Torgranate-Analyse
Spannungsabfall nach DFB-Pokal-Highlight
Hessenliga: KSV Baunatal unten zu finden
So lief die bisherige Runde:
Ein Tor von Daniel Borgardt in der 89. Minute besorgte Baunatal am ersten Spieltag bei Türk Gücü Friedberg die ersten drei Punkte. Eine Woche nach dem 1:0 in der Wetterau konnte der KSV im Parkstadion jedoch nicht nachlegen, das Heimspiel gegen Waldgirmes ging 0:1 verloren. Dann kam der 10. August und das große Highlight. Vor 6000 Zuschauern lag Baunatal zur Pause gegen Bochum mit 2:1 vorne und führte gegen den Profiverein aus dem Ruhrgebiet bis zur 70. Minute. Der dreifache VfL-Torschütze Silvere Ganvoula Mboussy verhinderte die Sensation des Fünftligisten. Die Nachwirkungen waren zu spüren, Baunatal kam einfach nicht in die Spur. Die folgenden vier Punktspiele brachten nur einen Zähler, in Ginsheim setzte es sogar eine 2:6-Klatsche. Tiefpunkt war die 0:4-Niederlage vor heimischer Kulisse gegen Schlusslicht Fernwald, welche den KSV arg verunsichert zum Nachholspiel unter der Woche nach Bad Vilbel fahren ließ.
Dort präsentierte sich Baunatal jedoch hellwach und heimste dank des dreifachen Torschützen Rolf Sattorov einen 4:1-Erfolg ein. Angesprochen auf die Folgen des DFB-Pokal-Spiels für den Saisonverlauf antwortete KSV-Trainer Tobias Nebe in der Pressekonferenz nach diesem Spiel: "Ich glaube, dass die Gründe in der Analyse sehr vielschichtig sind. Ich glaube schon, dass es damit zu tun hat. Man hat sich auf das Bochum-Spiel total fixiert und hatte danach einen emotionalen Spannungsabfall. Dann kamen schlechte Ergebnisse dazu, die teilweise völlig unnötig waren und eine Verunsicherung hervorriefen. Dann ist es schwierig, aus so einer Phase rauszukommen."
Es folgten auch danach wechselvolle Ergebnisse, Konstanz war weiterhin ein Fremdwort. Ein weiteres Beispiel: Vier Tage nach dem 1:0-Sieg gegen das Spitzenteam Eintracht Stadtallendorf setzte es gegen Kellerkind SV Steinbach trotz 1:0-Führung eine 1:2-Niederlage. Und so wechselten sich weiter mal ein Sieg mit einem Unentschieden oder einer Niederlage ab.
Trotzte man der SG Barockstadt verdient ein 1:1 ab, so kam man gegen den über 80 Minuten lang in Unterzahl agierenden SV Neuhof nicht über ein 1:1 hinaus. Ende November gelangen gegen Bad Vilbel und in Dreieich zwei 2:0-Siege in Folge, doch statt diesen Aufwärtstrend in die Winterpause zu nehmen, ging das zweite Spiel gegen den Regionalliga-Absteiger daheim mit 0:1 in die Binsen. So steht derzeit Rang 13 zu Buche und nur ein Zähler Vorsprung auf den ersten möglichen Abstiegsplatz.
So haben die Neuzugänge eingeschlagen:
Vom benachbarten Rückzieher FSC Lohfelden kamen Janik Szczygiel und Okan Gül ins Parkstadion und kamen beide auf 13 Einsätze. Der zuletzt vereinslose Serbe Dino Kardovic markierte in 14 Spielen drei Tore. Ersatztorhüter Max Annemüller (OSC Vellmar) durfte Stammkeeper Pascal Bielert in fünf Ligaspielen vertreten. Restliche Neuzugänge wie Andre Schmitt oder Sinan Üstün kamen über kürzere Einsatzzeiten noch nicht hinaus, auch weil Coach Nebe überwiegend auf die gestandenen Akteure der letzten Jahre setzte.
In Erinnerung bleibt:
Neben dem in die Vereinsgeschichte eingegangenen DFB-Pokalspiel die für einen Abstiegsanwärter solide Defensivarbeit. Baunatal kassierte lediglich 32 Gegentore, das ist die sechstbeste Abwehr der Klasse. Als große Problemzone der ersten Saisonphase entpuppte sich derweil die Offensive. 27 geschossene Tore stellen den drittschlechtesten Wert der Liga dar, nur die beiden osthessischen Vertreter SV Neuhof (23) und SV Steinbach (20) trafen weniger. Selbstredend, dass mit Rolf Sattorov der beste Torschütze gerade einmal auf sieben Treffer kommt. auffallend auch die Torarmut bei Heimspielen mit nur sieben Treffern und zwei Siegen vor heimischem Publikum. Vom Umfeld her herrschen in Baunatal indes hervorragende Bedingungen. Das große Parkstadion mit einem Fassungsvermögen von 8578 Plätzen ist tauglich für die Regionalliga, der Baunatal zuletzt von 2013 bis 2015 angehörte. Bei schlechtem Wetter kann auf den benachbarten Kunstrasen ausgewichen werden. Das bestbesuchte Ligaspiel war das Nordhessen-Derby gegen den KSV Hessen Kassel (0:1/2200 Zuschauer), ansonsten verlaufen sich auf der riesigen Tribüne oft nur zwischen 100 und 200 Besucher. Dank des Kassel-Spiels beläuft sich der Zuschauerschnitt auf 371 Besucher.
Ausblick:
Der kürzlich erfolgte Rücktritt des langjährigen Machers Willi Nebe ist einerseits ein herber Verlust auf organisatorischer Ebene, andererseits blicken die Verantwortlichen Platz 13 zum Trotz mit großer Zuversicht auf die Restsaison. Ein Mittelfeldplatz ist ein realistisches Ziel. Das dürfte angesichts der Spielerpotenzials kein Problem sein, sodass sich Baunatal nach und nach aus der Abstiegszone entfernen und am Ende zwischen Rang acht und zehn einlaufen sollte. Übrigens kommt es im Februar und März gleich zweimal zum Nordhessen-Derby. Erst gastiert der KSV Baunatal am 22. Februar im Kreispokal-Viertelfinale beim KSV Hessen Kassel, in der Hessenliga geht es am 21. März ins Auestadion. Auf Osthessen-Tour gehen die "Baunis" dann im April und Mai, wenn man nacheinander beim SV Steinbach (26.4.), der SG Barockstadt (9.5.) und beim SV Neuhof (24.5.) seine Visitenkarten abgibt.

