlt neben den Dauerpatienten Lukas Marvin Friedrich, Maximilian Balzer und Leon Wittke auch noch Innenverteidiger Lukas Hildenbrand (Oberschenkelprobleme). Zumindest Organisator Paul Hohmann kehrte bei der 0:3-Niederlage gegen CSC 03 Kassel ins Team zurück.
RSV Petersberg – SV Adler Weidenhausen (Sonntag, 15 Uhr).
Würde das Punktekonto stimmen, könnte der RSV getreu dem Motto „Mal gucken, was geht“ in die nächsten vier Spiele gehen. Aber der Ertrag passt aktuell nicht, mehr als die bisherigen fünf Punkte waren ob der weitgehend guten Leistungen eigentlich verpflichtend. Und so weiß auch Coach Rolf Gollin, dass das Team trotz des schweren Programms (Weidenhausen, Sand, Kaufungen, Hünfeld) in der Bringschuld ist. Die Probleme werden jedoch nicht kleiner – und sie sind hausgemacht: Zwar kehrt Marc Aschenbrücker aus dem Urlaub heim, dafür hat sich sein Innenverteidiger-Partner Andreas Brzoza genau wie Alexander Kilian dorthin verabschiedet. Gollin geht das gegen den Strich: „Wir haben mehr gute als schlechte Spiele gemacht. Und gerade die ganz jungen Spieler sind superfleißig und auch an der Einstellung hapert es nicht. Jedoch zehren solche hausgemachten Probleme auch an mir. Ich habe der Mannschaft klipp und klar gesagt, dass ich die Situation Ende September neu bewerten werde“, lässt Gollin zwar keine Amtsmüdigkeit durchschimmern, verdeutlicht aber auch, dass er nicht auf Teufel komm raus an seinem Stuhl klebt.

