Schuch erhält Einsatzgarantie für das Bruderduell
Verbandsliga: Derby in Lehnerz
Sebastian Schuch (links) trifft mit dem HSV auf Neuhof, Eric Stephane Kengni Fotsing reist mit Johannesberg nach Willingen. Foto: Siggi Larbig
SC Willingen – SG Johannesberg (Samstag, 15 Uhr).
„Ich mag das Sauerland, aber da kann auch mal ein raues Lüftchen wehen“, sagt SGJ-Trainer Jochen Maikranz mit der gewonnenen Gelassenheit nach fast perfektem Saisonstart und spannt den Bogen sogleich auf das zu Erwartende: „Willingen ist sehr diszipliniert, hat sich in der Verbandsliga etabliert und kommt über die Physis ins Spiel.“ Doch gerade in diesem Bereich habe sein Team zuletzt auch einen guten Eindruck hinterlassen. Allerdings gelte es, gerade in Willingen genau diese Attribute abzurufen, denn nur dann könne man weiterhin auf der Euphoriewelle reiten, die ihm und dem Team gerade solch einen Spaß bereite.
Willingen spielte im Vorjahr lange ganz weit oben mit, musste dann jedoch den vielen Doppelspieltagen Tribut zollen, die Personaldecke war eng. Mit René Huneck wurde ein Mosaikstein hinzugewonnen, der als Stoßstürmer perfekt in die von Maikranz dargelegte Spielweise hineinpasst, allerdings fehlte der Ex-Vellmarer zuletzt verletzt. Für ihn sprang auch Florian Heine in die Bresche, der bereits bei sechs Saisontoren steht.
Hünfelder SV – 1. FC Schwalmstadt (Samstag, 15.30 Uhr).
Dominik Weber handelt vor dem Spiel gegen Schwalmstadt so, wie er es in seiner bisherigen Amtszeit selten getan hat: Er spricht Stürmer Sebastian Schuch öffentlich eine Einsatzgarantie gegen seinen Ex-Verein aus. Schuch war nach einer Wadenverletzung zuletzt nur zweite Wahl. Nun darf der 28-Jährige sich, sofern alles nach Plan läuft, auf knackige Duelle gegen seinen Bruder Maximilian freuen. Der 21-Jährige wurde beim FCS in dieser Saison meist in der Verteidigung eingesetzt, kam zuletzt gegen Kaufungen allerdings nur von der Bank. Es wäre das erste Spiel der beiden Oberaulaer gegeneinander.
Apropos Sebastian Schuch: Der hat im Gegensatz zu Weber bereits den kommenden Gegner gesehen und wird seinen Trainer somit noch genauer instruieren können. Klar ist für Weber, „dass die Mannschaft im Gegensatz zum Vorjahr eine Stufe höher einzuschätzen ist“. Weber weiß um den neuen Teamspirit beim letztjährigen Abstiegskandidaten und warnt insbesondere vor der Offensive um Kapitän Patrick Herpe und Leon Lindenthal.
Nach dem schwachen Auftritt in Neuhof fordert Weber insbesondere mehr Mut ein: So habe er dem Team in Sachen Einstellung keinen Vorwurf unterbreiten können, weiß aber, „dass das fußballerisch schon sehr, sehr dünn war und wir auch wieder eine ganz andere Präsenz an den Tag legen müssen“. Schuch kehrt in die Startformation zurück, Tarek Belaarbi und Niklas Wahl fehlen weiterhin und auch Innenverteidiger Steffen Witzel fällt ob einer starken Bänderdehnung aus.
TSV Lehnerz II – SG Bad Soden (Sonntag, 15 Uhr).
Die Gemengelage in Lehnerz gestaltet sich weiterhin schwierig, die Gründe sind vielfältig: Einerseits hakt es ob der vielen Verletzten im Trainingsbetrieb, Trainer Sedat Gören kann im Schnitt nur auf acht bis zehn Spieler zurückgreifen. Andererseits fehlt eine Achse, so wie sie in der vergangenen Saison von Luca Gaul, Kaan Say und Osman Özlük gebildet wurde. Gerade Özlük wird weiterhin schmerzlich vermisst. „Man muss sich nur die Torschützenliste anschauen, da gibt es unter den ersten 20 keinen Lehnerzer“, gibt Gören zu bedenken. Beim kommenden Gegner ist das ganz anders: Daniele Fiorentino und Marco di Maria haben zusammen bereits zwölf Treffer und damit genauso viele wie das gesamte Lehnerzer Team erzielt. Beizukommen sei Soden also nur, „wenn wir körperlich und in der Arbeit gegen den Ball zulegen, gut stehen und ruhig spielen“.
Doch so viele Tore Soden auch geschossen hat, gleichzeitig stellt die Elf von Kelvin King auch mit die schlechteste Defensive der Liga. 17 Tage beträgt das Zeitfenster zwischen dem bislang letzten Spiel in Hünfeld (1:6-Klatsche) und dem Auftritt am Sonntag in Lehnerz, Zeit um vielleicht Verpasstes aufzuarbeiten. King hat seine Truppe dementsprechend oft um sich gescharrt, „um einerseits im konditionellen Bereich, speziell an der Spritzigkeit und anderseits an der taktischen Variabilität zu arbeiten“. Die Einheiten seien durch die Bank weg positiv verlaufen, doch auch King weiß, „dass das alles Makulatur wäre, wenn das Ergebnis am Sonntag nicht passt“. Wie er die Gesperrten, Innenverteidiger Christoph Neiter und Sechser Dimitrij Scheller, ersetzen will, ist offen.
SSV Sand – RSV Petersberg (Sonntag, 15 Uhr).
Der RSV Petersberg ist einer der Gründe, warum der SSV Sand nicht schon jetzt in der Hessenliga spielt: Im ersten Spiel des neuen Jahres konnte der damalige Abstiegskandidat den damaligen Ligakrösus mit 2:0 niederstrecken. Der SSV baute nach und nach ab, musste Flieden passieren lassen und verpasste in den Aufstiegsspielen endgültig die Hessenliga. „Den Nackenschlag hat Sand super weggesteckt“, findet RSV-Coach Rolf Gollin, der betont: „Über die Qualität des Gegners müssen wir gar nicht erst reden.“
Und weil Petersberg vor Wochenfrist drei nicht erwartete Punkte gegen Weidenhausen holen konnte, kann der Tross die Reise auch entspannt angehen. „Dennoch wollen wir wieder unser Herz in die Hand nehmen, wir haben Selbstvertrauen und vergangene Woche einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung unternommen“, sagt Gollin, der wieder auf den aus dem Urlaub zurückgekehrten Andreas Brzoza und den wochenlang gesperrten Kubilay Kücükler zurückgreifen kann. Dennoch ist die Personalsituation weiterhin nicht rosig, für Gollin aber auch eine Chance: „Die jungen Spieler können in solchen Spielen auch eine ganze Menge lernen. Und letztlich ist es der Sache ja schon fast dienlich, dass sie, wie schon in der Vorsaison, ständig tabellarischen Drucksituationen ausgesetzt sind. Da kann eine Saison mehr bringen, als zehn Jahre zwischen Platz fünf und sieben zu spielen.“

