Rudi Bommer hätte Bahssou und Gröger gerne verpflichtet

Aufstieg bei Hessen Dreieich "nicht im Fokus"

18. Oktober 2016, 12:00 Uhr

Rudi Bommer trainiert Hessen Dreieich seit knapp zehn Monaten. Foto: Charlie Rolff

Seit Januar ist Rudi Bommer (59) Cheftrainer bei Hessen Dreieich. Der Ex-Nationalspieler sieht seinen Verein in der Öffentlichkeit falsch dargestellt.

Herr Bommer, zwar hat ihr Team heute verloren. Aber ist der SC Hessen Dreieich nicht dennoch schon der sichere Hessenliga-Meister?

Nein, ganz sicher nicht. Die Saison ist noch lang. Wir legen in erster Linie Wert darauf, attraktiven Fußball zu spielen. Der Aufstieg steht dabei nicht im Fokus.

Sondern?

Wir verstehen uns nach wie vor als Ausbildungsverein. Wir sind zwar gut vernetzt, aber ein Selbstläufer ist das beileibe nicht. Um gute Jugendspieler zu bekommen, müssen wir schon auch die Basisarbeit leisten und die talentierten Jungs, die etwa ab den D-Junioren zu uns kommen, weiter ausbilden. Es ist nicht in Ordnung, wenn ein falsches Bild von uns und unseren Möglichkeiten gezeichnet wird. Und Bemerkungen, dass sich die ganze Liga angeblich freut, wenn wir mal verlieren, lassen vermuten, dass es da einen gewissen Neid gibt. Damit kann ich nichts anfangen. Wir verstehen uns als Teil der Hessenliga und wollen mit allen einen gemeinsamen Nenner finden.

Reden wir trotzdem mal von der Hessenliga-Mannschaft. Die ist ja schon recht prominent besetzt und deswegen Top-Favorit....

Wir haben aber keine Spieler aus der Dritten Liga geholt, die sind alle aus der Region wie etwa ehemalige U-23-Spieler von Eintracht Frankfurt.

Stimmt es, dass Torjäger Younes Bahssou, der jetzt bei Borussia Fulda spielt, auch von Hessen Dreieich umworben war?

Ja, ich hatte mit ihm gesprochen und auch mit Markus Gröger. Es war jedoch schnell klar, dass das finanziell für uns nicht zu stemmen war. Wir haben bestimmt zehn Spieler wegschicken müssen, weil unser Etat das nicht hergegeben hätte.

Mit dem TSV Steinbach macht zur Zeit ein Emporkömmling in der Regionalliga Südwest Furore. Gibt es zwischen Ihrem Verein und Steinbach Parallelen?

Nein, überhaupt nicht. Das sind völlig unterschiedliche Konzepte. Wir rekrutieren unsere Spieler aus der Region. Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Regionalliga eine völlig unrentable Liga ist.

Die Hessenliga aber auch...

Ja, es wäre in der Tat schön, wenn es mehr Unterstützung gäbe als die 2500 Euro jährlich vom Ligasponsor – wobei wir uns in Dreieich in puncto Zuschauerresonanz noch nicht einmal beschweren können. Aber es sind andere Dinge, die besser laufen könnten und wo wir anders als Profivereine behandelt werden. Ein Beispiel: Wären wir Bundesligist, hätten wir für unsere drei afghanischen Nationalspieler, die unter der Woche im Länderspieleinsatz waren, eine Abstellungsgebühr bekommen. Als Amateurverein erhältst du nichts.

Borussia Fulda hat sich vorige Saison ein wenig über Hessen Dreieich aufgrund der kurzfristigen Verlegung des Spiels auf Kunstrasen geärgert. Ist das noch ein Thema?

Das hat damals mein Vorgänger so entschieden, da war ich noch gar nicht da. Es muss aber erwähnt werden, dass wir beim Rückspieltermin den Borussen entgegengekommen sind. Andererseits hätten wir jetzt gerne freitags gespielt, darauf ist man aber nicht eingegangen. / hw

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